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Afghanistan : Anschlag auf Isaf-Soldaten in Kabul

  • Aktualisiert am

Der Anschlag ereignet sich im Osten Kabuls auf der Straße in Richtung des internationalen Flughafen Bild: AP

Bei einem Selbstmordattentat gegen einen Isaf-Konvoi sind in der afghanischen Hauptstadt Kabul mindestens 16 Personen ums Leben gekommen, darunter sechs italienische Soldaten. Es gab mehr als 50 Verletzte. Unterdessen hat Amtsinhaber Hamid Karzai die umstrittene Präsidentschaftswahl verteidigt.

          Bei einem Selbstmordschlag auf einem der zentralen Plätze in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind mindestens 16 Personen getötet worden, unter ihnen sechs italienische Soldaten. Mehr als fünfzig Menschen seien verwundet worden, teilte ein Polizeisprecher am Donnerstag mit. Nach Angaben des italienischen Verteidigungsministerium sind es die bislang schwersten Verluste der italienischen Streitkräfte in Afghanistan.

          Der Anschlag zielte auf einen Konvoi der Nato geführten Schutztruppe Isaf und ereignete sich um zwölf Uhr mittags in der Nähe des Isaf-Hauptquartiers. Unweit des schwer gesicherten Ortes war vor vier Wochen schon einmal ein gewaltiger Sprengsatz gezündet worden. Vor sieben Tagen waren bei einem Selbstmordanschlag der Taliban vor dem militärischen Teil des Flughafens in Kabul zwei Zivilisten getötet worden.

          Der italieniesche Ministerpräsident Berlusconi kondolierte den Familien der Opfer. Außenminister Franco Frattani sagte, die Soldaten einer Einheit aus Siena hätten einen hohen Preis gezahlt für die Freiheit und Sicherheit Afghanistans, Italiens und Europas, und fügte an: „Dennoch müssen wir die Mission ungebrochen fortführen“. Verteidigungsminister Ignazio La Russa wendete sich direkt an die Taliban, die sich des Anschlags bezichtigt hatten, und sagte: „Feiglinge, ihr werdet uns nicht aufhalten.“ La Russa sagte, es sei „Italiens feste Überzeugung, auf keinen Fall“ aufzugeben.

          Präsident Karzai: „Wenn Betrug begangen wurde, muss er untersucht werden”

          Parlamentspräsident Fini rief in der Abgeordnetenkammer zu einer Schweigeminute auf. Seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes sind damit insgesamt 21 italienische Soldaten ums Leben gekommen. Derzeit sind 3205 italienische Soldaten in Afghanistan im Einsatz, die meisten im Westen des Landes.

          Karzai will Wahlbetrug untersuchen lassen

          Am Tag nach der Verkündung des vorläufigen Endergebnisses bei der Präsidentschaftswahl in Afghanistan hat Amtsinhaber Hamid Karzai den umstrittenen Wahlprozess verteidigt. „Ich glaube fest an die Integrität der Wahlen“, sagte Karzai auf seiner ersten Pressekonferenz seit dem 20. August. Er sprach sich für eine Überprüfung der Manipulationsvorwürfe aus, erweckte aber nicht den Eindruck, als fürchte er um seine absolute Mehrheit. „Wie bei vielen Wahlen auf der Welt gab es auch bei den afghanischen Wahlen Probleme und Empfindlichkeiten - aber nicht in dem Ausmaß, in dem die Medien darüber sprechen“, sagte er im Präsidentenpalast.Wie die Unabhängige Wahlkommission (IEC) mitgeteilt hatte, hat Karzai nach Auszählung aller Stimmen 54,6 Prozent erreicht, sein Rivale Abdullah Abdullah 27,8 Prozent. Das amtliche Endergebnis darf erst verkündet werden, nachdem die Beschwerdekommission (ECC) alle Klagen abgearbeitet hat. Zur Zeit werden die Ergebnisse fast jedes zehnten Wahllokales überprüft. Die EU-Wahlbeobachter hatten die Einschätzung geäußert, dass sogar ein Viertel aller Stimmzettel gefälscht worden seien oder unter dem Verdacht der Fälschung stünden. Von diesen 1,5 Millionen Stimmzetteln seien 1,1 Millionen für Karzai ausgefüllt worden, 300 000 für Abdullah.

          Abdullah, der unmittelbar nach Karzais Pressekonferenz im Haus seines Vaters vor die Presse trat, beschuldigte den Amtsinhaber abermals „massiven Wahlbetrugs“. Auch die Wahlkommission habe bewiesen, dass sie betrüge, sagte er. Wenn die Beschwerdekommission den Klagen ordnungsgemäß nachgehe, werde dies das Ergebnis der Wahlen verändern. Die Beschwerden, die sein eigenes Lager betreffen, befänden sich in einer „anderen Kategorie“ als jene, die gegen die Regierung Karzai laut geworden sind, verteidigte sich Abdullah. Man werde sehen, dass sich am Ende alle Vorwürfe gegen ihn als gegenstandslos erweisen.

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