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Abzug aus Afghanistan : „Ein historisches Kapitel geht zu Ende“

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Bei einem unangekündigten Besuch Ende Februar zeigen Soldaten im Feldlager Camp Marmal der Verteidigungsministerin, wie mit der Drohnenabwehrwaffe HP 47+ der Flug von Drohnen gestört werden soll. Bild: dpa

Das Camp Marmal der Bundeswehr im Norden Afghanistans ist geräumt. Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer würdigt den Einsatz der Soldaten – und verspricht eine kritische Aufarbeitung.

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          Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hat den Bundeswehreinsatz in Afghanistan und dessen Ende gewürdigt. „Ein historisches Kapitel geht zu Ende, ein intensiver Einsatz, der die Bundeswehr gefordert und geprägt hat, bei dem sich die Bundeswehr im Kampf bewährt hat“, sagte die CDU-Politikerin. Es sei aber auch ein Einsatz gewesen, „bei dem Angehörige unserer Streitkräfte an Leib und Seele verletzt wurden, bei dem Menschen ihr Leben verloren haben, bei dem wir Gefallene zu beklagen hatten.“

          Der Einsatz im Konfliktland Afghanistan im Rahmen der Missionen ISAF und RS („Resolute Support“) währte fast 20 Jahre. „Wir werden offen darüber reden, was gut war, was nicht gut war und was wir gelernt haben“, betonte Kramp-Karrenbauer. Das gelte für die Bundeswehr, aber auch für die Bundesregierung insgesamt. Für all diejenigen, die im Afghanistan-Einsatz dienten, solle es im Sommer einen Festakt geben.

          Die letzten verbliebenen deutschen Soldaten wurden am Dienstag von der Luftwaffe aus dem Feldlager in Masar-i-Scharif ausgeflogen. An Bord der Flugzeuge waren demnach auch die zur Absicherung des Lagers in den Norden Afghanistans verlegten Soldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK).

          59 deutsche Soldaten gefallen

          Insgesamt leisteten der Mitteilung zufolge rund 160.000 Soldatinnen und Soldaten Dienst in Afghanistan, 59 von ihnen verloren im Zusammenhang mit dem Einsatz ihr Leben, darunter 35 durch Fremdeinwirkung im Gefecht oder durch Anschläge. Vor Beginn der Rückverlegung nach Deutschland im Mai betrug die Personalstärke in Afghanistan noch etwa 1.100 Personen.

          Die Bundeswehr hatte den Abzug zuletzt deutlich vorantreiben müssen, nachdem die US-Regierung unter Präsident Joe Biden den Abzug beschleunigt hatte. Die Vereinigten Staaten als größter Truppensteller hatten sich zunächst auf einen Abzug bis zum 11. September festgelegt, dem 20. Jahrestag der Terroranschläge des islamistischen Netzwerks Al-Qaida in Amerika. Später wurde die Vollendung des Abzugs auf den 4. Juli vorverlegt, den amerikanischen Nationalfeiertag.

          Deutsche Soldaten der schnellen Eingreiftruppe (Quick Reaction Force, QRF) üben 2008 im Marmal-Gebirge bei Masar-i-Scharif im Befehlsstand einen schweren Feuerkampf auf der Landkarte.
          Deutsche Soldaten der schnellen Eingreiftruppe (Quick Reaction Force, QRF) üben 2008 im Marmal-Gebirge bei Masar-i-Scharif im Befehlsstand einen schweren Feuerkampf auf der Landkarte. : Bild: dpa

          Die Sicherheitslage in Afghanistan verschlechterte sich seit dem Beginn des Abzugs der internationalen Truppen. Seit dem 1. Mai haben die militant-islamistischen Taliban etwa 90 der rund 400 Bezirke des Landes neu erobert. Unklar blieb bis zuletzt, ob es zu einem Angriff auf das deutsche Feldlager kommen würde. Die Bundeswehr hatte Verstärkung in das Lager gebracht.

          Ein neues Kapitel für die Bundeswehr

          Für die Bundeswehr bedeutete der Einsatz in Afghanistan ein neues Kapitel in ihrer Geschichte. Er war nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 und zur militärischen Unterstützung der Amerikaner begonnen worden. Der Bundestag verabschiedete am 22. Dezember 2001 das erste Afghanistan-Mandat. Im Januar 2002 trafen die ersten Kräfte in der Hauptstadt Kabul ein. „Am 14. Januar 2002 beteiligten sich erstmals deutsche Soldaten an einer Patrouille in der kriegszerstörten Stadt“, erklärte die Bundeswehr rückblickend.

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          Deutschland war im Norden Afghanistans Führungsnation und in dieser Rolle bis zuletzt bei der Nato-Ausbildungsmission „Resolute Support“ engagiert. Die Opposition und auch die Wehrbeauftragte Eva Högl haben wiederholt eine Evaluierung des Einsatzes gefordert, um erreichte Fortschritte und Misserfolge besser zu verstehen und Schlussfolgerungen für künftige und laufende Einsätze zu ziehen.

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