https://www.faz.net/-gpf-6z701

Afghanistan : Al-Qaida-Ableger verantwortlich für Angriffsserie

  • Aktualisiert am

Bild: AFP

Die mittlerweile niedergeschlagene Angriffsserie auf das Regierungs- und Diplomatenviertel in Kabul soll die Haqqani-Terrorgruppe gesteuert haben. Auch die deutsche Botschaft war dabei unter Beschuss genommen worden.

          Die Angriffsserie auf das Regierungs- und Diplomatenviertel in Kabul sowie drei weitere afghanische Städte soll eine dem Terrornetz Al Qaida nahestehende Terrorgruppe verübt haben. Ein Mitglied des Haqqani-Netz sei während der Kämpfe in der Provinz Nangarhar gefangen genommen worden und habe erklärt, die in Pakistan ansässige Gruppe stecke hinter der Offensive, sagte der afghanische Innenminister Besmillah Mohammadi am Montag. „Die Terroristen versuchten, die Übertragung der Sicherheitsverantwortung an die afghanischen Streitkräfte zu stören, aber das schaffen sie nicht.“

          Am Tag zuvor hatten sich die radikalislamischen Taliban zu den Angriffen bekannt. Ein Sprecher des afghanischen Geheimdiensts erklärte, drei am Sonntag festgenommene Aufständische hätten sich zu einer Mitgliedschaft beim Haqqani-Netzwerk bekannt. Sie stünden zudem im Verdacht, einen Mordanschlag auf einen der zwei afghanischen Vizepräsidenten, Karim Chalili, geplant zu haben.

          Nach Angaben des Innenministeriums wurden bei den Gefechten 36 Aufständische, acht Angehörige der Sicherheitskräfte und drei Zivilpersonen getötet. 65 Menschen wurden verwundet.

          Angriffsserie vor Sonnenaufgang beendet

          Am Montagmorgen konnten afghanische Truppen die letzten Kämpfer überwältigen und die 18 Stunden andauernde Angriffsserie damit beenden. Vor Sonnenaufgang feuerten die Soldaten Granaten auf ein Gebäude im Stadtzentrum ab, von dem aus die Taliban ihre Offensive auf Botschaften, Regierungsgebäude und Nato-Stützpunkte und die östlich gelegenen Städte Paktia, Logar und Nangarhar begonnen hatten. Anwohner berichteten von heftigen Explosionen und Schüssen.

          Ein Sprecher des afghanischen Innenministeriums teilte mit, Aufständische hätten sich in einem noch nicht fertiggestellten Gebäude nahe dem Parlament verschanzt. Kurz vor 8 Uhr (Ortszeit) endeten die Kämpfe.

          Deutsche Botschaft unter Beschuss

          Reporter der Nachrichtenagentur AP beobachteten auch einen morgendlichen Rebellenangriff auf ein weiteres Gebäude in der Nähe des Präsidentenpalastes. Auch die Botschaften Deutschlands, Großbritanniens und der Vereinigten Staaten seien unter direkten oder indirekten Beschuss genommen worden, sagte der Nato-Sprecher Jimmie Cummings.

          Kurz vor 3 Uhr tauchten Hubschrauber der internationalen Streitkräfte über dem Haus auf. Ab etwa 4.30 Uhr feuerten die Soldaten Granaten auf das Gebäude ab. Um 6.30 Uhr war der Angriff beendet. Nach Angaben aus Geheimdienstkreisen wurden mindestens vier Extremisten getötet.

          Taliban kündigen Frühjahrsoffensive an

          Die Taliban teilten mit , zahlreiche Selbstmordattentäter hätten den Nato-Stützpunkt, die deutsche und die britische Botschaft, das Parlamentsgebäude, zwei Hotels und Ziele entlang der Darulaman-Straßen, an der die russische Botschaft liegt, angegriffen. Auch in den Hauptstädten der Provinzen Nangarhar, Logar und Paktia würden afghanische und Nato-Einrichtungen von schwer bewaffneten Kämpfern attackiert, hieß es in einer Erklärung von Talibansprecher Sabiullah Mudschahid.

          Die Taliban wollten ihre Stärke beweisen, nachdem sie von Nato-Truppen als geschwächt bezeichnet worden seien, sagte Mudschahid der AP. Die Angriffe seien der Vorbote der vor kurzem angekündigten Frühjahrsoffensive der Taliban.

          Weitere Themen

          Donald Trump geht aufs Ganze

          Nationaler Notstand : Donald Trump geht aufs Ganze

          Der amerikanische Präsident umgeht mit der Erklärung des nationalen Notstandes das Haushaltsrecht des Kongresses. Nicht nur die Demokraten sehen die Verfassung in Gefahr.

          Topmeldungen

          Münchner Sicherheitskonferenz : Beten könnt ihr später

          Bei der Münchner Sicherheitskonferenz wird deutlich, wie schlecht es um die internationale Zusammenarbeit steht: Dieses Mal werden nicht alte Freundschaften aufgewärmt, sondern Vereisungen sichtbar.

          Nationaler Notstand : Donald Trump geht aufs Ganze

          Der amerikanische Präsident umgeht mit der Erklärung des nationalen Notstandes das Haushaltsrecht des Kongresses. Nicht nur die Demokraten sehen die Verfassung in Gefahr.
          Wie im Film: Anthony Modeste gibt sein Comeback beim 1. FC Köln und ist prompt vor dem Tor erfolgreich.

          Zweite Liga : Das fast märchenhafte Comeback des Anthony Modeste

          Titelkampf, Tränen, Traumtore: Das Duell zwischen Köln und Paderborn beinhaltet alles, was der Fußball zu bieten hat. Dabei kommt es zu einer ganz besonderen Szene. Und das Ergebnis stellt alles auf den Kopf.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.