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Ägypten : Drei Tote bei Protesten gegen Mursi

  • Aktualisiert am

Wieder kommt es in Ägypten zu Zusammenstößen - und es werden noch mehr Proteste erwartet Bild: AP

Tausende Ägypter protestieren auf der Straße gegen Präsident Mursi und fordern seinen Rücktritt. Drei Menschen kommen bei den Zusammenstößen ums Leben, darunter ein amerikanischer Student. Washington zieht seine Mitarbeiter der Botschaft ab.

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          Kurz vor den geplanten Massenprotesten gegen den ägyptischen Präsidenten Muhammad Mursi sind bei Ausschreitungen in verschiedenen Städten mehrere Menschen ums Leben gekommen. Unter den Todesopfern war auch ein Student aus den Vereinigten Staaten, der eine kleine Kamera bei sich trug und amtlichen Angaben zufolge nach einer Stichverletzung im Brustkorb starb. Diese erlitt der 21 Jahre alte Praktikant einer amerikanischen Bildungsorganisation, als Mursi-Gegner in der Hafenstadt Alexandria in der Nacht zu Samstag ein Parteibüro der regierenden Muslimbrüder stürmten und der Mann zwischen die Fronten geriet.

          Ein weiterer Mensch wurde Behörden zufolge bei den Krawallen in Alexandria erschossen, 70 wurden nach Angaben der Behörden verletzt. Mehrere Tausend Regierungsgegner zogen durch das Hafengebiet. Ein Reuters-Reporter beobachtete, wie etwa ein Dutzend Männer Wachposten vor einem Büro der Muslimbrüder mit Steinen bewarfen, die daraufhin reagierten. Es flogen Pflastersteine und Flaschen, auch Schüsse wurden abgegeben.

          Explosion in Port Said

          Ein Toter sowie zehn Verletzte wurden aus Port Said gemeldet. Dort ereignete sich während eines Protests eine Explosion. Die Polizei ging zunächst von einem Unfall aus, erklärte jedoch später, die Detonation sei durch einen Sprengsatz ausgelöst worden. Auch in Sagasig im dicht besiedelten Nildelta wurde ein Mitglied der Muslimbrüder bei einem Angriff auf ein Parteibüro getötet.

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          Ein Jahr nach der Wahl Mursis ist die Stimmung in Ägypten weiter explosiv :

          In Kairo kam es trotz Kundgebungen Zehntausender Anhänger und Gegner Mursis nach den Freitagsgebeten zu keiner Gewalt. Auf dem Tahrir-Platz, dem Geburtsort der Revolution von 2011 gegen den langjährigen Machthaber Husni Mubarak, herrschte eine festliche Atmosphäre.

          Die Opposition hat unter anderem auf dem Platz und vor dem Präsidentenpalast anlässlich des ersten Jahrestages von Mursis Amtsantritt für Sonntag Millionen Anhänger aufgerufen, für Neuwahlen zu demonstrieren. Beobachter schließen nicht aus, dass es die größten Protestkundgebungen seit dem Sturz Mubaraks vor fast zweieinhalb Jahren werden könnten.

          Vereinigte Staaten ziehen Botschaftsmitarbeiter ab

          Die Vereinten Nationen, die Europäische Union und die Vereinigten Staaten haben alle Seiten zur Zurückhaltung aufgerufen. Die Regierung in Washington warnte ihre Bürger angesichts der angespannten Sicherheitslage vor Reisen nach Ägypten und zog bis auf einen Kernstab Mitarbeiter der amerikanischen Botschaft sowie deren Familienangehörige ab.

          Einflussreiche Geistliche warnten bereits eindringlich vor einer Eskalation der Gewalt und forderten Wachsamkeit, „um sicherzustellen, dass wir nicht in einen Bürgerkrieg abgleiten“.

          Das Militär, das eine entscheidende Rolle beim Aufstand vor zwei Jahren innehatte, kündigte an, abermals einzugreifen, sollte die Gewalt überhandnehmen. Man werde den „Willen des Volkes“ verteidigen, hieß es. Die Armee teilte zudem mit, landesweit Soldaten zum Schutz der Bürger und Einrichtungen von nationaler Wichtigkeit abkommandiert zu haben.

          Massive wirtschaftliche Probleme

          Die säkulare Opposition wirft Mursi und den islamistischen Muslimbrüdern vor, die Ideale der Revolution von 2011 zu verraten und einen ähnlich autoritären Staat wie unter Mubarak anzustreben. Der Präsident und die Islamisten, aus denen er hervorgegangen ist, weisen die Kritik unter Verweis auf gewonnene freie Wahlen zurück. Zusätzlich angespannt ist die Lage durch die massiven wirtschaftlichen Probleme Ägyptens, die dazu führen, dass viele Bürger arbeitslos sind, kaum genug Geld für Lebensmittel haben, und das Alltagsleben etwa durch Benzinknappheit erschwert wird.

          Der Leiter des Kairoer Büros der Friedrich-Naumann-Stiftung, Ronald Meinardus, warnte vor einer ausgesprochen gefährlichen Situation und sprach von einer einzigartige Polarisierung. „Es gibt keine Stimmen der Vernunft“, sagte er im Deutschlandradio Kultur. Niemand wolle Brücken schlagen, sondern alle Ägypter rechneten sich entweder dem einen oder den anderen Lager zu.

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