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Ägypten : Muslimbrüder rufen zu Massenprotesten auf

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Ruhe vor dem Protest? Anhängerinnen der Muslimbruderschaft im Norden Kairos lesen vor dem Fastenbrechen im Koran. Bild: AFP

Die Muslimbruderschaft will sich weiterhin nicht am politischen Übergangsprozess in Ägypten beteiligen. Für diesen Freitag sind große Demonstrationen zur Wiedereinsetzung des gestürzten Präsidenten Muhammad Mursi angekündigt.

          Die Muslimbruderschaft will sich weiterhin nicht am politischen Übergangsprozess in Ägypten beteiligen. Für diesen Freitag hat ein islamistisches Bündnis zu neuen Demonstrationen zur Wiedereinsetzung des gestürzten Präsidenten Muhammad Mursi aufgerufen. Übergangsministerpräsident Hazem al Beblawi hatte den Muslimbrüdern in der Nacht zum Donnerstag angeboten, mit ihnen zusammenzuarbeiten. Für ihn sei nicht entscheidend, zu welcher politischen Bewegung ein Kandidat gehöre, sondern „Effizienz und Glaubwürdigkeit“, sagte er.

          In Berlin sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel, es sei „wichtig, dass alle wichtigen politischen Akteure in diesen Prozess einbezogen werden“. Am Mittwoch waren Haftbefehle gegen den Führer der Muslimbruderschaft, Muhammad Badie, und weitere Funktionäre wegen Anstachelung zur Gewalt erlassen worden.

          Demonstration von Mursi-Anhängern in Kairo am Mittwochabend

          Derweil äußerte sich ein ägyptischer Regierungssprecher am Donnerstag zustimmend zu einer Stellungnahme des amerikanischen Außenministeriums, das über die Amtszeit Mursis gesagt hatte, es sei „keine demokratische Herrschaft“ gewesen. Viele der Demonstranten, die den Rücktritt des islamistischen Machthabers gefordert hatten, werfen den Vereinigten Staaten vor,

          Mursi zu lange unterstützt zu haben. Der britische Sender BBC berichtete am Donnerstag unter Berufung auf amerikanische Regierungskreise, die Vereinigten Staaten würden wie ursprünglich geplant vier Kampfflugzeuge vom Typ F16 an Ägypten liefern. Die Vereinigten Staaten unterstützen das ägyptische Militär mit Zahlungen von jährlich 1,5 Milliarden Dollar. Sollte der Umsturz in Kairo als Putsch eingestuft werden, müsste Washington dem Gesetz nach die Militärhilfe einstellen.

          Übergangsministerpräsident Hazem al Beblawi

          Die Afrikanische Union (AU) will Ägypten erst dann wieder aufnehmen, wenn es dort demokratische Wahlen gegeben habe. Das kündigte die AU-Kommissionsvorsitzende Nkosazana Dlamini-Zuma am Donnerstag nach einem Treffen mit Merkel in Berlin an. Die AU hatte das Land vor einer Woche wegen der Absetzung Mursis ausgeschlossen.

          Hamas-Kämpfer auf dem Sinai getötet

          Unterdessen meldete die arabische Zeitung „Al Hayat“, Hamas-Mitglieder seien an den Kämpfen mit der ägyptischen Armee auf der Sinai-Halbinsel beteiligt gewesen. Dabei seien 32 Hamas-Mitglieder auf dem Sinai getötet und 45 festgenommen worden, hieß es unter Berufung auf ägyptische Sicherheitskreise.

          Seit dem Sturz von Präsident Muhammad Mursi versuche die Hamas, die Spannungen zusammen mit anderen Dschihadisten zu verschärfen. Die Hamas-Mitglieder kämen durch Schmuggeltunnel aus Gaza, wohin sie sich auf dem gleichen Weg wieder zurückzögen. Wegen der Kämpfe auf dem Sinai hatte die ägyptische Armee in der vergangenen Woche den einzigen Grenzübergang in Rafah geschlossen. Seit Mittwoch ist er anlässlich des Fastenmonats Ramadan wieder für wenige Stunden geöffnet. Derweil wurde auf der Sinai-Halbinsel die enthauptete Leiche eines am Samstag verschleppten koptischen Christen gefunden. Der von extremistischen Gruppen am Samstag verschleppte Mann sei an Händen und Füßen gefesselt gewesen, sagte ein Vertreter der Sicherheitskräfte.

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