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Afghanistan : Amerikanischer Soldat gibt Mord an Zivilisten zu

  • Aktualisiert am

Zeichnung der Gerichtsverhandlung gegen den Stabsgefreiten jeremy Morlock vom 23. März Bild: dapd

Aus purer Mordlust sollen fünf amerikanische Soldaten drei unschuldige Afghanen getötet und verstümmelt haben. Ein Soldat, der in dem Prozess als Kronzeuge auftritt, wurde zu 24 Jahren Haft verurteilt. Die Tötung der Afghanen war von langer Hand geplant.

          Ein amerikanisches Militärgericht hat einen Soldaten wegen Mordes an drei unbewaffneten Zivilpersonen in Afghanistan zu 24 Jahren Haft verurteilt. Der Soldat hatte sich der Tat bezichtigt. Der 22 Jahre alte Soldat Jeremy Morlock ist einer von fünf Soldaten einer Brigade, denen die Taten vom Januar, Februar und Mai 2010 zur Last gelegt werden. Der Stabsgefreite sagte vor dem Gericht im Bundesstaat Washington aus, dass er und seine Kameraden bereits Wochen vor der ersten Tat begonnen hätten, die Morde vorzubereiten.

          Um sie zu rechtfertigen, hätten sie geplant, Waffen neben den Toten zu platzieren. „Der Plan war, Menschen zu töten“, sagte der Angeklagte in der Anhörung auf dem Militärstützpunkt Lewis-McChord am Mittwoch. Militärstaatsanwalt Andre Leblanc bezeichnete die Taten als Verbrechen von „unsäglicher Grausamkeit“. Neben den drei Morden hat sich der Soldat auch zu Verschwörung, Behinderung der Justiz und illegalem Drogenkonsum bekannt. Er wird nun unehrenhaft aus den Streitkräften entlassen.

          Vorgesetzter soll an Mordplänen federführend mitgewirkt haben

          Der Soldat gehört zu einer Gruppe von insgesamt fünf Infanteristen, die die afghanischen Zivilisten in der Provinz Kandahar aus purer Mordlust mit Gewehren und Granaten getötet haben, obwohl sie keinerlei Bedrohung für sie darstellten. Laut Anklage nahmen sie außerdem Körperteile als Trophäen mit, und zwei der Männer - darunter der jetzt Verurteilte - ließen sich mit einem toten Opfer ablichten, offenbar einem jungen Bauernsohn.

          Neben den fünf Soldaten sind noch sieben weitere wegen weniger schwerwiegenden Delikten angeklagt, unter anderem wegen Behinderung der Ermittlungen. Das Militärverfahren gegen Morlock auf dem Stützpunkt Fort Lewis-McChord ist das erste in diesen Mordfällen. Morlock bekannte sich nach Angaben der „Seattle Times“ auch schuldig, zusammen mit anderen einen Kameraden zusammengeschlagen zu haben, der einen Vorgesetzten über Haschischkonsum in seinem Zug informiert hatte.

          Demselben Soldaten waren außerdem später zur Einschüchterung abgeschnittene Finger eines Mordopfers vor die Füße geworfen worden. Morlock gab zu, dass er auch daran beteiligt war. Anklage und Verteidigung einigten sich auf 24 Jahre Haft, das würde bedeuten, dass Morlock bei guter Führung nach acht Jahren wieder freikommen könnte. Bei einem Schuldspruch in einem Prozess hingegen droht ihm lebenslange Haft ohne Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung. Im Gegenzug für die kürzere Haftzeit soll sich Morlock bereiterklärt haben, als Hauptzeuge gegen die anderen vier Mitangeklagten auszusagen, darunter Calvin Gibbs, der nach seinen Angaben der Rädelsführer bei den Morden war.

          „Widerwärtig für uns als Menschen“

          Gibbs hat die Verbrechen bisher nicht zugegeben, sondern ausgesagt, die drei Afghanen seien im Zuge „legitimer Gefechtshandlungen“ ums Leben gekommen. Nach Morlocks Angaben handelte es sich jedoch um geplanten kaltblütigen Mord, die drei Afghanen seien nicht „aus dem Augenblick heraus“ getötet worden, bestätigte er am Mittwoch vor dem Richter. Danach wurden nach den Morden auch Waffen neben die Leichen gelegt, um den Eindruck zu erwecken, sie hätten die amerikanischen Soldaten bedroht und seien dann während eines Gefechts getötet worden. Die Soldaten haben offenbar hunderte Fotos der Getöteten aufgenommen.

          Das amerikanische Militär nannte die Handlungen auf den nun zum Teil veröffentlichten Bildern „widerwärtig für uns als Menschen“. Sie stünden im Widerspruch zu den Standards und Werten der amerikanischen Streitkräfte. „Wir entschuldigen uns für das Leid, das diese Fotos auslösen.“

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