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Afghanistan : 2500 Polizisten für Kundus gefordert

Weitere 2500 Polizisten sollen am Hindukusch aus deutschen Mitteln eingestellt und weitergebildet werden Bild: AP

Die deutsche Isaf-Führung im Norden Afghanistans macht sich bei der Regierung in Kabul für die Einstellung und Ausbildung von 2500 afghanischen Polizisten stark. Das Vorhaben soll aus deutschen Mitteln finanziert werden.

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          Die deutsche Führung der Afghanistan-Schutztruppe Isaf im Norden des Landes macht sich dafür stark, die Einstellung von 2500 afghanischen Polizisten aus deutschen Mitteln zu finanzieren. Sie sollten in der Provinz Kundus eingesetzt werden, um nach einem Zurückdrängen aufständischer Taliban-Kämpfer durch die Streitkräfte dauerhaft Sicherheit zu garantieren, sagte der Regionalkommandeur, Brigadegeneral Jörg Vollmer. „Es ist für mich entscheidend, dass das sofort passiert. Jetzt.“

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent für Österreich und angrenzende Länder mit Sitz in Wien.

          Er, Vollmer, habe bei der afghanischen Regierung in Kabul bereits beantragt, dass die Polizisten eingestellt werden. Damit das nicht an fehlenden Mitteln scheitere, regte Vollmer an, dass aus deutschen Mitteln ein Fonds gebildet werde, aus dem die Polizisten vorerst bezahlt werden könnten. An der Ausbildung würde das nach seinen Worten nicht scheitern. „Wir haben hier genug Ausbilder“, sagte der Bundeswehrgeneral und verwies auf deutsche Polizisten und Feldjäger sowie amerikanische Polizeimentoren, die in Kundus zur Verfügung stünden.

          Oberst Klein: „Ich habe noch mehr schwere Entscheidungen treffen müssen“

          Bei Kundus haben sich im Verlauf des vergangenen Jahres die Taliban immer stärker festgesetzt und greifen Isaf-Soldaten und afghanische Sicherheitskräfte inzwischen jeden zweiten Tag mit Bomben oder in Hinterhalten an. Die Soldaten können sie zwar in offensiven Operationen zeitweise zurückdrängen, sind aber zu wenige, um dort dann dauerhaft präsent zu bleiben. Je näher die Bundestagswahl in Deutschland rückt, desto mehr häufen sich konkrete Anschlagswarnungen gegen die Bundeswehr in Kundus.

          Der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Wolfgang Schneiderhan, reiste am Montag nach Kundus. Er wollte sich über die Umstände beim Luftschlag auf zwei Tanklastwagen informieren, den der deutsche Kommandeur in Kundus, Oberst Georg Klein, vor zwei Wochen befohlen hatte und bei dem mehr als 50, vielleicht auch mehr als 80 Personen umgekommen sind. Kommissionen von Isaf, UN, Rotem Kreuz und afghanischer Regierung untersuchen diesen Vorfall; ein deutsches Team begleitet die Isaf-Ermittlungen. Außerdem bekundete Schneiderhan, er wolle seine Solidarität mit der Truppe und ihren Führern im Einsatz demonstrieren. „Das ist unser gemeinsames Problem. Die Diskussion werden wir gemeinsam durchstehen.“

          Oberst Klein bestätigte, dass er selbst entschieden habe, einem amerikanischen Kampfflugzeug den Feuerbefehl zu erteilen. „Ich habe diese Entscheidung allein getroffen, das trifft zu“, sagte er. Es sei ihm darum gegangen, die eigenen Soldaten zu schützen. „Ich habe in den vergangenen Monaten noch mehr schwere Entscheidungen treffen müssen“, sagte der Offizier, der seit April das Regionale Wiederaufbauteam der Isaf in Kundus führt und zum Ende dieses Monats turnusgemäß abgelöst wird.

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