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Afghanistan : Engpass am Hindukusch

  • -Aktualisiert am

Moskau stellt sich quer

Fieberhaft suchen die Amerikaner und die Nato deshalb nach alternativen Nachschubrouten. Der Weg über Iran ist versperrt; bleibt als Möglichkeit noch der Transport über Nordafghanistan. Dort hat die Bundeswehr ihr Einsatzgebiet - und einen Nachschubplan entwickelt, der die Verbündeten beeindruckt. Die deutschen Streitkräfte lassen zwar bisher noch den überwiegenden Teil ihres Nachschubs für rund 40 Millionen Euro pro Jahr nach Mazar-i-Sharif einfliegen. Doch schon bald wollen sie die Versorgungsgüter mit der Eisenbahn über Russland und die zentralasiatischen Staaten in das Einsatzgebiet bringen.

Das ehemals sowjetische Schienennetz bietet sich dafür geradezu an. Aus der Zeit des Afghanistan-Krieges reichen die Gleise aus Russland bis nach Jeyretan an der afghanisch-usbekischen Grenze. Fahrzeuge und Ersatzteile könnten so künftig zehnmal günstiger als mit dem Flugzeug direkt von deutschen Kasernen nahe an die Einsatzorte am Hindukusch transportiert werden. Im November wurde mit der russischen Regierung ein entsprechender Vertrag unterzeichnet; im Februar soll der erste Transport rollen. Im Bundesverteidigungsministerium gibt es sogar Überlegungen, die Eisenbahnstrecke bis nach Mazar-i-Sharif zu verlängern. Einige Nato-Verbündete verfolgen ähnliche Pläne. Doch Moskau stellt sich bislang quer.

Die Amerikaner in einem Dilemma

Statt mit den Russen schlossen die Amerikaner daher jetzt mit Aserbaidschan, Kasachstan und Turkmenistan einen Vertrag über den Straßentransport. Sie wollen künftig die sogenannte Kaukasusroute für ihren Nachschubverkehr nutzen. Die Strecke führt von Europa über Georgien und das Kaspische Meer bis nach Afghanistan. Ein gewaltiger Transportaufwand, denn wenn die Lastwagen nach Tausenden Kilometern endlich im Einsatzland angekommen sind, liegt immer noch ein mächtiges Hindernis vor ihnen: der Hindukusch. Der 3400 Meter hohe Salang-Pass, der auf dem Weg von Nord- nach Südafghanistan passiert werden muss, ist in den Wintermonaten aufgrund von Schnee und Eis kaum zu befahren.

Die einzige Alternative dazu ist das Flugzeug - oder die westliche Ringstraße über Herat nach Süden. Doch dieser Weg wird an einigen Abschnitten von den afghanischen Taliban oder mit ihnen verbündeten Stammesmilizen kontrolliert. Spediteure müssen dort heute schon Schutzgeld an die Aufständischen zahlen, um ihre Transporte ans Ziel zu bringen. Doch wenn die Kämpfe in diesem Jahr zunehmen, kann sich das schnell ändern. „Deshalb werden die amerikanischen Truppen auf Dauer von den Versorgungswegen in Pakistan abhängig bleiben“, sagt ein Logistikexperte der Bundeswehr.

Die Amerikaner stecken in einem Dilemma. Sie fordern von Pakistan, für Sicherheit auf den beiden Transportrouten zu sorgen. Doch die Regierung in Islamabad weiß, dass Hunderte Lastwagen mit lebensnotwendigen Versorgungsgütern, die täglich zwischen den Stützpunkten in Afghanistan und Karachi pendeln, ein enormes Druckmittel gegen Washington und seine Verbündeten sind. Für ihr Entgegenkommen erwartet sie, dass zuerst die Angriffe amerikanischer Truppen auf pakistanischem Territorium aufhören.

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