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Afghane tötet vier Franzosen : Sarkozy setzt Militäroperationen in Afghanistan aus

Sarkozy schließt auch einen vorzeitigen Abzug der französischen Soldaten nicht aus Bild: REUTERS

Frankreich stellt seinen Beitrag am Afghanistan-Einsatz in Frage: Nach dem Tod von vier französischen Soldaten hat Präsident Sarkozy alle Militäroperationen ausgesetzt. Auch einen vorzeitigen Abzug schloss er nicht aus.

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          Nach dem Tod von vier französischen Soldaten in Afghanistan hat Staatspräsident Nicolas Sarkozy am Freitag in Paris den weiteren Einsatz der französischen Armee am Hindukusch in Frage gestellt. Er ordnete die Aussetzung aller Militäroperationen an. Afghanischen Soldaten wird bis auf weiteres der Zugang zu französischen Stützpunkten verboten, gemeinsame Patrouillen und Ausbildungsprogramme sind vorläufig eingestellt.

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.
          Nikolas Busse
          Verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.
          Stephan Löwenstein
          Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.

          Zudem erwägt er einen vorzeitigen Abzug aller französischen Soldaten aus Afghanistan. „Die französische Armee ist nicht in Afghanistan, um sich von afghanischen Soldaten beschießen zu lassen“, sagte der Präsident beim Neujahrsempfang für das diplomatische Korps im Elysée-Palast.

          Ein Mann in Uniform der afghanischen Armee hatte um 8 Uhr morgens das Feuer auf eine Gruppe französischer Soldaten bei einer Sportübung auf einem gemeinsam genutzten Stützpunkt in Tagab in der Provinz Kapisa eröffnet. Vier Franzosen wurden getötet, 16 weitere Soldaten wurden teils schwer verletzt. „Die französischen Soldaten waren unbewaffnet“, sagte Verteidigungsminister Gérard Longuet.

          Er brach noch am Freitag gemeinsam mit Generalstabschef Edouard Guillaud zu einer Inspektionsreise nach Afghanistan auf. Der Todesschütze sei festgenommen worden, teilte die Internationale Schutztruppe Isaf mit. In Paris hieß es, es seit bestätigt, dass es sich bei dem Täter um einen Soldaten der afghanischen Armee handle.

          Schon im Oktober begann Frankreich, seine Soldaten aus Afghanistan abzuziehen
          Schon im Oktober begann Frankreich, seine Soldaten aus Afghanistan abzuziehen : Bild: dpa

          Paris hat schon vergangenen Herbst begonnen, Truppen vom Hindukusch abzuziehen. 400 Soldaten sind seit Oktober nach Frankreich zurückgekehrt. Ursprünglich war geplant, die Truppen schrittweise bis Ende 2014 abzuziehen. Präsident Sarkozy will nun mit dem afghanischen Präsidenten Karzai über einen neuen Zeitplan sprechen, wenn dieser kommenden Freitag nach Paris kommt. Frankreich und Afghanistan wollten während des Besuchs eine Sicherheitsvereinbarung für die Zeit nach 2014 abschließen. Jetzt verlangt Paris neue Sicherheitsgarantien von der afghanischen Führung: Bei der Rekrutierung von Soldaten für die afghanische Armee müssten strenge und überprüfbare Auswahlkriterien angelegt werden.

          Die Unterstützung für den Einsatz schwindet

          In Frankreich schwindet die Unterstützung für den Einsatz in Afghanistan zusehends. Wenn das Parlament der Verlängerung der Auslandsoperation auch stets zustimmt, mehren sich die kritischen Stimmen. Die Präsidentschaftskandidaten aller Linksparteien haben sich für einen beschleunigten Abzug ausgesprochen. So wiederholte der in Umfragen führende sozialistische Präsidentschaftskandidat Francois Hollande am Freitag seine Forderung, alle französischen Soldaten schon bis Jahresende aus Afghanistan zurückzuholen.

          Auch Marine Le Pen vom rechtsextremen Front National wirbt für eine Ende des „sinnlosen Abenteuers“, das Frankreich viele Opfer und Geld koste. 82 französische Soldaten sind seit Beginn des Afghanistaneinsatzes 2001 gefallen. Das zurückliegende Jahr forderte mit 26 gefallenen Soldaten bei weitem den höchsten Blutzoll. Präsident Sarkozy hatte noch Anfang Januar ein vorzeitiges Ende des Einsatzes ausgeschlossen. Bei den Neujahrswünschen an die Armee auf dem Marinestützpunkt Lanvéoc-Poulmic am 3. Januar sagte er, Frankreich werde so lange bleiben, wie es notwendig sei.

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