https://www.faz.net/-gpf-adh20

Kramp-Karrenbauers Erklärung : Die Unsicherheit im Umgang mit der Truppe

Die Angst vor dem Symbolischen: Kein Politiker erwartete die Heimkehrer aus Afghanistan. Bild: dpa

Die Rückkehrer aus Afghanistan hatten nicht verlangt, mit Tschingderassabum empfangen zu werden. Politische Präsenz aber wäre wichtig gewesen, selbst wortlos.

          1 Min.

          Die Empörung darüber, dass die Politik bei der Heimkehr der letzten Soldaten aus Afghanistan durch vollständige Abwesenheit glänzte, hat Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer zu einer Verteidigungsschrift gezwungen. Ihr Hauptargument: Die „stille Ankunft“ sei der Wunsch der Soldaten gewesen. Die hätten so schnell wie möglich nach Hause gewollt. Zudem sei das Fernbleiben mit dem Generalinspekteur und dem Verteidigungsausschuss abgesprochen worden.

          Den Wunsch der Heimkehrer, ihre Familien in die Arme zu schließen, kann man nur verstehen. Es hatte aber auch niemand verlangt, dass auf dem Flugfeld stundenlange Reden über den Einsatz gehalten werden. Dafür ist Zeit beim Abschlussappell Ende August. Doch hätte an Stelle des kommandierenden Generals auch ein Minister oder ein Abgeordneter „Willkommen daheim“ sagen können.

          Die Angst vor dem Symbolischen

          Sogar bloße Präsenz als Zeichen der Anerkennung und Wertschätzung wäre besser gewesen als das – abgestimmte – Fernbleiben und die Behauptung, die Soldaten hätten es ja nicht anders gewollt. Was hatte man erwartet? Dass die Truppe, die zwanzig Jahre lang klaglos ihre Pflicht tat, zum Schluss verlangt, mit Salutschüssen und Tschingderassabum empfangen zu werden? Die Soldaten sollten die Sicherheit Deutschlands am Hindukusch verteidigen. Im Umgang der Politik mit unseren Soldaten zeigt sich aber auch noch nach zig Auslandseinsätzen ein erhebliches Maß an Unsicherheit, um von der Angst vor dem Symbolischen ganz zu schweigen.

          Berthold Kohler
          Herausgeber.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Oh, wie schön ist das Harzvorland: Lange bedauerte Mittelstädte wie Bleckenstedt in der Region Salzgitter sind plötzlich hoch im Kurs.

          Immobilienpreise : Jetzt wird auch das flache Land teurer

          Die Immobilienpreise steigen nicht nur in den Metropolen des Landes. Warum das Dorf für Großstädter immer mehr zur Alternative wird und was das für den Traum vom Eigenheim bedeutet.
          Maybrit Illner im Gespräch mit ihren Gästen

          TV-Kritik: Maybrit Illner : Das neue Traumpaar der deutschen Politik

          Christian Lindner und Annalena Baerbock zeigten uns Zuschauern gestern Abend bei Maybrit Illner ihr herzliches Einvernehmen: Wir waren fast schon gerührt. Norbert Röttgen dokumentierte dagegen das Elend der CDU.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.