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Afghanistan : Die NATO zieht ab, die Taliban greifen an

Ein Mann am Sonntag in Kabul in der Nähe der Stelle, an der am Samstag Öltanker ausbrannten Bild: EPA

Nach fast zwanzig Jahren hat der Abzug der ausländischen Truppen aus Afghanistan offiziell begonnen. Angriffe und Anschläge überschatten ihn. Viele Menschen wurden am Wochenende getötet oder verletzt.

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          Nach fast zwanzig Jahren hat am Wochenende der Abzug der ausländischen Truppen aus Afghanistan offiziell begonnen. Landesweit kam es zu Angriffen der Taliban auf afghanische Sicherheitskräfte sowie zu Anschlägen. Verheerend war die Detonation einer Autobombe in der Hauptstadt der östlichen Provinz Logar: Mindestens 30 Menschen wurden dabei in der Nacht zum Samstag getötet und mehr als hundert weitere verletzt. Behörden schrieben den Anschlag den Taliban zu.

          Christian Meier
          Redakteur in der Politik.

          In der südlichen Provinz Ghazni eroberten die Islamisten am Samstagmorgen eine wichtige Armeebasis; zahlreiche Soldaten wurden gefangen genommen oder getötet. In der nordöstlichen Provinz Badachschan wurden mindestens acht Soldaten getötet und weitere verletzt, als die Taliban am Samstag einen Armeeposten angriffen. Das afghanische Verteidigungsministerium teilte am Sonntag mit, bei Gegenoffensiven der Armee in mehreren Provinzen seien binnen 24 Stunden mehr als 80 Taliban getötet worden. Die Sicherheitsvorkehrungen in Kabul und anderen Städten wurden am Wochenende erhöht.

          Angriffe auf Angehörige der NATO-Mission „Resolute Support“ blieben vorerst weitgehend aus. Ein Sprecher des US-Militärs teilte am Samstag auf Twitter mit, der Flugplatz Kandahar sei mit „ineffektivem indirektem Feuer“ beschossen worden. Schäden oder Verletzte habe es nicht gegeben. Am Abend hätten die Streitkräfte einen „Präzisionsschlag“ durchgeführt und weitere Raketen zerstört. Die Taliban reklamierten die Attacke nicht für sich.

          Die Aufständischen hatten wiederholt gefordert, dass der mit der Regierung in Washington vereinbarte Abzugstermin 1. Mai eingehalten wird. Ihr Sprecher Zabihullah Mudschahid teilte am Samstag auf Twitter mit, die Verletzung der Frist gebe den Aufständischen das Recht, „alle erforderlichen Maßnahmen gegen die Besatzungsmächte zu ergreifen, die sie für angemessen halten“. Die Taliban-Kämpfer warteten auf eine Entscheidung ihrer Führung dazu. Zuletzt waren noch knapp 10.000 Soldaten der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten in Afghanistan. Unter ihnen waren 1067 Bundeswehrsoldaten; ihr Abzug wird laut einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur von Soldaten des Kommandos Spezialkräfte abgesichert.

          Afghanische Sicherheitskräfte am 15. April an einem Checkpoint in der Provinz Helmand
          Afghanische Sicherheitskräfte am 15. April an einem Checkpoint in der Provinz Helmand : Bild: EPA

          Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete unterdessen, in einem geheimen Anhang des US-Taliban-Abkommens vom Februar 2020 sei vereinbart worden, dass die Islamisten ausländische Militärbasen vor Angriffen anderer militanter Gruppen schützen. Während Angriffe auf ausländische Truppen gemäß dem Abkommen weitgehend ausblieben, intensivierten die Taliban im Jahresverlauf ihre Angriffe auf die afghanische Armee. Auch im Winter war das Gewaltniveau hoch. Laut einem neuen amerikanischen Bericht gab es in den Monaten Januar bis März 2021 fast 37 Prozent mehr Angriffe militanter Gruppen als im Vorjahreszeitraum. Dabei seien auch deutlich mehr Zivilisten getötet worden.

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