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Afghanistan : „Die Deutschen können stolz auf ihre Soldaten sein“

Guttenberg frühstückt mit Bundeswehr-Soldaten im Feldlager in Mazar-i-Sharif Bild: ddp

Die Amerikaner, die der Bundeswehr in Kundus zur Seite stehen, loben den Einsatz ihrer deutschen Kameraden. Die Furcht vor der „Amerikanisierung“ des Einsatzgebietes, die manche in Deutschland hegen, ist der Truppe fremd, die der Verteidigungsminister dort besucht.

          In zwei Reihen sind die Soldaten in Wüstentarnuniform vor ihrem obersten Befehlshaber angetreten. Es sind Soldaten jener Einheit, die am Karfreitag in einem Dorf nahe Kundus heftig unter Feuer genommen worden war. Im Hintergrund ist der Ehrenhain, den die Bundeswehrleute im Feldlager für diejenigen Kameraden errichtet haben, die in und bei Kundus im Einsatz ihr Leben gelassen haben.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent für Österreich und angrenzende Länder mit Sitz in Wien.

          Seit Karfreitag sind drei neue Plaketten an der halbrunden Mauer dazugekommen. Verteidigungsminister zu Guttenberg, in heller Hose und schwarzer Wetterjacke, würdigt nach einem Gedenken an die Toten die Leistung der Soldaten, die in dem heftigen Gefecht rund 40 Talibankämpfern standgehalten haben, die nach den Schilderungen der Soldaten aus allen Rohren auf sie schossen.

          „Alles Gute und Gottes Segen“

          „Danke für Ihr Engagement in diesem gefährlichen Einsatz“, sagt der Minister. „Wir sind auf Ihre Kraft und Ihre Stärke angewiesen.“ Er erinnert daran, dass der Einsatz letztlich der Sicherheit in Deutschland diene. „Alles Gute und Gottes Segen für das, was Sie für die Heimat, das Vaterland leisten.“

          Guttenberg begrüßt die Besatzung des Hubschraubers vor dem Abflug nach Kundus

          Dann wendet sich Guttenberg an eine Reihe Männer, die sich hinter den Bundeswehrleuten aufgebaut haben - auf Englisch. Es sind die amerikanischen Heeresflieger, die während des Gefechtes ihre verwundeten deutschen Kameraden geborgen haben, unter Einsatz des eigenen Lebens. Die „Black Hawk“-Hubschrauber wurden bei der sogenannten Med-Evac-Aktion, also der medizinischen Evakuierung, selbst von den hinter Lehmmauern versteckten Angreifern unter Feuer genommen.

          „Sie haben sich als mehr als tapfer erwiesen, um das Leben unserer Soldaten zu retten“, sagt der deutsche Politiker den Amerikanern. „Das war mehr als professionell, das war Passion.“ Er dankt auch im Namen der deutschen Bundeskanzlerin und drückt dann jedem eine Medaille in die Hand. In die Münzen in Gold und Blau sind Bundesadler und Eisernes Kreuz graviert, der Namenszug des Ministers sowie die Anfangsworte der Nationalhymne: „Einigkeit und Recht und Freiheit“. Das sei schon etwas Besonderes für ihn, sagt einer hinterher: eine Auszeichnung vom Minister eines befreundeten Landes zu erhalten.

          Amerikanische Einheit ist sonst in Kattenbach stationiert

          Das befreundete Land ist den Amerikanern nicht fremd: Sie sind, wenn nicht im einjährigen Einsatz in Afghanistan, in Kattenbach bei Ansbach stationiert - gar nicht weit von Guttenbergs fränkischer Heimat, wie Sergeant Wilhelm Ebel wohl weiß. Er ist der erfahrene Haudegen der Einheit, lebt seit mehr als zwanzig Jahren in Deutschland und ist mit einer Deutschen verheiratet. Sein Großvater ist einst aus Deutschland in die Vereinigten Staaten emigriert. Ebel saß in dem „Black Hawk“, der von oben mit seinen Maschinengewehren die beiden anderen Hubschrauber sicherte, als sie zur Rettung der Verwundeten heruntergingen.

          Das Lob für ihre militärische Tat wehren die Amerikaner ab: „Es ist unser Beruf, ins Gefecht zu fliegen und Verletzten zu helfen“, sagt Ebel in geläufigem Deutsch. Und sie geben das Lob an die deutschen Kameraden weiter. Die Männer am Boden hätten sich exzellent verhalten, sehr professionell, sagen Chief Warrant Officer Johnson und Spezialist Martinez.

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