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Afghanistan : Deutscher Entwicklungshelfer erschossen

  • Aktualisiert am

Bild: FAZ.NET

In Afghanistan ist ein deutscher Entwicklungshelfer erschossen worden, wie die Welthungerhilfe bestätigte. Er wurde in der nördlichen Provinz Sar-i-Pul von zwei Männern überfallen, aus dem Auto gezerrt und hingerichtet.

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          In Afghanistan ist ein deutscher Entwicklungshelfer der Welthungerhilfe erschossen worden. Das bestätigte eine Sprecherin der Organisation am Donnerstag in Bonn. Die Einzelheiten des Todesfalls würden derzeit zusammengetragen. Der Mann war demnach in der Provinz Sar-i-Pul im Norden Afghanistans stationiert gewesen.

          Laut dem Polizeichef dieser Provinz, Abdul Khaled Samian, war der Deutsche in der Nähe des Dorfes Mirza Wolang von zwei Tätern erschossen worden. Drei seiner afghanischen Kollegen seien beraubt worden. Der stellvertretende Gouverneur Qamarudin Shikeb sagte, die vier Männer seien in zwei Fahrzeugen im Bezirk Sayyad unterwegs gewesen, als sie von den beiden mit Gewehren bewaffneten Männern gestoppt wurden. „Sie zerrten sie aus den Autos, durchsuchten sie und raubten die Afghanen aus“, sagte Shikeb. „Den Deutschen führten sie in einige Entfernung und töteten ihn mit zwei Kugeln.“

          Überfälle alltäglich

          Laut Angaben der Bundeswehr waren die Fahrzeuge der Entwicklungshelfer zudem beschossen worden. In der Provinz Sar-i-Pul rivalisieren verschiedene Gruppen und lokale Kommandeure miteinander. Überfälle und Plünderungen sind an der Tagesordnung.

          Die Polizei habe 50 Beamte in die Region entsandt, sagte Polizeichef Samian. Sie sollten alle Häuser durchsuchen. Der Leichnam des toten Deutschen werde in die Provinzhauptstadt Sar-i-Pul gebracht. Es ist der erste deutsche Mitarbeiter einer Hilfsorganisation, der seit dem Sturz der Taliban Ende 2001 in Afghanistan getötet wurde. Vor einigen Monaten waren zwei Journalisten der Deutschen Welle - ebenfalls im als ruhig geltenden Norden des Landes - ermordet worden.

          UN-Beauftragter unterstützt Nato-Offensive

          Unterdessen hat der UN-Sonderbeauftragte für Afghanistan, Tom Koenigs, die Offensive der Nato-geführten Schutztruppe Isaf im Süden des Landes ausdrücklich unterstützt. „Dass da die Nato die Initiative übernimmt, finde ich völlig richtig“, sagte der deutsche Diplomat am Donnerstag der ARD. Es sei ebenfalls richtig gewesen, dass Nato-Truppen im vergangenen Jahr überhaupt in den Süden gegangen seien und „dort doch eine sehr viel kohärentere und massivere Strategie“ verfolgten als zuvor. „Alle wollen Frieden. Aber man kriegt den Frieden hier nicht ohne eine starke Nato-Präsenz.“

          Wäre diese Präsenz vom ersten Tag an im Süden vorhanden gewesen, „dann wären die Taliban hier überhaupt nicht mehr auf die Platte gekommen“, sagte Königs. Er warnte zugleich vor einer Dauerpräsenz der Nato im umkämpften Süden. So etwa würden „weder die Nato noch die Afghanen aushalten“.

          Parlament in Rom verlängert Afghanistan-Mission

          Das römische Abgeordnetenhaus hat mit breiter Mehrheit beschlossen, die etwa 1900 italienischen Soldaten in Afghanistan zu belassen. 524 Abgeordneten stimmten am Donnerstag für einen entsprechenden Antrag der Regierung von Ministerpräsident Romano Prodi. Lediglich drei Abgeordnete lehnten den Antrag zur weiteren Finanzierung der verschiedenen italienischen Auslandseinsätze ab.

          Vor zwei Wochen hatte eine entsprechende Ablehnung im römischen Senat die Mitte-Links-Koalition in eine schwere Krise gestürzt.

          Probeabstimmungen über Tornado-Einsatz positiv

          Ein klares positives Votum des Bundestags für den Einsatz deutscher „Tornado“-Aufklärungsflugzeuge am Hindukusch gilt mittlerweile als sicher. Probeabstimmungen in den Fraktionen ergaben bei der Union eine fast geschlossene Zustimmung. Bei der SPD wird mit 40 bis 50 Gegenstimmen gerechnet. Die FDP will mehrheitlich mit Ja stimmen, die Grünen sind gespalten. Die Linke lehnt den Einsatz ab.

          Die Flugzeuge der Bundeswehr sollen von Mitte April an vom deutschen Stützpunkt in Mazar-i-Sharif im Norden Afghanistans zu ihren Aufklärungsflügen für die Isaf-Truppen starten. Die Einsätze der Bundeswehr am Hindukusch würden damit eine „neue Dimension“ erhalten, sagten Bundeswehroffiziere. Im Brüsseler Nato-Hauptquartier wiesen hohe Offiziere darauf hin, dass die Kommandeure in Afghanistan schon „dringend“ auf die Tornados warteten. Verteidigungsfachleute der Koalition verwiesen übereinstimmend darauf, dass in Afghanistan jetzt die Zukunft der Nato auf dem Spiel stehe.

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