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Afghanistan-Bilanz : Schwamm drüber?

  • -Aktualisiert am

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer nach der Rückkehr der deutschen Truppen von der Evakuierungsmission in Kabul Bild: Reuters

Auch Außenminister Maas kommt nicht zur Afghanistan-Konferenz Kramp-Karrenbauers. Offenbar hat die politische Klasse kein Interesse an Lehren aus dem Debakel.

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          Es ist natürlich angenehmer, ein neues Berliner Büro einzurichten oder etwas für ein Pöstchen in der künftigen Bundesregierung zu tun, als über den gescheiterten Afghanistan-Einsatz zu reden. Trotzdem fragt man sich, wie es sein kann, dass erst die Verteidigungspolitiker des Bundestags und nun der Außenminister die Teilnahme an der Afghanistan-Bilanz Kramp-Karrenbauers abgesagt haben.

          Fehlt den Abgeordneten, die deutsche Soldaten in eine am Ende verlorene Mission geschickt haben, in der 59 gefallen sind, wirklich die Zeit, sich über die Lehren aus dem Debakel zu unterhalten? Braucht Maas wirklich die Anwesenheit von Parlamentariern, um über mögliche Versäumnisse oder Fehleinschätzungen seines Hauses nachzudenken?

          Der Afghanistan-Einsatz war über zwanzig Jahre eines der wichtigsten außenpolitischen Projekte Deutschlands. Sein Scheitern wirft politische und militärische Fragen auf, die weit über die Mission selbst hinausgehen. Im Grunde ist am Hindukusch eine Strategie widerlegt worden, die einer ganzen Generation westlicher Politiker als Leitfaden zur Terrorbekämpfung diente.

          Mit der Aufarbeitung kann man nicht früh genug beginnen, sie wird noch viele Sitzungen erfordern, wenn sie ernst genommen wird. Soldaten wie Bürger hätten es verdient. Leider sieht es nicht so aus, als habe die Unterabteilung Äußeres und Verteidigung der politischen Klasse des Landes überhaupt ein Interesse daran.

          Nikolas Busse
          Verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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