https://www.faz.net/-gpf-af126

Flughafen von Kabul : Der Angriff auf den Flughafen kam nicht unerwartet

Zugang für Schutzbedürftige: Amerikanische und norwegische Soldaten am Wochenende am Flughafen in Kabul Bild: AP

Bewaffnete Angreifer haben in der Nacht die Sicherheitskräfte am Flughafen von Kabul attackiert. Ein Mensch starb. Die Bundeswehr sicherte das Gelände auch mit Fallschirmjägern der 1. Luftlandebrigade.

          2 Min.

          Am Flughafen von Kabul haben in der Nacht zu Montag bewaffnete Angreifer die Sicherheitskräfte attackiert. Bei dem Feuergefecht, in das sowohl amerikanische Soldaten als auch deutsche Kräfte eingriffen, wurden nach Angaben der Bundeswehr ein afghanischer Soldat getötet und drei weitere verletzt. Den Angaben zufolge gingen „unbekannte Angreifer“ um 4:13 Uhr gegen das Nord-Tor der Flughafens vor. Dabei handelt es sich um einen der wesentlichen Zugänge für die Rettung ausländischer und afghanischer Schutzbedürftiger, die derzeit aus Kabul herausgeholt werden. In den Schusswechsel vor Ort griffen dann auch amerikanische und deutsche Soldaten ein; die Bundeswehr sicherte das Gelände unter anderem mit Fallschirmjägern der 1. Luftlandebrigade.

          Peter Carstens
          Politischer Korrespondent in Berlin

          Der Angriff auf den Flughafen kam nicht unerwartet, seit Tagen verdichteten sich Gerüchte und waren Bewegungen erkennbar, die darauf schließen ließen, dass es dazu kommen könnte. Ebenso werden weiterhin terroristische Anschläge an den Zugängen befürchtet. Das amerikanische Pentagon sowie das Außenministerium hatten bereits „Counter-Terrorism“-Operationen ihrer Streitkräfte am Flughafen angekündigt, bei denen das Operationsgebiet der Amerikaner über das eigentliche Airport-Gelände hinaus ausgedehnt werden soll.

          Ringen um Einfluss und Einnahmen am Flughafen

          Aus der Bundeswehr war ebenfalls von organisierten Aktivitäten am Nord-Tor die Rede gewesen, deren Ziel unklar war. Einerseits wurde vermutet, dass die Taliban mit eigenen Kräften in die Menge Tausender Wartender eingesickert sind, andererseits wurde für möglich erachtet, dass andere Terrororganisationen  wie Al Qaida oder der Islamische Staat (IS) die Menschenansammlungen für Anschläge nutzen könnten. Ebenso war nicht auszuschließen, dass auch unter den Taliban rivalisierende Gruppen um den Einfluss am Flughafen ringen, nicht zuletzt wegen zu erwartender Einnahmen durch Raub und Erpressung an den Zufahrten.

          Bei den getöteten oder verwundeten Afghanen handelt es sich nach Angaben der Bundeswehr um Angehörige der afghanischen Armee. Deren Führung hatte die Truppe vor anderthalb Wochen verlassen, vor den Taliban kapituliert und sowohl die Armee als auch das Land ihrem Schicksal überlassen.

          Ungeachtet dessen startete am Morgen gegen sieben Uhr im usbekischen Taschkent ein weiterer A400M-Transporter, um weitere Schutzbedürftige in Kabul abzuholen. Mehr als 2700 Personen wurden schon von der Luftwaffe aus Kabul herausgeholt. Die Bundeswehr hatte zum Wochenende einen Teil der bisher in Kabul eingesetzten Soldatinnen und Soldaten durch ausgeruhte Kräfte ausgetauscht. Zudem wurden in größerer Menge Lebensmittel, insbesondere Babynahrung, Windeln, Hygieneartikel und andere Hilfsgüter über Taschkent nach Kabul gebracht, um die Ausharrenden vor den Toren und am Flughafen etwas besser versorgen zu können.

          F.A.Z. Frühdenker – Der Newsletter für Deutschland

          Werktags um 6.30 Uhr

          ANMELDEN

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Jetzt sind alle ernannt: Kanzler Olaf Scholz und sein Kabinett beim Bundespräsidenten.

          Scholz-Regierung : Der Auftrag der Ampel

          Das Virus hat der neuen Bundesregierung vor dem Start eine wichtige Lektion erteilt. Sie sollte sie beherzigen.
          Der neue Gesundheitsminister Karl Lauterbach fordert die Drittimpfung für alle.

          Corona-Liveblog : Lauterbach hält Drittimpfung für alle für unumgänglich

          Historischer Tiefstand bei freien Intensivbetten +++ Bahn setzt zu Feiertagen 100 Sonderzüge ein +++ Weltweit 267 Millionen Infektionen, über 5,5 Millionen Tote +++ Gymnasiallehrer fordern Vorrang bei Booster-Impfungen +++ Entwicklungen zur Pandemie im Corona-Liveblog.
          Klare Sache: Thomas Müller und der FC Bayern München besiegen den FC Barcelona.

          Champions League : Barcelona erlebt Debakel beim FC Bayern

          In München geht der einstige Spitzenklub mit 0:3 unter. Weil parallel Benfica Lissabon souverän gewinnt, scheidet der FC Barcelona aus der Champions League aus. Die Bayern bejubeln ein Tor-Jubiläum von Thomas Müller.