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Afghanistan : Das Vietnam der Sowjetunion

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Erst nach acht Jahren blutigen Abnutzungskrieges begann die Sowjetunion 1988, ihre Truppen aus Afghanistan zurückzuziehen Bild: Mikhail Evstafiev

An Weihnachten 1979 marschierte die sowjetische Armee am Hindukusch ein. Was nur wenige Monate dauern sollte, wurde zu einem blutigen Abnutzungskrieg. Als die Streitkräfte geschlagen abzogen, suchten sich die Mudschahedin einen neuen Feind.

          Die Operation „Sturm 333“ begann am ersten Weihnachtstag 1979. In der Nacht vom 25. auf den 26. Dezember nahmen sowjetische Fallschirmjäger den Flughafen Kabul in Besitz, danach wurde rund um die Uhr Verstärkung eingeflogen. Am Abend des 27. Dezember waren genügend Truppen versammelt, um das Zentrum der afghanischen Hauptstadt besetzen zu können. Es kam nur vereinzelt zu Widerstand. Kurz nach 19.00 Uhr rückten Eliteeinheiten des Geheimdienstes KGB - angeblich in afghanischen Uniformen - zum Darulaman-Palast außerhalb der Stadt vor, wo sich Präsident Hafizullah Amin aufhielt. Nach der Eroberung des Palastes in heftigen Kämpfen wurden Amin, seine Geliebte und angeblich auch alle afghanischen Zeugen der Aktion getötet.

          Am Morgen des 28. Dezember meldete Radio Kabul, Afghanistan sei von der Herrschaft Amins „befreit“ worden und Babrak Karmal, ein ehemaliger stellvertretender Ministerpräsident, habe die Macht übernommen. Die Meldung kam aus Termez, in der Usbekischen Sowjetrepublik. Dort hatten zwei sowjetische Infanterie-Divisionen ihren Marsch durch den Salang-Tunnel in Richtung Hauptstadt begonnen. Innerhalb weniger Tage überschritten - unter Berufung auf den ein Jahr zuvor mit dem kommunistischen Regime in Kabul geschlossenen Freundschafts- und Beistandspakt - 80.000 Soldaten der Sowjet-Armee mit 1800 Panzern die Grenze nach Afghanistan.

          Die sowjetische Intervention sollte nur wenige Monate dauern. Eigentlich wollte sich die militärische Führung darauf beschränken, die großen Städte und die wichtigsten Verkehrsverbindungen des Landes zu sichern und die afghanische Armee für den Kampf gegen Aufständische auszubilden. Doch schon bald wurden die sowjetischen Streitkräfte in einen blutigen Abnutzungskrieg mit den ständig stärker werden Mudschahedin hineingezogen, die ihren Widerstand gegen das prosowjetische Regime in Kabul und die sowjetischen Besatzer zum Heiligen Krieg erklärt hatten. Erst nach acht Jahren begann der schrittweise Abzug der sowjetischen Truppen - ohne offene Niederlage zwar, aber auch ohne Sieg. Am 14. Februar 1989 überquerte General Boris Gromow als letzter Befehlshaber und als letzter sowjetischer Soldat die Brücke über den Amu Darja nach Termez, wo die Bundeswehr heute auf dem Flugplatz ihren wichtigsten Umschlagplatz für den Einsatz der Schutztruppe Isaf unterhält.

          Die ständig stärker werdenden Mudschahedin kämpften einen Heiligen Krieg gegen die Besatzer

          Die Sowjet-Regierung war sich des Risikos bewusst

          Etwa 13.310 Soldaten wurden nach offiziellen Angaben im längsten und letzten Krieg getötet, den die Sowjetunion geführt hat. Der Einmarsch in Afghanistan rief Sanktionen der westlichen Staaten hervor einschließlich des Boykotts der Olympischen Spiele in Moskau im Sommer 1980; er führte zu einem dramatischen Verlust des Ansehens der Sowjetunion in der Dritten Welt; und an der Heimatfront untergrub er die Legitimation der Herrschaft der Kommunistischen Partei. Als die Intervention beendet war, brüsteten sich Männer wie Usama Bin Ladin, die Mudschahedin hätten eine Großmacht besiegt - und suchten sich neue Aufgaben.

          Die sowjetische Führung war sich des Risikos bewusst, das mit dem militärischen Eingreifen in Afghanistan verbunden war. Sie rang lange um eine Entscheidung. Im März 1979, bei Beratungen des Politbüros, sprachen sich KGB-Chef Jurij Andropow, der spätere Staats- und Parteichef, und Andrej Gromyko, der 28 Jahre lang sowjetischer Außenminister war, noch gegen die von Verteidigungsminister Dmitrij Ustinow vorgeschlagene Intervention aus. Wie aus Geheimakten hervorgeht, die 1992 von Präsident Boris Jelzin freigegeben und vom „Cold War International History Project“ des Woodrow Wilson Center in Washington bearbeitet und veröffentlicht worden sind, argumentierte Gromyko damals noch, die Sowjet-Armee werde als „Aggressor“ angesehen, wenn sie nach Afghanistan einmarschiere: „Gegen wen wird sie kämpfen? Vor allem gegen die afghanische Bevölkerung, und sie wird auf sie schießen müssen.“ Und alles, so der Außenminister, was in den Jahren zuvor in der internationalen Entspannung und der Rüstungskontrolle erreicht worden sei, werde einen Rückschlag erleiden.

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