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Äthiopien : Britische Diplomaten nach Eritrea entführt

  • -Aktualisiert am

In der äthiopischen Danakil-Wüste wurden die Europäer verschleppt Bild: AFP

Angeblich sollen die Briten in ein Militärlager nach Eritrea verschleppt worden sein. Weder die britische noch die äthiopische Regierung wollten diese Meldungen bestätigen. Der eritreische Präsident lässt die Anschuldigungen als „Wahnsinn“ bezeichnen.

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          Die Entführung europäischer Urlauber in der äthiopischen Danakil-Wüste entwickelt sich zu einer Staatsaffäre mit britischer, äthiopischer und eritreischer Beteiligung. Nach anfänglicher Verwirrung über die Zahl und Nationalität der Verschleppten steht nunmehr fest, dass es sich bei den Entführten um fünf britische Staatsbürger, drei Männer und zwei Frauen, handelt.

          Die Opfer seien Diplomaten der britischen Botschaft in Addis Abeba beziehungsweise Angehörige von Diplomaten, die zusammen mit 13 Äthiopiern (Fahrer, Übersetzer und Wachpersonal) nach Eritrea verschleppt worden sein sollen (siehe auch: 15 europäische Touristen in Äthiopien vermutlich entführt). Die Urlauber werden seit Mittwochabend vermisst. Fünf der sie begleitenden Äthiopier waren am Sonntag von der Armee nahe der Grenze zu Eritrea aufgegriffen worden.

          Keine Informationen über Ort und Geiselnehmer

          Allerdings wurden keine Angaben darüber gemacht, ob die fünf fliehen konnten oder von den Geiselnehmern freigelassen worden waren. Zuvor hatte es geheißen, dass eine französische Reisegruppe mit sieben Personen ebenfalls vermisst werde. Die Franzosen waren am Samstag indes wohlbehalten in der Regionalstadt Mekele angekommen.

          Das britische Außenministerium bestätigte mittlerweile, dass Botschaftspersonal „gefangengehalten“ werde, ohne allerdings Angaben über Ort und Geiselnehmer zu machen. In London hieß es, man arbeite „mit Hochdruck“ an einer Freilassung der Diplomaten. Am Freitagabend waren zehn Ermittler, darunter ein auf Verhandlungen mit Geiselnehmern spezialisierter Polizist, von London nach Addis Abeba gereist.

          Geländewagen wohl mit Panzerfäusten zerstört

          Nach Angaben der Agentur, die die Reise der Briten in die Danakil-Wüste organisiert hatte, seien die Fahrzeuge der Urlauber rund 50 Kilometer von der eritreischen Grenze entfernt bei der Ortschaft Hamed Ela gefunden worden. Der Präsident des Regionalrates von Afar, Ismail Ali Sero, beschuldigte am Samstag eritreische Soldaten, die Briten entführt zu haben.

          „Wir wissen, dass es Eritreer waren“, sagte Sero der Nachrichtenagentur AFP. Seinen Angaben nach waren die Geländewagen der Reisegruppe zerstört worden, mutmaßlich mit Panzerfäusten. Anschließend seien die Briten zu Fuß nach Eritrea verschleppt worden, wo sie in einem Militärlager festgehalten würden.

          „Nicht mit dem Finger auf andere zu zeigen“

          Weder die britische noch die äthiopische Regierung wollten entsprechende Meldungen bestätigen. Der Kabinettssprecher des eritreischen Präsidenten Issaias Afeworki, Yemane Gebremeskel, nannte die Anschuldigungen „Wahnsinn“.

          Der äthiopische Botschafter in London sagte, man sei zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht darauf aus, „mit dem Finger auf andere zu zeigen“. Eritrea und Äthiopien hatten von 1998 bis 2000 einen Krieg um den Verlauf der gemeinsamen Grenze geführt.

          Eine internationale Schiedskommission hatte 2002 über den endgültigen Grenzverlauf entschieden, gleichwohl weigert sich Äthiopien, diesen anzuerkennen. 3000 UN-Soldaten überwachen seither die Grenze. Im vergangenen Jahr hatte Eritrea mit einem neuen Krieg gedroht, sollte Äthiopien die Demarkation der gemeinsamen Grenze weiter aufschieben.

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