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Kommentar zu neuer Kathedrale : Leuchtturm in Ägypten

Muslimische Studierende besuchen die neue Kathedrale anlässlich des koptischen Weihnachtsfestes. Bild: AFP

Die ägyptische Regierung räumt den Kopten einen prominenten Platz in der neuen Hauptstadt ein. Doch dieses positive Signal darf über eines nicht hinwegtäuschen.

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          Die Feier des koptischen Weihnachtsfests in der Kathedrale der neuen Hauptstadt Ägyptens, an der auch Präsident Sisi teilgenommen hat, ist ein kraftvolles Zeichen dafür, dass die Christen ihren, wenn auch schwierigen, Platz in den Ländern des Nahen Ostens haben. Die ägyptische Führung hat der weithin sichtbaren Kathedrale einen prominenten Platz in der neuen, erst teilweise bezogenen Hauptstadt nahe von Kairo zugewiesen.

          Damit unterstreicht sie, dass beide zur nationalen Einheit Ägyptens gehören, die Muslime ebenso wie die Christen. So hat sich denn unter Präsident Sisi das Verhältnis zwischen den staatlichen Behörden und der Kirche erheblich verbessert. Zwar wird weiter über soziale Diskriminierungen geklagt, vor allem in ländlichen Gebieten. Andererseits erleichtert der Staat neuerdings den Neubau von Kirchen.

          Der IS will den ägyptischen Staat treffen

          Für den islamistischen Terror sind jedoch die Kopten und ihre Kirchen ein leicht verwundbares, ein „weiches“ Ziel. Der letzte große Anschlag liegt gut zwei Jahre zurück, kleinere Attentate werden immer wieder verübt. In der Regel bekennt sich der „Islamische Staat“ zu dem Terror. Der IS zielt zwar auf die Christen, treffen will er jedoch in erster Linie den ägyptischen Staat.

          Nach einem Anschlag auf eine koptische Kirche Anfang 2011 hatte Papst Benedikt XVI. den Staat gerügt, weil der (angeblich) nicht genügend für den Schutz der koptischen Minderheit tue. Darauf brach die Azhar, die führende sunnitische Lehreinrichtung, aus Protest alle Kontakte zum Vatikan ab. Unter Papst Franziskus wurden sie wiederaufgenommen, er besuchte Kairo, und in seiner diesjährigen Neujahrsbotschaft drückte er sich diskreter als sein Vorgänger aus. Er bat die arabischen Staaten, ihre christlichen Bürger zu schützen und ihnen zu ermöglichen, am Aufbau der Länder teilzuhaben. Die nahöstlichen Christen forderte er auf, in ihre Heimatländer zurückzukehren.

          Anfang Februar wird Papst Franziskus Abu Dhabi, die Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, auf Einladung des dortigen Kronprinzen besuchen. Auch dort wird er mit Christen aus aller Welt sprechen, die ihre Religion frei praktizieren können. Solche Leuchttürme der Religionsfreiheit dürfen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass weltweit zwei von drei Menschen in Staaten leben, die keine Religionsfreiheit respektieren – unter ihnen viele Christen.

          Rainer Hermann
          Redakteur in der Politik.

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