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Afghanistan-Einsatz : Bis zu 2500 amerikanische Soldaten nach Kundus

  • Aktualisiert am

Die Bundeswehr bekommt in Kundus Verstärkung Bild: ddp

Washington wird erstmals ein größeres Truppenkontingent in Nordafghanistan stationieren, ein Teil davon womöglich in Kundus. Das könnte es der Bundesregierung erleichtern, auf eine eigene größere Truppenverstärkung zu verzichten.

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          Die Vereinigten Staaten werden erstmals ein größeres Truppenkontingent im Norden Afghanistans stationieren, wo bisher die Bundeswehr die Verantwortung trägt. Nach Informationen der F.A.Z. sollen unter anderem in Kundus amerikanische Soldaten eingesetzt werden, um vor allem die Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte voranzubringen. Das könnte es der Bundesregierung erleichtern, auf eine eigene größere Truppenverstärkung zu verzichten, um den zuletzt immer unruhigeren Landesteil zu sichern.

          Aus der Nato war am Dienstag zu erfahren, dass die geplante Stationierung durch die amerikanische Truppenverstärkung um 30.000 Soldaten ermöglicht wird, die Präsident Obama kürzlich angeordnet hat. General McCrystal, der Kommandeur der Isaf-Schutztruppe, habe die neuen Kräfte auf Einsatzorte verteilt, an denen sie dringend gebraucht würden. Für den Norden sollen eine Infanterie-, eine Luftunterstützungseinheit und eine Lufteinsatzgruppe abgestellt werden, was bis zu 2500 Soldaten ergeben könne. Die Stationierung soll in zwei Phasen vollzogen werden, von denen die erste bis Mitte Mai abgeschlossen sein soll. In Kundus wird derzeit ein amerikanisches Feldlager gebaut, nicht weit entfernt vom dortigen deutschen Lager.

          Amerikaner sollen Afghanen ausbilden

          Mitglieder der Bundesregierung wiesen die Vermutung zurück, die amerikanische Verstärkung in Kundus könne der Überlegung entspringen, die Deutschen könnten ihren Sicherungsauftrag im Norden Afghanistans, wo die Bundeswehr das Regionalkommando stellt, nicht erfüllen. Die zusätzlichen Amerikaner sollten hauptsächlich afghanische Sicherheitskräfte ausbilden, hieß es zur Begründung. Allerdings ist die Ausbildung von afghanischer Polizei (ANP) und Armee (ANA) ebenfalls Hauptauftrag der Bundeswehrsoldaten.

          Bisher hatten die Amerikaner im Norden Afghanistans nur kleinere Operationen unternommen. Der Schwerpunkt des neuen Engagements im Norden soll in der Tat auf der Ausbildung liegen; zum Auftrag der amerikanischen Soldaten werde aber auch die Sicherung von Nachschub- und Handelswegen gehören, hieß es in Brüssel.

          Es sei wahrscheinlich, dass die Amerikaner auch Spezialkräfte zum Einsatz brächten, war in der Nato zu hören. Auch türkische und armenische Soldaten sollen künftig im Norden stationiert werden. Bisher waren dort neben den Deutschen nur Belgier, Ungarn, Schweden und Norweger im Einsatz, allerdings mit deutlich kleineren Kontingenten als die Bundeswehr, die derzeit knapp 4500 Soldaten nach Afghanistan entsandt hat. Die amerikanische Verstärkung könnte ausreichend sein, um die militärischen Anforderungen zur Sicherung des Nordens und insbesondere von Kundus zu erfüllen. Sie war von Militärs der Nato kürzlich auf etwa zwei Bataillone beziffert worden, was bis zu 3000 Mann sein können. Der amerikanische Nato-Botschafter will noch in diesem Monat nach Berlin reisen, um dort Gespräche über die Zukunft des Afghanistaneinsatzes zu führen.

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