https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/ad-limina-besuch-bischof-baetzing-zieht-bilanz-18473480.html

Deutsche Bischöfe in Rom : Kein Verständnis für Reformen

Die deutschen Bischöfe warten am Donnerstag im Apostolischen Palast im Vatikan auf den Papst. Bild: dpa

Bei ihrem Ad-limina-Besuch im Vatikan prallen die deutschen Bischöfe mit ihren Reformanliegen ab. Auch in der Causa Kardinal Woelki stößt der Vorsitzende der Bischofskonferenz beim Papst auf taube Ohren.

          4 Min.

          Das Wetter in Rom ist während des knapp einwöchigen Ad-limina-Besuches der deutschen Bischöfe stetig schlechter geworden: von wechselnder Bewölkung und angenehmen Temperaturen zu einer dunklen Wolkendecke mit fortgesetztem Sprühregen. Jedenfalls hat sich der Limburger Bischof Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), in Rom ein wenig erkältet, wie er eingangs der Pressekonferenz zum Abschluss des Besuchs am Samstagmorgen sagt. Und auch zum Eisessen sei nur einmal Gelegenheit gewesen, klagt Bätzing.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Man kann nicht umhin, das düstere Wetter und den Schnupfen des Bischofs als Metaphern für den Verlauf des Ad-limina-Besuchs der deutschen Bischöfe zu verstehen, des ersten turnusgemäßen Pflichtbesuchs im Vatikan seit sieben Jahren. Es war für die 62 Bischöfe aus Deutschland ein anstrengender Besuch, mit vielen Messen und noch mehr Terminen, mit viel Reden und noch mehr Zuhören, mit wenig Ruhe- und noch weniger Freizeit. Er sei „erschöpft, erkältet und erleichtert“, sagt Bätzing denn auch.

          „Erleichterung und Sorge“

          Die Erleichterung merkt man ihm am wenigsten an. Allenfalls als eine, die man verspüren mag, wenn man etwas hinter sich gebracht hat, auf das man seit langem sorgenvoll geblickt hat. Doch das Unbehagen ist eben nicht verflogen. „Erleichterung und Sorge“ – das sind die beiden Stichworte, die Bätzing im Auditorium der Augustiner-Hochschule in unmittelbarer Nachbarschaft des Petersplatzes immer wieder als Fazit des Besuchs nennt.

          Die Begegnung mit der Presse am Samstagmorgen fand im gleichen Raum statt wie das Treffen der deutschen Bischöfe mit den Leitern zentraler vatikanischer Behörden tags zuvor. Das Treffen am Freitag im Augustinianum mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin sowie den Präfekten der Dikasterien für Bischöfe und für die Glaubenslehre, den Kardinälen Marc Ouellet und Luis Ladaria, war neben der gut zweistündigen Audienz bei Papst Franziskus vom Donnerstag in der Sala Clementina des Apostolischen Palasts im Vatikan die wichtigste Begegnung des gesamten Besuchs.

          Und die Begegnung vom Freitag dürfte für Bätzing und die Mehrheit der Bischöfe, die hinter dem Reformprojekt „Synodaler Weg“ steht, die unangenehmste gewesen sein: Denn es war eine Abreibung von höchster Stelle für die Reformer aus Deutschland.

          Bätzing: Situation im Erzbistum Köln „zunehmend unerträglich“

          Bätzing bestätigte am Samstag nochmals, dass die deutschen Bischöfe bis kurz vor Beginn des Treffens am Freitagmorgen in der Augustiner-Hochschule davon ausgegangen seien, dass Papst Franziskus an dem Treffen teilnehmen werde. So hatte es im Programm des Ad-limina-Besuchs gestanden, und so hatte es das Presseamt des Heiligen Stuhls noch am Freitagmorgen in dem vorab an die beim Vatikan akkreditierten Journalisten verschickten Bulletin nochmals bestätigt. Und dann kam der Papst eben doch nicht, obwohl für den gesamten Freitag für Franziskus keine weiteren offiziellen Termine geplant gewesen waren.

          Bätzing berichtete am Samstag, dass bei der Papstaudienz vom Donnerstag über viele Themen geredet worden sei, aber eben nur am Rande über den Synodalen Weg der Deutschen. Jedoch habe er gegenüber Papst Franziskus die Causa Woelki angesprochen und dabei „sehr deutlich gemacht, dass die Situation im Erzbistum Köln zunehmend unerträglich“ sei, „auch für den Erzbischof“, so Bätzing. Woelki hatte dem Papst Anfang März seinen Rücktritt angeboten, doch Franziskus hat bis heute in der Sache nicht entschieden.

          Weitere Themen

          Schwere Kämpfe im Osten des Landes

          Ukraine-Liveblog : Schwere Kämpfe im Osten des Landes

          Grüne fordern Tempo bei Aufnahme bedrohter Russen +++ Kreml will Preisdeckel für Öl nicht akzeptieren +++ Russlands Kampf um Bachmut laut London „unverhältnismäßig kostspielig“ +++ alle Entwicklungen im Liveblog.

          Topmeldungen

          Ein ukrainischer Soldat in der Nähe eines Warnpostens vor Landminen in der Region Kiew

          Krieg in der Ukraine : Das verminte Land

          Knapp ein Drittel der Fläche der Ukraine könnte vermint sein, genau weiß das niemand. Im Ukrainekrieg sind Landminen auch für die Zivilbevölkerung ein großes Problem. Die Sprengkörper unschädlich zu machen, kann Jahre dauern.
          „Der Mann ohne Eigenschaften“ ist das Lieblingsbuch von Markus Braun. War er selbst ein Utopist? Am Donnerstag steht der einstige Wirecard-Chef vor Gericht.

          Vor dem Wirecard-Prozess : Versager oder Gangster

          Vorwurf des Bandenbetrugs, Bilanzfälschung und Untreue – Markus Braun, der frühere Chef von Wirecard, war entweder ein Idiot oder ein Gangster. In der kommenden Woche wird ihm und zwei Mitangeklagten der Prozess gemacht.
          Ein Hoch auf die gute Nachbarschaft: Deutsche und schweizerische Passagierschiffe bei einer Sternfahrt auf dem Bodensee vor zwei Jahren

          Schweizer Neutralität : Das Gold der Russen

          Ist die Schweiz eine Insel der Glückseligen? Vor der Bundesratswahl liegen zwischen Deutschland und den Eidgenossen die Nerven blank.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.