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Afghanistan : Dutzende Verletzte bei Anschlag vor Militärstützpunkt

  • Aktualisiert am

Ein Selbstmordattentäter der Taliban hat vor einem amerikanisch-afghanischen Militärstützpunkt einen Sprengsatz gezündet. Mehr als 50 Personen wurden dabei verletzt. Verteidigungsminister Thomas De Maizière (CDU) warnt derweil vor einem überstürzten Abzug aus Afghanistan.

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          Bei einem Selbstmordanschlag vor einem amerikanisch-afghanischen Militärstützpunkt sind mehr als 50 Menschen verletzt worden. Mindestens 45 Opfer sind nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters Soldaten der afghanischen Armee. Soldaten der Nato seien nicht unter den Opfern, sagte eine Sprecherin der Isaf. Ärzte sprachen von sieben verletzten Zivilisten. Der Attentäter habe eine Autobombe am Mittwoch vor den Toren der Kaserne gezündet, sagte der stellvertretende Gouverneur der Provinz Paktia, in der sich die Attacke ereignete. Die Taliban bekannten sich zu dem Selbstmordanschlag.

          Seit Jahresbeginn sind in Afghanistan durchschnittlich 537 einheimische Polizisten und Soldaten pro Monat getötet oder verletzt worden. Das geht aus einer in der Nacht zu Mittwoch veröffentlichten Statistik der Isaf hervor. Die Polizei (ANP) hat im Jahr 2012 demnach bislang durchschnittlich 292 Tote und Verwundete zu beklagen, die Armee (ANA) inklusive der jungen Luftwaffe 245.

          Weiter hieß es darin, Polizei und Armee verfügten nun über 337.187 Angehörige. Damit seien 96 Prozent des Ziels von 352.000 Sicherheitskräften erreicht. Polizei (Ziel 157.000 Angehörige) und Armee (Ziel 187.000 Angehörige) seien Ende 2013 voll einsatzbereit. 85 Prozent der Ausbildung der Sicherheitskräfte erfolge inzwischen durch die Afghanen selber. Bis Ende 2014 sollen die afghanischen Sicherheitskräfte im ganzen Land von der Nato-geführten Isaf übernommen haben.

          Thomas De Maizière: „Wenn wir jetzt kopflos aus Afghanistan herausgehen würden, wäre alles vergeblich, was wir in den vergangenen Jahren erreicht haben“.

          Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) hat vor einem überstürzten Abzug aus Afghanistan gewarnt. „Wenn wir jetzt kopflos aus Afghanistan herausgehen würden, wäre alles vergeblich, was wir in den vergangenen Jahren erreicht haben“, sagte de Maizière der „Passauer Neuen Presse“. Zwar sei der Aufbau der afghanischen Armee „auf einem guten Weg“, doch gebe es hier noch „keine Erfolgsgarantie“. Es wäre falsch, wenn die internationalen Truppen abziehen würden, ohne sicher zu sein, dass das Land selbst für seine Sicherheit sorgen kann.

          „Es bleibt bei unserem Zeitplan“, versicherte de Maizière zugleich. Bis Ende 2014 sollten die in Afghanistan eingesetzten Soldaten der Bundeswehr wieder zurück in Deutschland sein. Zwar würden auch danach noch deutsche Soldaten in dem zentralasiatischen Land stationiert sein, jedoch nur noch unter einem „reinen Ausbildungs- und Trainingsmandat“. Dieses werde allerdings auch eine Schutzkomponente umfassen müssen, „das gehört zum Einmaleins des Militärischen“.

          Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag, Rainer Arnold, hatte am Dienstag verlangt, mindestens 1000 deutsche Soldaten bereits im kommenden Jahr aus Afghanistan zurückzuholen. Er begründete dies mit guten Fortschritten beim Aufbau der afghanischen Sicherheitskräfte vor allem im Norden des Landes.

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