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Nach Mord an Kopten : Ägyptischer Luftangriff auf IS-Stellungen in Libyen

  • -Aktualisiert am

Präsident Abdel Fattah al-Sisi mit der Führung der ägyptischen Streitkräfte (Archivbild) Bild: dpa

Nach der Enthauptung 21 ägyptischer Kopten weitet das Regime Abd al Fattah al Sisis seinen Krieg gegen den „Islamischen Staat“ auf Libyen aus. Dahinter steckt auch innenpolitisches Kalkül.

          Die ägyptische Luftwaffe hat in der Nacht auf Montag Stellungen des „Islamischen Staats“ (IS) in Libyen bombardiert. Mit den Militärschlägen reagierte die Führung in Kairo auf die Hinrichtung von 21 ägyptischen Kopten, die im Dezember entführt worden waren. Bilder der Enthauptung hatte der libysche IS-Flügel am Sonntag im Internet veröffentlicht.

          Augenzeugen zufolge flog die ägyptische Luftwaffe mindestens sieben Luftangriffe in Derna im Osten Libyens, etwa 1300 Kilometer von der Hauptstadt Tripolis entfernt. Die islamistisch geführte Regierung in Tripolis verurteilte die Luftschläge scharf. Die Angriffe seien „eine Attacke auf die Souveränität Libyens“, hieß es in einer am Montag von der libyschen Nachrichtenagentur Lana verbreiteten Erklärung der international nicht anerkannten Regierung. Auch das IS-Video wurde den Angaben zufolge verurteilt. Es sei aber noch nicht bestätigt, dass das Gezeigte auf libyschem Boden geschehen sei.

          Bereits im vergangenen Sommer hatte die ägyptische Luftwaffe Einsätze der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) gegen libysche Islamistenstellungen unterstützt. Die beiden Staaten halfen damit dem abtrünnigen libyschen Armeegeneral Chalifa Haftar, der in Benghasi einen Krieg gegen die sunnitische Islamistenmiliz Ansar al Scharia führt. Das Sisi-Regime hat sich damit deutlich auf die Seite der international anerkannten libyschen Regierung in Tobruk gestellt. Das Land ist seit vergangenem Sommer de facto führungslos, weil zwei rivalisierende Regierungen und Parlament um die Vorherrschaft streiten.

          Politische Beobachter in Kairo rechnen mit weiteren Angriffen auf Stellungen des „Islamischen Staats“ in Libyen in den kommenden Tagen. Ägyptens Außenminister Samih Shoukri brach unmittelbar nach Bekanntwerden der Hinrichtung der 21 Kopten nach New York auf, um im UN-Sicherheitsrat Verständnis für das ägyptische Vorgehen zu werben. Zwar unterstützt Kairo die internationale Allianz gegen den IS in Syrien und im Irak, geht anders als Jordanien, die Emirate, Saudi-Arabien, Bahrein und Qatar aber nicht militärisch gegen die Terrorgruppe vor.

          Sisis Kalkül dürfte sein, durch ein hartes Vorgehen gegen den „Islamischen Staat“ im westlichen Nachbarland von innenpolitischen Problemen abzulenken, wächst neun Monate nach seiner Wahl doch auch bei seinen Anhängern die Ungeduld. Allein in den vergangenen Wochen hat es bei Anschlägen, Demonstrationen und Fußballspielen fast hundert Tote gegeben. Nur langsam sagen Firmen und Staaten ihre Teilnahme an einer im März im Sharm al Sheikh geplanten Wirtschaftskonferenz zu. Diese gilt neben der Parlamentswahl als wichtigstes Projekt Sisis 2015.

          Seit seinem Putsch gegen den Muslimbruder Muhammad Mursi 2013 sehen sich Armee und Polizei einem bewaffneten Aufstand islamistischer Gruppen gegenüber, der Hunderten Sicherheitskräften und Zivilisten das Leben gekostet hat. Bombenanschläge in Alexandria und Kairo, aber auch in anderen Städten im Nil-Delta, reißen seit Monaten nicht ab.

          Die Führung der Al Azhar bezeichnete die Hinrichtung der 21 aus Oberägypten stammenden Kopten am Sonntag als „barbarisch“. Der „Islamische Staat“ hatte in einem Video die Religionszugehörigkeit der Entführten als Grund für deren Hinrichtung genannt und angekündigt, ihren Kampf gegen die „Kreuzzügler“ auszuweiten. Erst Anfang des Monats hatte der ägyptische IS-Ableger, Wilayat Sina (Staat Sinai), ebenfalls Bilder von der Enthauptung einer Gruppe von Beduinen auf der Sinai-Halbinsel veröffentlicht. Ihnen hatten die Dschihadisten vorgeworfen, mit Israel und den ägyptischen Sicherheitsbehörden zu kollaborieren.

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