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Afghanistan : Bewaffnete erschießen deutsch-afghanische Frauenrechtlerin

  • Aktualisiert am

Erschossen: Sitara Achaksai Bild: dpa

Bewaffnete haben im südafghanischen Kandahar eine für Frauenrechte engagierte deutsch-afghanische Politikerin erschossen. Auch Bundeswehrstandorte wurden am Wochenende angegriffen.

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          Bewaffnete haben in der südafghanischen Stadt Kandahar eine für Frauenrechte engagierte deutsch-afghanische Politikerin erschossen. Vier Männer fuhren am Sonntag auf zwei Motorrädern vor Sitara Achaksais Haus vorbei und schossen auf sie, als sie aus dem Auto aussteigen wollte, wie die Polizei erklärte. Ein Sprecher der Taliban, Qari Jousef Ahmedi, bekannte sich zu dem Anschlag auf die Kommunalpolitikerin.

          Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul forderte die Behörden auf, mit Nachdruck an der Aufklärung des „brutalen Mordes“ zu arbeiten. „Diese mutige Frau wollte den Menschen in Afghanistan helfen und hat sich mit all ihrem Engagement für die Rechte der Frauen eingesetzt“, erklärte die SPD-Politikerin am Montag in Berlin.

          Geistlicher verteidigt Sexpflicht für Ehefrauen

          Achaksai habe die Jahre der Schreckensherrschaft der Taliban im deutschen Exil verbracht und sei nach deren Sturz zurückgekehrt, um für Frauenrechte zu kämpfen, sagte eine ihrer Weggefährtinnen aus der Frauenvereinigung von Kandahar, Schahida Bibi. Die Provinzrätin besaß neben der afghanischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft.

          Der führende schiitische Geistliche in Afghanistan verteidigte zuvor noch ein international höchst umstrittenes Ehegesetz, das die Rechte der Frauen weiter einschränkt. Die Vorschrift sei nicht mehr abzuändern, sagte Mohammad Asif Mohseni am Samstag. Die Kritik aus dem Ausland sei eine unzulässige Einmischung und lasse es an Respekt für die afghanische Demokratie mangeln. „Wenn die Frau nicht krank ist und kein anderes Problem vorliegt, dann ist es das Recht des Mannes, Sex zu verlangen“, sagte Mohseni.

          Nach dem fraglichen Gesetz, das Erinnerungen an Taliban-Zeiten weckt, sind Frauen verpflichtet, mindestens alle vier Tage mit ihrem Mann zu schlafen. Dies wird von Menschenrechtsorganisationen als Freibrief zur Vergewaltigung in der Ehe angesehen. Männer dürfen der Vorlage zufolge außerdem ihren Ehefrauen bestimmte Tätigkeiten verbieten oder sie am Verlassen des Hauses hindern.

          Sprengstoffanschlag auf Bundeswehrkolonne in Afghanistan

          Mohseni war an der Vorbereitung des Textes maßgeblich beteiligt. Präsident Hamid Karsai hat nach einem Sturm internationaler Empörung jedoch zugesagt, das Gesetz nochmals auf seine Verfassungskonformität prüfen zu lassen. Das Gesetz soll das Familienleben der Schiiten regeln, die etwa 10 bis 20 Prozent der 30 Millionen Afghanen umfasst. Prominente sunnitische Geistliche haben jedoch signalisiert, dass die Regelung übernommen werden könnte - damit wäre sie für nahezu alle Afghanen gültig.

          Bei einem Sprengstoffanschlag auf eine Bundeswehrkolonne in Masar-i-Scharif wurden am Montag zwei Fahrzeuge beschädigt, verletzt wurde aber niemand. Wie das Einsatzführungskommando in Potsdam mitteilte, wurden zwei gepanzerte Transportfahrzeuge vom Typ Dingo beschädigt. Sie blieben allerdings fahrtüchtig.

          Bei Kämpfen in Afghanistan wurden seit Freitag nach Angaben der internationalen und afghanischen Streitkräfte mindestens 57 Aufständische getötet. Die schwersten Kämpfe mit 20, 18, und neun Toten gab es in den Provinzen Sabul, Kunar und Urusgan. Bei einem NATO-Luftangriff im Osten von Afghanistan in der Provinz Kunar wurden nach Angaben von Dorfbewohnern und Gesundheitsdiensten sechs Zivilpersonen getötet. Ein NATO-Sprecher wies diese Darstellung am Montag zurück. Es seien vier bis acht Aufständische getötet worden. Der Vorfall werde nun eingehend untersucht.

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