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Ägypten : Sie strömen wieder auf den Platz

  • -Aktualisiert am

Wie im Februar 2011: Der Tahrir-Platz am Freitag Bild: dpa

Der Tahrir-Platz in Kairo ist seit der Präsidentenwahl wieder der wichtigste Versammlungsort: Tausende Anhänger des Kandidaten der Muslimbrüder, Mursi, haben sich dort versammelt. Sollte am Wochenende aber Schafik zum Sieger ausgerufen werden, könnte wieder Gewalt ausbrechen.

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          An den Ausgängen der Metro haben sie die Ausweiskontrollen wieder eingeführt. Auch an den Zufahrtsstraßen zum Tahrir-Platz stehen Wärter. Sie wollen Personalausweise der Passanten sehen, die Taschen kontrollieren. Zuletzt war das im Februar 2011 so, während der 18-Tage-Revolution, die Ägyptens letzten Präsidenten Husni Mubarak zufall brachte. Damals waren es Aktivisten der säkularen Protestbewegung, die so Provokationen und Gewalt vorbeugen wollten, nun sind es Muslimbrüder – Ausschreitungen würden nur dem herrschenden Hohen Militärrat in die Hände spielen.

          Höflich entschuldigt sich einer der Kontrolleure. Vor seiner Brust baumelt ein Bild Mohammed Mursis. Wegen des Präsidentschaftskandidaten der Muslimbrüder sind an diesem Freitag Tausende Ägypter zum Mittagsgebet gekommen.

          Sogar aus Alexandria, der Küstenstadt am Mittelmeer, sind die Anhänger des 60 Jahre alten Islamisten gekommen. Unter ihnen ist Ibrahim Diab: Am Donnerstagabend schon kam er in Kairo an, um den Wahlsieg seines Kandidaten zu feiern. „Präsident Ägyptens“ steht auf dem Schild unter Mursis Bild, das er sich wie so viele auf dem Tahrir-Platz um den Hals gehängt hat. Doch die Siegesfeier zögert sich hinaus. Erst dieses Wochenende will die staatliche Wahlkommission die Ergebnisse der Stichwahl verkünden. Mehr als 400 Einsprüche gegen den Wahlverlauf muss das Gremium bis dahin prüfen. Diab lässt sich seine Zuversicht davon nicht nehmen. „Am Sonntag wird Mursi Präsident sein, so Gott will“, sagt er.

          Zelten für Mursi: Anhänger des Präsidentschaftskandidaten der Muslimbrüder auf dem Tahrir-Platz

          Zwei Nächte will er noch auf dem Platz verbringen. Andere Protestierende haben schon mehr hinter sich. Seit dem Abend der Präsidentenwahl am vergangenen Sonntag ist der Ausgangsort der ägyptischen Revolution wieder wichtigster Versammlungsort des Landes. Vor den Zelten in der Platzmitte sitzen kleine Gruppen, an den Waschstellen haben sich matschige Flecken gebildet. Fliegende Händler verkaufen Tee, Sprite und Cola. An Ständen gibt es Buttons mit Politikerporträts und Parteisymbolen zu erwerben, Fahnen und Mützen in Ägyptens Schwarz-Weiß-Rot. Einige der Aufständischen von 2011 fordern bereits, die Vereidigung des neuen Präsidenten müsse auf dem Tahrir-Platz stattfinden. Das Verfassungsgericht, wo die Zeremonie nach den jüngsten Dekreten des Militärrats stattfinden soll, sei dafür nicht der richtige Ort.

          Schießlich waren es die obersten Richter des Landes, die die neue Protestwelle vor einer Woche auslösten. Mit ihrem Urteil, die Parlamentswahl wegen Verfahrensfehlern für ungültig und die Kandidatur des früheren Luftwaffenoberbefehlshabers Ahmed Schafiks für rechtens zu erklären, brachten sie vor allem die Muslimbrüder gegen sich auf. Längst werden die schon zu Mubaraks Zeiten ernannten Richter verdächtigt, mit dem Militärrat gemeinsame Sache zu machen. Auch auf dem Tahrir-Platz hängen Plakate, die sich gegen die vom Verfassungsgericht verordnete Auflösung des Parlaments wenden.

          Schon am Tag nach dem Urteilsspruch löste der Militärrat die Volkskammer auf. Dort stellte Mursis Partei für Gerechtigkeit und Freiheit fast die Hälfte aller Abgeordneten. Die Vollmachten des künftigen Präsidenten beschnitt er Anfang der Woche derart, dass Mursi selbst im Falle seines Sieges wenig Macht bliebe. Auch bei der Ausarbeitung der neuen Verfassung sicherten sich die Generäle ein Vetorecht zu.

          Sollte nun auch noch Schafik zum Sieger ausgerufen werden, dürfte es mit dem friedlichen Protest in Kairos Zentrum vorerst vorbei sein. Ein Sprecher des säkularen „6. April“-Bündnisses kündigte „erhöhte Spannungen“ an, sollte der Militärrat die Wahl zugunsten Schafiks „manipulieren“. Wie Mursi reklamiert Mubaraks letzter Ministerpräsident den Sieg für sich. Viele der säkularen Demonstranten, die den Muslimbrüdern nicht trauen und den Protesten bislang fern blieben, könnten danach wieder auf den Tahrir-Platz strömen.

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