https://www.faz.net/-gpf-9n68n

Äthiopien : 150.000 Euro für ein Abendessen mit dem Regierungschef

  • Aktualisiert am

Will die Hauptstadt verschönern: Abiy Ahmed, Premierminister von Äthiopien, im Januar in Addis Abeba Bild: dpa

Äthiopiens Ministerpräsident Abiy Ahmed will die Hauptstadt verschönern. Für das nötige Kleingeld lässt er ein Abendessen mit den 200 reichsten Äthiopiern veranstalten – die für die Teilnahme tief in die Tasche greifen müssen.

          1 Min.

          Zum Preis von rund 150.000 Euro pro Person haben dutzende reiche Äthiopier an einem luxuriösen Abendessen mit Ministerpräsident Abiy Ahmed teilgenommen. Wie Staatsmedien am Montag berichteten, soll das Geld in die Verschönerung der Hauptstadt Addis Abeba fließen. Auf Bildern waren Gäste in Abendgarderobe zu sehen, die an mit Rosen geschmückten Tafeln saßen.

          Abiy wollte mit dem Luxusdinner Geld für ein auf drei Jahre angelegtes Städtebau-Projekt sammeln. In einem Video auf der Internetseite des Präsidenten heißt es, beim „rasanten Wachstum“ von Addis Abeba in den vergangenen Jahren seien „die natürlichen Ressourcen und die schöne Lage der Stadt“ nicht ausreichend genutzt worden.

          Kritik am opulenten Abendessen

          Tatsächlich ist die Hauptstadt zwar reich an modernen Gebäuden, hat aber kaum Grünflächen. Dem Video zufolge machen sie derzeit nur 0,3 Quadratmeter pro Stadtbewohner aus. Ziel des Verschönerungsprojektes ist ein Grünanteil von sieben Quadratmetern pro Hauptstadtbürger, entsprechend dem Durchschnittswert in Afrika.

          Zur Identität der rund 200 Dinnergäste wurde nichts bekannt. Laut Abiys Internetseite winkt ihnen allen zusätzlich zu dem Abendessen auch eine namentliche Erwähnung als Spender sowie die Gelegenheit zu einem gemeinsamen Foto mit dem Ministerpräsidenten. Seit seinem Amtsantritt im April hat Abiy für seine Reformagenda viel Lob erhalten. Allerdings gab es auch Kritik an dem opulenten Abendessen: Viele Äthiopier warfen im Internet die Frage auf, ob die Verschönerung der Hauptstadt wirklich das dringlichste Anliegen im Lande sei.

          Mit mehr als 100 Millionen Einwohnern ist Äthiopien nach Nigeria der afrikanische Staat mit der zweitgrößten Bevölkerung. Seine Wirtschaft wächst zwar stärker als in allen anderen Ländern der Region, das durchschnittliche Durchschnittseinkommen liegt nach Schätzungen der Weltbank allerdings nur bei 702 Euro pro Jahr.

          Weitere Themen

          EU macht Druck auf Großbritannien Video-Seite öffnen

          Flüchtlingsdrama im Ärmelkanal : EU macht Druck auf Großbritannien

          Nach dem Flüchtlingsdrama im Ärmelkanal mit 27 Toten haben EU-Vertreter beschlossen, die „gemeinsame Zusammenarbeit mit Großbritannien zu verbessern“. Das geht aus der Abschlusserklärung eines Krisentreffens im nordfranzösischen Calais hervor.

          Topmeldungen

          FDP-Chef Christian Lindner wird bald die Finanzen des Bundes kontrollieren.

          Koalitionsvertrag : Die große Leere in der Steuerpolitik

          Was kann der künftige Finanzminister Christian Lindner in der Steuerpolitik erreichen, für die Bürger, für die Unternehmen? Beim Blick in den Koalitionsvertrag fällt eine merkwürdige Unwucht auf.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.