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Ägypten : Schlacht im Stadion

Absichtlich weggeschaut? Ordner während der Ausschreitungen am 1. Februar 2012 in Port Said
          4 Min.

          Immer, wenn sich die Fußballmannschaften von Port Said und Ahly aus Kairo gegenüberstehen, droht die Spannung in rohe Gewalt umzuschlagen. Die Anhänger beider Clubs sind für ihre Aggressivität bekannt. Dass Port Said ohnehin ein gefährlicher Ort ist, haben im 20. Jahrhundert die britischen Besatzer leidvoll erfahren, und vor dem Sturz von Husni Mubarak war es in der vernachlässigten Hafenstadt am Suezkanal immer wieder zu heftigsten Auseinandersetzungen gekommen. Ahly war wiederum der Fußballverein der arabischen Nationalisten, die ebenfalls den britischen Besatzern die Stirn boten - wobei der Umstand, dass die beiden Vereine einen gemeinsamen Feind hatten, ihre Anhänger einander nicht näher gebracht hat.

          Rainer Hermann
          Redakteur in der Politik.

          Am Dienstagabend hatte Port Said dem Gegner aus Kairo die erste Niederlage seit dem November 2010 zugefügt. Nach dem Abpfiff strömten die Anhänger von Port Said auf den Platz, verprügelten erst die Spieler aus Kairo und nahmen sich dann deren Anhänger auf den Tribünen vor. Nach weniger als einer Stunde lagen im Stadion mindestens 71 Tote, 300 Personen wurden verletzt. Er habe an mehreren Kriegen teilgenommen, sagte der Abgeordnete Badri Farghali aus Port Said einem Fernsehsender - aber so viele Tote habe er nirgends an einem Ort gesehen. Der Vereinsarzt von Ahly, Ehab Ali, sprach sogar von einem „geplanten Krieg“.

          „Beabsichtigte Feindseligkeit“

          Dabei war es zunächst ein fast normales Fußballspiel. Vor dem Anpfiff hatte die Stadionleinwand ein Bild des früheren Ahly-Spielers Mahmoud al Chatib gezeigt, des ägyptischen Pelé, der in Deutschland wegen eines Gehirntumors operiert wurde. Zur Halbzeit lagen die Gäste wie erwartet vorn, und die für ihre obszönen Beleidigungen bekannten Ultras von Ahly verhöhnten den Gegner in lauten Gesängen und auf Spruchbändern als „impotent“. Das Spiel wurde für einige Zeit unterbrochen. Doch dann lag Port Said plötzlich mit 3:1 vorn, Ahly spielte nur noch mit zehn Mann, und nach dem Abpfiff kam es zum Inferno.

          Untätige Bereitschaftspolizei: Die Ordnungshüter waren im Stadion von Port Said vor allem Zuschauer
          Untätige Bereitschaftspolizei: Die Ordnungshüter waren im Stadion von Port Said vor allem Zuschauer : Bild: AFP

          Erst flogen Feuerwerkskörper, dann Steine und Flaschen. Die Ultras zogen ihre Messer, schlugen mit Eisenstangen zu. Die Spieler aus Kairo und einige ihrer Fans retteten sich in die Kabinen, wo sie verarztet wurden. Die meisten, die später tot im Stadion lagen, wiesen Wunden am Kopf auf. Muhammad Abu Trika, Ahlys großer Star, warf als erster der Polizei vor, untätig zugeschaut zu haben. Das Innenministerium reagierte prompt und versicherte, man habe für genügend Sicherheit gesorgt, sei aber von der „beabsichtigten Feindseligkeit“ überwältigt worden.

          Männlich, jung, arbeitslos und wütend

          Mehr und mehr Ungereimtheiten kamen in den folgenden Stunden zutage. Als Zufall kann noch abgetan werden, dass erstmals bei diesem Fußball-Klassiker weder der Gouverneur der Provinz noch ihr Polizeichef auf der Tribüne saßen. Die Polizei hatte aber an dem Abend darauf verzichtet, die Zuschauer beim Einlass auf Messer und Eisenstangen abzutasten, es waren weniger Polizisten als bei vergleichbaren Spielen um den Rasen postiert, und sie bildeten auf der Tribüne keinen Riegel zwischen den Ultras beider Mannschaften. Der Chef der Ultras von Port Said gab zudem zu Protokoll, er sei von „Kriminellen“ aufgefordert worden, sich an der Entführung von Spielern von Ahly zu beteiligen, um die Regierung erpressen zu können.

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