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Terror in Afghanistan : Viele Tote bei Anschlägen auf Entbindungsstation und Trauerfeier

Sicherheitskräfte vor dem Krankenhaus im Kabuler Stadtteil Dascht-e-Barchi Bild: AP

Zwei Anschläge erschüttern Afghanistan, zahlreiche Menschen sterben – unter ihnen Babys. Das Gewaltniveau im Land ist zuletzt wieder deutlich angestiegen.

          3 Min.

          Bei zwei schweren Anschlägen in Afghanistan sind am Dienstag zahlreiche Menschen getötet worden. Im Westen der Hauptstadt Kabul kam es zu einem Angriff auf die Entbindungsstation eines Krankenhauses. Dabei wurden lokalen Medienberichten zufolge mindestens 14 Menschen getötet, unter ihnen zwei Neugeborene; mindestens 15 weitere Zivilisten wurden demnach verletzt. Auch Mütter und Krankenschwestern seien unter den Toten, teilte ein Sprecher des afghanischen Innenministeriums mit.

          Christian Meier

          Redakteur in der Politik.

          Mehrere bewaffnete Angreifer waren am Morgen auf das Gelände des Krankenhauses in Dasht-e-Barchi eingedrungen, einem vorwiegend von der schiitischen Bevölkerungsgruppe der Hazara bewohnten Stadtteil. Anwohner berichteten lokalen Medien von mehreren Explosionen und Gewehrfeuer. Ein Kinderarzt, der aus dem Krankenhaus entkam, sagte der Nachrichtenagentur AFP, er habe am Eingang des Gebäudes eine laute Explosion gehört. „Das Krankenhaus war voll von Patienten und Ärzten, es herrschte totale Panik“, sagte er.

          Angriffsziel Ärzte ohne Grenzen?

          In dem Krankenhaus sind auch ausländische Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen (MSF) tätig; wie die Hilfsorganisation mitteilte, leitet sie die Entbindungsstation. Die afghanische Nachrichtenseite „Tolo News“ berichtete, die Angreifer hätten versucht, zu dem Gästehaus hinter dem Krankenhausgebäude zu gelangen, in dem die MSF-Mitarbeiter wohnen. Einem Augenzeugen zufolge trugen die Angreifer Polizeiuniformen. Erst nach stundenlangem Einsatz gelang es Spezialkräften, die im Gebäude eingeschlossenen Menschen in Sicherheit zu bringen. Die Agentur AFP berichtete, schwer bewaffnete Sicherheitskräfte hätten Babys und Kleinkinder aus dem Krankenhaus gebracht – mindestens eines von ihnen in eine blutgetränkte Decke gewickelt. Laut Angaben des Innenministeriums wurden mehr als 100 Menschen in Sicherheit gebracht. Alle vier Angreifer seien getötet worden.

          Bislang hat keine Gruppe den Anschlag für sich reklamiert. Die schiitischen Hazara sind häufig Ziel von Angriffen der sunnitischen Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS), die auch einen Ableger in Afghanistan hat. Erst vor wenigen Tagen hatten Spezialkräfte des afghanischen Geheimdiensts und der Polizei nach offiziellen Angaben mehrere führende IS-Mitglieder an verschiedenen Orten in Kabul festgenommen und weitere getötet.

          Viele Tote bei Anschlag auf Trauerfeier

          In der östlichen Provinz Nangarhar gab es unterdessen einen Selbstmordanschlag bei einer Beerdigung. Der Attentäter riss Medienberichten zufolge mindestens 24 Menschen mit in den Tod; laut Angaben eines Regierungssprechers der Provinz wurden mindestens 68 weitere Menschen verletzt. Anderen Angaben zufolge gab es mindestens 45 Tote und mehrere Dutzend Verletzte. Der Attentäter hatte sich am Morgen in der Nähe der Provinzhauptstadt Dschalalabad inmitten der Trauerfeier für einen lokalen Polizeichef in die Luft gesprengt, der rund tausend Menschen beiwohnten. Bislang hat keine Gruppe den Anschlag für sich reklamiert; die Taliban teilten mit, nicht verantwortlich zu sein. Neben den islamistischen Aufständischen ist in der Provinz Nangarhar auch der IS aktiv.

          Das Gewaltniveau in Afghanistan ist jüngst wieder deutlich angestiegen. Zwischen Sonntagabend und Montagmorgen detonierten in Kabul sieben Sprengsätze in verschiedenen Teilen der Stadt. Mehrere Zivilisten wurden verletzt.

          Zuletzt deutlich mehr Angriffe der Taliban

          Im Osten des Landes, in der Provinz Laghman, wurden in der Nacht zum Montag lokalen Medienberichten zufolge mindestens 22 Soldaten bei Kämpfen mit den Taliban getötet und mehr als ein Dutzend Militärfahrzeuge beschädigt. Das Verteidigungsministerium teilte mit, die Taliban seien zurückgeschlagen worden und hätten „schwere Verluste“ erlitten.

          Ein General, der für die Sicherheit der Grenze im Osten Afghanistans zuständig ist, berichtete „Tolo News“, die Angriffe der Taliban und anderer militanter Gruppen auf die Sicherheitskräfte hätten in den vergangenen zwei Monaten um 50 Prozent zugenommen. Vor der Unterzeichnung ihres Abkommens mit den Vereinigten Staaten Ende Februar hatten die Taliban sich an eine vereinbarte Phase der „Gewaltreduzierung“ gehalten; seither haben sie ihre Angriffe auf afghanische Sicherheitskräfte aber wieder verstärkt. Die geplanten Friedensverhandlungen zwischen den Taliban und der afghanischen Regierung sind bislang nicht zustande gekommen; in den vergangenen Wochen haben beide Seiten jedoch begonnen, Gefangene der jeweils anderen Seite freizulassen.

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