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Afghanistan-Einsatz : Bundeswehr zieht aus Kundus ab

Bundeswehrsoldaten in Kundus (Archivbild) Bild: dpa

Die in Kundus stationierten Soldaten der Bundeswehr werden ins Hauptquartier nach Mazar-i-Sharif verlegt. Zu diesem Schritt kommt es nicht zuletzt wegen der Corona-Pandemie.

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          Die Bundeswehr verkleinert ihren Aktionsradius in Afghanistan. Wie das Einsatzführungskommando in Geltow bei Potsdam angab, sollen deutsche Berater der afghanischen Streitkräfte nicht länger fest im nordafghanischen Kundus stationiert sein. Es hieß zugleich auch, die Entscheidung, die Berater aus Kundus abzuziehen, habe nichts mit den überraschenden Abzugsabsichten der Amerikaner zu tun, die die Regierung Trump vergangene Woche verkündet hatte.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Kundus ist die Provinzstadt im Nordosten Afghanistans, in der der Einsatz der Bundeswehr im Oktober 2003 begann. Damals bezogen deutsche Truppen zunächst ein Lager mitten in der Stadt; später errichteten sie ein neues Feldlager am Flugplatz auf einer Anhöhe außerhalb. Der Schwerpunkt der deutschen Aktivitäten in Afghanistan verlagerte sich nach Mazar-i-Sharif, nachdem die Bundeswehr die Führung des Isaf-Einsatzes für den ganzen Norden Afghanistans übernommen hatte. Im Feldlager am dortigen Flughafen ist bis heute das größte deutsche Kontingent beheimatet.

          Das Feldlager in Kundus wurde 2013 von der Bundeswehr geräumt; der gesamte Afghanistan-Einsatz änderte damals seinen Charakter. Die Unterstützungs- und Stabilisierungsmission wurde in eine Ausbildungs- und Beratungsmission umgewandelt. Nachdem Kundus in den Jahren darauf wiederholt Angriffen der Taliban ausgesetzt war und einmal auch kurzzeitig von ihnen besetzt werden konnte, erkannte die Bundeswehr die Notwendigkeit, auch im äußeren Nordosten wieder mehr Engagement bei der Beratung und Ausbildung der afghanischen Kommandeure und Offiziere aufzubieten.

          So entstand im Camp Pamir, dem Hauptquartier des 217. Korps der afghanischen Armee, ein eigener, besonders gesicherter Abschnitt mit eigener Küche und eigener Sanitätsstation für die deutschen Berater und ihren militärischen Schutz. Im Sommer gab die Bundeswehr noch an, dieses Camp im Camp solle ausgebaut werden und künftig auch Büro- und Arbeitsmöglichkeiten für bis zu 130 Personen bieten.

          Diese Pläne wurden nun endgültig aufgegeben. Den Anstoß für eine Verringerung der gesamten Nato-Truppenpräsenz gab im April der Abschluss eines Abkommens zwischen den Taliban und den Vereinigten Staaten. Darin waren Schritte zu einem Abzug der ausländischen Truppen vereinbart, allerdings wurde der vollständige Abzug von Fortschritten im innerafghanischen Friedensprozess abhängig gemacht.

          Zu einer geänderten Lagebeurteilung führte überdies auch der Verlauf der Corona-Pandemie, die schon im vergangenen Sommer die Arbeit der deutschen Militärberater stark einschränkte. In einem Bericht vom Juli hieß es, dass das Beratungsteam in Kundus schon damals weitgehend auf den persönlichen Kontakt zu den afghanischen Offizieren verzichten musste. Stattdessen habe man die Verbindung per Videotelefonie, durch selbstgedrehte Erklärvideos und durch regelmäßige Telefonkonferenzen aufrechterhalten.

          Pläne für den Rückzug

          Die insgesamt 120 Bundeswehrsoldaten, die bislang in Kundus tätig waren, werden nun in das Feldlager in Mazar-i-Sharif verlegt und sollen von dort aus bei Bedarf weiterhin kurzfristig per Hubschrauber zur Unterstützung der afghanischen Kräfte nach Kundus geflogen werden können. Die Bundeswehr gibt an, die Rückverlegung sei aufgrund einer schon vor einiger Zeit gegebenen Anordnung des Kommandeurs der Mission Resolute Support erfolgt; der amerikanische General Scott Miller habe entschieden, die Beratungsarbeit an dem Standort im Nordosten einzustellen. Die Entscheidung stehe daher nicht im Zusammenhang mit den jüngsten Anordnungen aus Washington.

          Die Nato hatte ihrerseits in ihren Abzugsplänen mit einem Termin im Frühjahr kalkuliert – und sich dabei auf die Bestimmungen des Abkommens zwischen den Taliban und Washington bezogen. Das hatte den Abzug der internationalen Truppen bis zum Mai des nächsten Jahres unter bestimmten Voraussetzungen in Aussicht gestellt. Die Nato entwickelt also eigene Abzugspläne, die nach Angaben ihres Generalsekretärs Jens Stoltenberg im Februar endgültig fixiert werden sollen. Dem Vernehmen nach arbeitet auch die Bundeswehr schon seit geraumer Zeit an Planungen, wie ein Rückzug aus dem Feldlager in Mazar-i-Sharif bewerkstelligt werden soll.

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