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Afghanistan : Engpass am Hindukusch

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Unzureichend bewacht, bildete die Lkw-Ansammlung das perfekte Ziel. Um 2.30 Uhr schlugen 200 Kämpfer los: Sie töteten einen Wächter und feuerten Handgranaten und Panzerabwehrraketen auf die Lastwagen. Mit Lebensmitteln und Ersatzteilen beladene Container gingen in Flammen auf, gezielt wurden mehrere Dutzend für die afghanische Armee bestimmte Militärfahrzeuge vom Typ „Humvee“ zerstört. Die pakistanischen Sicherheitskräfte fanden am nächsten Morgen nur noch verschmorte Blechhaufen vor.

Die Reaktionen in den westlichen Hauptquartieren auf die Nachschubverluste der vergangenen Monate fielen indes betont unaufgeregt aus. Ein amerikanischer Militärsprecher in Kabul nannte die Wirkung der Attacken „militärisch unbedeutend“, sie verursachten kein „ernsthaftes Versorgungsproblem“. Ein ranghoher Nato-Offizier äußerte lapidar, nun müsse die afghanische Armee eben noch ein halbes Jahr länger auf neue Fahrzeuge warten. Doch jenseits der offiziellen Verlautbarungen sind vor allem die amerikanischen Stäbe von den Entwicklungen auf Pakistans Straßen alarmiert. Denn die Truppenaufstockung in diesem Jahr macht sie mehr denn je vom reibungslosen Nachschub abhängig. Schon im September warnte daher der stellvertretende Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs der amerikanischen Streitkräfte, James Cartwright, vor einer Blockade der Versorgungslinien durch Pakistan. „Es wäre eine Herausforderung, unsere Präsenz in Afghanistan dann aufrechtzuerhalten“, sagte er.

Eine unbedeutende Größe

Erste Konsequenzen der Attacken auf den Nachschub sind schon spürbar: Wegen der Unterversorgung mit Treibstoff seien in Südafghanistan Truppenbewegungen reduziert und Offensiven abgebrochen worden, heißt es aus Militärkreisen. Zudem hätten amerikanische und britische Truppen an ihren Stützpunkten größere Kraftstoffvorräte anlegen müssen. Einige Speditionen weigern sich inzwischen, im Auftrag der Nato oder der Amerikaner zu fahren. Für umgerechnet 40 Euro pro Transport sei ihnen das Risiko zu hoch, heißt es in pakistanischen Medienberichten. Nato-Militärs entgegnen, die Fuhrunternehmer wollten nur den Preis hochtreiben. Doch der Druck der Taliban auf die Spediteure wächst. Sie drohen denjenigen, die für die westlichen Truppen arbeiten, offen mit Mord. Das Schicksal von Shaukat Afridi gilt Lastwagenfahrern in Pakistan als warnendes Beispiel.

Längst hat ein Wettlauf um die Deutung der Ereignisse in der Khyber-Region eingesetzt. Nato-Militärs bemühen sich, die Taliban als ein eher temporäres Phänomen abzutun. Mehsuds Milizen seien im Kampf um die Nachschubwege eine unbedeutende Größe, sagen sie. In der Khyber-Region tobe vielmehr ein Verteilungskampf zwischen verschiedenen paschtunischen Stämmen um die millionenschweren Einnahmen aus dem Transportgewerbe, der sich mit Verhandlungen bald beenden lasse. „Die Stämme würden doch eher die Taliban bekämpfen, als sich von ihnen das lukrative Geschäft kaputtmachen zu lassen“, sagt ein ranghoher Offizier. Doch Pakistan-Fachleute warnen davor, den Einfluss der Extremisten zu unterschätzen. Mehsud, heißt es, übe erheblichen Druck auf die Ältesten aus. In manchen Gebieten habe er sie schon mit brutaler Gewalt entmachtet.

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