https://www.faz.net/-gpf-9qyec

Afghanistan : Deshalb ist das Taliban-Abkommen vorerst gescheitert

Der Leichnam eines getöteten amerikanischen Soldaten, der bei einer Autobombenexplosion in Kabul ums Leben gekommen war, wird nach Hause gebracht. Bild: AP

Das Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und den Taliban hätte einen langwierigen Krieg beenden können. Nach Trumps Absage der Gespräche ist ungewiss, ob der Deal nur aufgeschoben oder endgültig Geschichte ist.

          4 Min.

          Eigentlich hätte das Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und den Taliban vor einer Woche unterzeichnet werden sollen. Noch am vergangenen Montag hatte der amerikanische Chefunterhändler Zalmay Khalilzad gesagt, man habe sich „grundsätzlich“ auf ein Abkommen geeinigt. Jetzt könnte der angestrebte Deal aber scheitern. Denn in der vergangenen Nacht sagte Präsident Donald Trump ein Geheimtreffen ab, bei dem er sich in Camp David separat mit den Taliban und dem afghanischen Präsidenten Aschraf Ghani treffen wollte. Unklar bleibt, ob dies das endgültige Aus für die Verhandlungen ist oder ob sie nur ausgesetzt sind.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Auslöser für die amerikanische Kehrtwende war ein Anschlag am vergangenen Donnerstag in Kabul, bei dem ein Selbstmordattentäter der Taliban 12 Menschen getötet hat, darunter einen amerikanischen Soldaten. Trump schrieb daher auf Twitter: „Wenn sie keinen Waffenstillstand vereinbaren können während dieser sehr wichtigen Friedensgespräche, und sogar zwölf unschuldige Menschen töten, dann haben sie wahrscheinlich ohnehin nicht die Macht, ein bedeutsames Abkommen auszuhandeln.“

          Die Amerikaner hatten in den vergangenen Monaten viel Optimismus verbreitet, dass ein Deal mit den Taliban unmittelbar bevorstehe. Dann hat aber eine neue Welle der Gewalt das immer unwahrscheinlicher werden lassen. Allein die Taliban hatten in der vergangenen Woche fünf große Anschläge verübt, obwohl sie parallel dazu mit Amerika verhandeln. Am 2. September griffen sie in Kabul das „Green Village“ an, in dem viele internationale Organisationen untergebracht sind. Die Angreifer rechtfertigten das Blutbad damit, dass die afghanische Regierung verstehen solle, wie stark die Taliban seien, und dass sie diese nicht stoppen könne.

          Seit Juli 2018 haben die Amerikaner und die Taliban über einen amerikanischen Truppenrückzug verhandelt. Die neunte Verhandlungsrunde begann am 23. August in Doha. Unmittelbar davor zeigten aber zwei große Anschläge, mit welchen Risiken in Afghanistan selbst für den Fall eines Abkommens mit den Taliban zu rechnen wäre. Denn hinter dem ersten Anschlag wird eine Abspaltung der Taliban vermutet. Der zweite Anschlag wurde vom afghanischen Ableger des Islamischen Staats verübt, der aus den militantesten Reihen der Taliban entstanden ist.

          Die Vereinigten Staaten machten zur Bedingung auch nur für einen Teilabzug, dass von Afghanistan keine Terrorgefahr mehr auf andere Länder ausgehen dürfe. Selbst wenn sich die Führung der Taliban in Doha darauf verpflichten sollte, ist keineswegs gewiss, dass sie das auch durchsetzen kann.

          Keine Kontrolle über die Abspaltungen

          Denn zum einen hat sie keine Kontrolle über die Abspaltungen. Eine von ihnen, die Rasool-Gruppe, hat mutmaßlich am 16. August den Anschlag auf eine Moschee im pakistanischen Quetta verübt. Er galt dem Anführer der Taliban, Haibatullah Akhundzadah, der unverletzt blieb. Mullah Rasool, der Anführer der Splittergruppe, war im Machtkampf um die Nachfolge des 2013 getöteten Oberhaupts der Taliban, Mullah Omar, seinem Rivalen Mullah Mansoor unterlegen. Unklar ist zudem, ob Al Qaida, das einen Treueschwur gegenüber der Führung der Taliban abgelegt hat, künftig darauf verzichtet, von Afghanistan aus Terroranschläge vorzubereiten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der umstrittene Tesla-Gründer Elon Musk am Dienstagabend in Berlin, als er überraschend zur Verleihung des „Goldenen Lenkrads“ auftauchte.

          Auch Design und Entwicklung : Musk verspricht Berlin eine Tesla-Fabrik

          Jetzt ist es raus: Elon Musk wird seine nächste „Gigafactory“ nahe Berlin bauen. Mehr Details ließ er sich nicht entlocken. Fest steht, dass dort nicht nur produziert, sondern auch entwickelt und entworfen wird.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.