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Afghanistan : „Die Deutschen können stolz auf ihre Soldaten sein“

Eine Gruppe habe sich zuerst sehr mutig in Stellung gebracht und die Angreifer unter Feuer genommen. Ohne diesen Feuerschutz, der die Taliban etwas niedergehalten habe, hätten sie nicht heruntergehen können. Die beiden müssten es beurteilen können. Ihre Einheit war in den vergangenen Monaten in Shindad im Westen Afghanistans und in Kandahar im Süden eingesetzt. Dort sind intensive Feuergefechte anders als in Kundus nichts Neues.

„Die Deutschen können stolz auf ihre Soldaten sein“

Ob sie vergleichbare Situationen schon öfter meistern mussten? „Jede Situation ist einzigartig“, sagt Johnson. „Aber diese Situation war ein bisschen einzigartiger als gewöhnlich.“ Und sein Kompaniechef fügt hinzu: „Die Deutschen können stolz auf ihre Soldaten sein.“

In der heimischen Debatte, in Kommentaren und Darstellungen war bisweilen von einer „Amerikanisierung des Nordens“ in Afghanistan die Rede gewesen und davon, dass die Amerikaner doch gewiss nicht die Befehle eines deutschen Offiziers befolgen würden, wenn sie in den Nordbereich der Nato-geführten Afghanistan-Truppe Isaf verlegt würden. Das Regionalkommando dort führt von Mazar-i-Sharif aus derzeit der deutsche Brigadegeneral Leidenberger.

Aber nicht nur die amerikanischen Nato-Spitzenoffiziere, General McChrystal und Admiral Stavridis, haben solchen Darstellungen eindeutig widersprochen. Auch bei den Bundeswehroffizieren sind keine Vorbehalte, sondern Dankbarkeit zu spüren, dass die Amerikaner nun so massiv im Norden zu Hilfe kommen. Mit rund 5000 Mann verstärken sie die Isaf dort, etwa so vielen, wie die Bundeswehr insgesamt für Isaf stellt. Und sie bringen ein ganz wichtiges Hilfsmittel mit: rund vierzig Hubschrauber für Transport, Med-Evac und auch Kampfhubschrauber.

Zwei Panzerhaubitzen sollen baldmöglichst zum Einsatz kommen

Aber auch die Deutschen reagieren auf die veränderte Sicherheitslage. Guttenberg kündigt nach seinen Gesprächen in Kundus und Mazar an, man werde den erkannten „Nachbesserungsbedarf“ erfüllen. Dazu gehören schwere Artillerie und weitere Marder-Schützenpanzer. Zwei Panzerhaubitzen sollen schnellstmöglich in den Einsatz gebracht werden. Sie sollen freilich nicht wie in den klassischen Kriegsszenarien batterieweise auf einen massierten Feind schießen - daher nur zwei Geschütze -, sondern sie sollen gleichsam als Festungsartillerie vom Feldlager Kundus aus in einem Radius von bis zu 40 Kilometern punktuell wirken können. Das geht nach Angaben von Artilleristen mit der modernen Munition, wenn sie im Gelände zuvor eingeschossen worden ist.

Artillerie ist für die Isaf-Kräfte nichts Neues. Die Amerikaner haben in ihren Stützpunkten im Osten des Landes Geschütze von entsprechendem Kaliber stehen, und auch die von der Bundeswehr geführte Panzerhaubitze 2000 ist von den Niederländern im Süden - nach Einschätzung von holländischen Offizieren erfolgreich - eingesetzt worden. Freilich sind die Gegebenheiten im bevölkerten Raum um Kundus anders als im wüstenreichen Süden. Ein Allzweckmittel, das wissen auch die deutschen Generäle, kann sie nicht sein. Jedenfalls werden sie der innerdeutschen Debatte über eine neuartige Qualität eines Kriegseinsatzes am Hindukusch zusätzlich Nahrung geben.

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