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Vor G-7-Krisenkonferenz : Den vermeintlich engsten Verbündeten übergangen

Der britische Premierminister Boris Johnson am 18. August von seinem Amtssitz in 10 Downing Street Bild: AP

Die Briten sind verärgert über Präsident Biden. Er habe sie vor seiner Entscheidung zum Abzug aus Afghanistan nicht konsultiert. Jetzt fordert Premierminister Johnson die Amerikaner vor der G-7-Schaltkonferenz auf, ihre Rettungsmission zu verlängern.

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          Noch im Juni, beim G-7-Treffen in Cornwall, präsentierte Boris Johnson seinen Gast aus Washington als einen engen Verbündeten, mit dem sich endlich wieder die Welt gestalten lasse. Eine „neue Atlantik-Charta“ kündigten der britische Premierminister und der amerikanische Präsident Joe Biden an, während im Hintergrund ein britischer Flugzeugträger im Ärmelkanal posierte – die sprichwörtlichen Sonderbeziehungen schienen nach vier schwierigen Jahren mit Donald Trump vor einem Frühling zu stehen. Jetzt, zehn Wochen später, ist das Verhältnis von der Lage in Afghanistan belastet, genauer: von Gesichtsverlust und Schadensbegrenzung. Am Wochenende soll Johnson halb ernst vor Mitarbeitern ausgerufen haben: „Mit Trump wären wir besser dran“, eine Aussage, die in der Downing Street bestritten wurde.

          Jochen Buchsteiner
          Politischer Korrespondent in London.

          Bei der Krisenkonferenz der G7, die Johnson für diesen Dienstag einberufen ließ, wird es um das unrühmliche Ende des Afghanistan-Einsatzes gehen. Die Lage am Hindukusch hat sich so zugespitzt, dass kaum über die Lehren aus dem Desaster gesprochen werden dürfte. Es geht um das Jetzt, die Koordination von Notmaßnahmen und Rettungsaktionen. Am Montagmorgen hieß es, Johnson werde Biden auffordern, die bislang geltende Frist für den Evakuierungseinsatz über den 31. August hinauszuschieben. Aber schon am Mittag schien diese Absicht von den Entwicklungen überrollt. Da hatte ein Taliban-Sprecher der noch gar nicht gestellten Bitte ein Nein entgegengesetzt. Würde die „Besatzung“ nicht bis Ende des Monats enden, müssten die internationalen Truppen mit „Konsequenzen“ rechnen.

          Abhängig von den Vereinigten Staaten

          Mit dieser Position sei Johnsons Forderung die Grundlage entzogen worden, sagte der frühere britische Botschafter in Washington Christopher Meyer am Montag. Eine Verlängerung des Einsatzes gegen den Willen der Taliban drohe in einem Wiederaufleben des Krieges zu münden, was niemand wolle. Meyer schlug vor, die Diskussion nicht in der G7 zu führen, sondern in der NATO, wo die Militärmission vor zwanzig Jahren ihren Anfang genommen hat.

          Aus Washington hieß es gleichwohl, man denke trotz der markigen Aussagen der Taliban über eine Verlängerung der Abzugsfrist nach. Die Nachrichtenagentur Reuters zitierte einen Regierungsbeamten mit der Aussage, der Präsident wolle in den kommenden 24 Stunden darüber entscheiden, ob die Rettungsaktion verlängert werde. Der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses des Repräsentantenhauses, Adam Schiff, sagte nach einem Briefing von Geheimdienstmitarbeitern, er halte es angesichts der Zahl der Amerikaner, die noch in Sicherheit gebracht werden müssten, für möglich, aber „für sehr unwahrscheinlich", dass die Rettungsmission bis zum 31. August abgeschlossen werde.

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