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Hinweise auf Täter : Mitglied des „Achmat“-Bataillons soll Ukrainer kastriert und getötet haben

Angehörige und Freunde von ukrainischen Kriegsgefangenen fordern, Russland als Terrorstaat einzustufen, nachdem mehrere Gefangene in der Nähe von Donezk getötet wurden. Bild: Reuters

Wer hat einen Mann in ukrainischer Militärkleidung kastriert und dann getötet? Zwei Recherche-Teams haben nun einen möglichen Täter identifiziert. Er soll zu einem Bataillon aus Freiwilligen gehören.

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          Ende Juli verbreiteten prorussische Telegram-Kanäle Videoaufnahmen, die zeigen sollen, wie ein Mann in ukrainischer Militäruniform kastriert und dann mit einem Schuss in den Kopf getötet wird. Die Identität des Opfers bleibt unklar, sodass sich für viele ukrainische Angehörige von Gefangenen in russischer Gewalt in das Grauen angesichts der Bilder die Angst mischen dürfte, es könnte ihren Mann, Sohn, Vater getroffen haben. Der Kämpfer, der in Operationshandschuhen das Messer gegen das Opfer führt, trägt einen dunklen, breitkrempigen Hut mit Muschelbordüre und ein schwarzes Armband am linken Handgelenk. Journalisten des Recherchenetzwerks „Bellingcat“ und seines exilrussischen Partners „The Insider“ wollen den „Cowboy-Sadisten“ nun identifiziert haben.

          Friedrich Schmidt
          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Bilder eines Mannes mit solchem Hut fanden sich in Aufnahmen kremltreuer Medien, welche die Mitwirkung des tschetschenischen Bataillons „Achmat“ an der Eroberung des Werks „Asot“ in der ost­ukrainischen Stadt Sewerodonezk Ende Juni feierten. Es ist, wie vieles in Tschetschenien, nach dem Vater von Ramsan Kadyrow benannt, dem Machthaber der Nordkaukasusrepublik. Auch ein weißes Auto mit dem „Z“, dem Symbol der Eroberer, findet sich ebenso in den Foltermordaufnahmen wie in denen aus Sewerodonezk. Mithilfe von Gesichtserkennungssoftware und Einträgen in sozialen Medien wollen die Rechercheure den mutmaßlichen Täter entlarvt haben. „Bellingcat“ verzichtete in Ermangelung hinreichend klarer Aufnahmen des Tätergesichts in den Foltermordbildern auf eine Benennung. Dagegen benannte „The Insider“ den 1993 geborenen Otschur-Suge M. aus der südsibirischen Teilrepublik Tuwa an der Grenze zur Mongolei als Täter.

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