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Ägypten : Terrorfahndung auf Hochtouren

  • Aktualisiert am

Autowracks vor einer zerstörten Bar in Scharm al Scheich Bild: dpa/dpaweb

Nach den Anschlägen im ägyptischen Badeort Scharm al Scheich läuft die Fahndung auf Hochtouren. Fast 90 Verdächtige sollen festgenommen worden sein. Unterdessen trafen in München und Frankfurt die ersten deutschen Ägypten-Touristen ein.

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          Nach den Attentaten von Scharm al Scheich läuft in Ägypten die Fahndung nach Tätern und Hintermännern auf Hochtouren. Jedoch haben die ägyptischen Sicherheitsbehörden auch gut 24 Stunden nach den Anschlägen auf touristische Ziele auf der Sinai-Halbinsel offensichtlich noch keine heiße Spur der Terroristen, die mehr als 80 Menschen in den Tod rissen.

          Fahnder sollen bereits knapp 90 Verdächtige festgenommen haben, verlautete am Sonntag aus Sicherheitskreisen. Die Verdächtigen wurden sowohl in Scharm al Scheich als auch in Al Arisch an der Nordküste des Sinai aufgegriffen.

          Der ägyptische Präsident Husni Mubarak sagte am Samstag bei einem Besuch der Tatorte, seine Regierung werde den Kampf gegen den Terrorismus entschlossen fortsetzen.

          Deutsche Urlauber zurückgekehrt

          Unterdessen kehrten die ersten deutschen Touristen in die Heimat zurück. Eine Maschine mit TUI-Touristen aus dem Urlaubsort am Roten Meer landete am Samstag abend auf dem Münchner Flughafen. 38 Passagiere verließen das Flugzeug, unter ihnen ein Kleinkind. 53 weitere Urlauber aus Scharm al Scheich kamen in Frankfurt am Main an. Nach Angaben eines Sprechers des Reiseanbieters TUI wurden mit zwei Sondermaschinen bis Sonntag morgen alle Urlauber zurückgebracht, die ihre Reise vorzeitig abbrechen wollten. Darunter seien nach seinen Erkenntnissen keine Verletzten gewesen.

          „Ich bin so froh, zurück zu sein, ja eigentlich bin ich glücklich, aber eigentlich auch irgendwo traurig, weil es ist eigentlich ein super Land“, sagte Verena Förster kurz nach der Ankunft am Flughafen München am Samstag abend. „Wir hatten leider nur einen Urlaubstag dort verbracht. Aber es war toll. Der Tag war toll“, sagte sie, sichtlich erschöpft. „Ich bin komplett am Ende.“ Die Panik sei groß gewesen. „Unser Hotel war kaputt, einige Hotels in Schutt und Asche, der Basar in Schutt und Asche.“

          „Der Himmel ist rot geworden“

          Peter Hasslach, der mit derselben Maschine zurückgekommen war, sagte: „Wir waren ungefähr zehn bis 15 Minuten entfernt von dieser Explosion. Wir sind froh, daß wir überlebt haben.“ Sein Sohn Sebastian sagte: „Der Himmel ist rot geworden und nach fünf Sekunden ungefähr hat es dann einen lauten Knall gegeben.“

          Ein TUI-Sprecher sagte, die Mehrheit der Urlauber in der Region habe sich für die Fortsetzung des Urlaubs entschieden. Die 250 vorzeitig aus Scharm al Scheich Zurückgekehrten entsprächen einem Anteil von rund 15 Prozent und damit den Erfahrungen bei früheren Anschlägen. Zu Umbuchungen und Stornierungen von Reisen in die Region liegen seinen Angaben zufolge noch keine Zahlen vor. Die Erfahrung zeige, daß die meisten Urlauber ihre Reise verschöben oder auf ein anderes Ziel auswichen. Komplette Stornierungen seien eher selten. Die großen Reisekonzerne bieten Ägypten-Urlaubern kostenlose Umbuchungen an

          Papst kritisiert „Weg der Gewalt“

          Auch in einer Erklärung von Bundeskanzler Gerhard Schröder hieß es, nach gegenwärtigem Kenntnisstand befänden sich unter den Verletzten auch deutsche Urlauber. Das Auswärtige Amt ergänzte, es gebe weiterhin keine konkreten Hinweise auf deutsche Schwerverletzte oder Todesopfer. Das sei aber eine vorläufige Bilanz, da die Aufklärungsarbeiten noch liefen.

          Die Bundesregierung wie auch Amerika, Frankreich, Italien, Rußland und andere Länder verurteilten die Anschläge. Papst Benedikt XVI. forderte die Attentäter auf, „nicht mehr den Weg der Gewalt einzuschlagen“.

          Verheerendste Serie von Terroranschlägen

          Bei der bislang verheerendsten Serie von Terroranschlägen in Ägypten starben im Badeort Scharm al Scheich mindestens 88 Menschen - zumeist Ägypter (88 Tote bei Anschlägen in Ägypten). Auch mehrere Ausländer sollen unter den Toten sein, darunter Briten, ein Italiener und ein Tscheche. Mindestens 150 Menschen seien zum Teil schwer verletzt worden, teilte das Innenministerium in Kairo am Samstag weiter mit. Zu dem Blutbad bekannte sich eine angeblich mit dem Terrornetz Al Qaida verbundene Gruppe.

          Die drei Bomben gingen in der Nacht zum Samstag in Scharm al Scheich und dem benachbarten Touristenzentrum Naama Bay hoch. Die erste Explosion ereignete sich um 1.15 Uhr Ortszeit (0.15 Uhr MESZ) auf einem belebten Basar der Stadt, als eine Autobombe explodierte. Der amerikansiche Nachrichtensender CNN berichtete, es habe sich dabei um ein Selbstmordattentat gehandelt. Wenige Minuten später raste nach Angaben von Augenzeugen bei dem schwersten der drei Anschläge offenbar ein zweiter Selbstmordattentäter mit einem Auto in die Eingangshalle des „Ghazala-Gardens“-Hotels in Naama Bay. Ein Wachmann, der ihn aufhalten wollte, wurde getötet. Ein Teil des Hotels stürzte ein. Die dritte Bombe, die vermutlich in einer Tasche versteckt war, explodierte auf einem Parkplatz vor einem Café, das vor allem von ägyptischen Hotelangestellten besucht wird. Es war der schwerste Anschlag in Ägypten seit dem 17. November 1997. Damals töteten islamistische Attentäter in der oberägyptischen Stadt Luxor 58 Urlauber, darunter vier Deutsche, sowie vier Ägypter.

          (Siehe auch: Teror in Ägypten: Ein Schlag gegen Mubarak)

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