https://www.faz.net/-gpf-73rs7

Abwehr von Computerangriffen : Plan X für den nächsten Präventivkrieg

  • -Aktualisiert am

Nicht nur die Freiheitsstatue soll strahlen: Die New Yorker Skyline während eines Stromausfalls im August 2003 Bild: Ullstein Bild

Washington beansprucht das Recht auf den Erstschlag im Cyberspace - das hat Verteidigungsminister Leon Panetta jüngst in einer Rede dargelegt. Das Pentagon sucht nun nach Unternehmen mit Ideen für die Kriegsführung im Internet.

          5 Min.

          In jeder Rede von Verteidigungsminister Leon Panetta kommt dieser Tage ein Thema vor, das von der Öffentlichkeit in den Vereinigten Staaten und in aller Welt noch kaum wahrgenommen wird: der Krieg im Cyberspace. Auch am Wochenende sprach Panetta in Norfolk in Virginia über das „Schlachtfeld der Zukunft“. Doch schon jetzt gebe es „jeden Tag buchstäblich Hunderttausende Angriffe“, die das Land abzuwehren in der Lage sein müsse, sagte Panetta.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Wie das erreicht werden kann, hatte Panetta in einer Grundsatzrede am 11. Oktober in New York dargelegt. Die wichtige Rede wurde aber vom Lärm eines politischen Großereignisses übertönt: Zur gleichen Zeit standen sich Joseph Biden und Paul Ryan in Danville in Kentucky in der Fernsehdebatte der Vizepräsidentschaftskandidaten gegenüber. Was Panetta in New York sagte, wird aber ungeachtet des Wahlausgangs vom 6. November nachhaltigere Bedeutung haben als der Schlagabtausch von Biden und Ryan.

          Seit seinem Amtsantritt im Pentagon im Juli vergangenen Jahres hat Panetta mehrfach vor den Gefahren für die nationale Sicherheit im Cyberspace gewarnt. In New York warnte Panetta eindringlich vor einem Szenario, das er - in Anspielung auf den japanischen Angriff auf den Hafen der amerikanischen Kriegsmarine in Hawaii vom Dezember 1941 - mit den Worten „Cyber Pearl Harbor“ umschrieb. Damit meinte Panetta eine Attacke über das Internet, die nicht nur zu großem Schaden und zum Verlust von Menschenleben führen, sondern „das Land lähmen und in einen Schockzustand versetzen“ würde. Panetta berichtete von Angriffen auf die computergestützten Steuersysteme von Wasser- und Elektrizitätswerken sowie von Chemieunternehmen.

          Entgleisende Züge und vergiftetes Trinkwasser

          „Wir wissen, dass die Angreifer hoch spezialisierte Mittel entwickeln, um diese Steuerungssysteme anzugreifen, um Panik, Zerstörung und sogar den Verlust von Menschenleben zu verursachen“, sagte der Minister. Als mögliche Szenarien nannte er das durch Computerviren verursachte Entgleisen von Personenzügen oder von Gefahrguttransporten, die Vergiftung des Trinkwassers und Stromausfälle in weiten Landesteilen. Wir müssen bereit sein, „die Nation und unser nationales Interesse gegen Angriffe im oder durch den Cyberspace zu verteidigen“, sagte Panetta.

          Schon unter seinem Amtsvorgänger Robert Gates war im Juni 2009 die Schaffung eines eigenständigen Kommandos der amerikanischen Streitkräfte für Einsätze im Internet angeordnet worden. Im Oktober 2010 meldete das neue „Cyber Space Command“ (US Cybercom) mit Sitz in Fort Meade im Bundesstaat Maryland die volle Einsatzbereitschaft. Chef des neuen Kommandos ist Heeresgeneral Keith B. Alexander, der schon seit 2005 Direktor des Militärgeheimdienstes „National Security Agency“ (NSA) ist. Auch die NSA hat ihren Sitz in Fort Meade.

          Was das neue „US Cybercom“ genau tut, wie das Pentagon grundsätzlich die neue Kriegsführung im Internet plant und auch schon praktiziert, liegt bisher zu guten Teilen im Dunkeln. Zum einen deshalb, weil noch niemand weiß, welche „Schlachten“ in den künftigen Kriegen im Cyberspace geführt werden; andererseits deshalb, weil die meisten Aktionen im Geheimen vorbereitet werden. Das Jahresbudget im Pentagon für die Entwicklung weiterer Instrumente für den Cyber-Krieg liegt bei rund drei Milliarden Dollar.

          Fähigkeit für effektive Einsätze

          Panettas New Yorker Rede ist der bisher klarste Abriss einer Verteidigungsdoktrin für den Cyberspace. Diese fußt auf dem Recht zum Präventivschlag. „Wenn wir die unmittelbare Gefahr eines Angriffs erkennen, der großen materiellen Schaden anrichten oder gar amerikanische Bürger töten würde, dann müssen wir die Möglichkeit haben, unter Leitung des Präsidenten einzuschreiten, um die Nation zu verteidigen“, sagte Panetta. Für einen Präventivkrieg im Cyberspace habe das Verteidigungsministerium nicht nur Pläne, sondern inzwischen auch „die Fähigkeit zu effektiven Einsätzen entwickelt“, sagte Panetta.

          Weitere Themen

          Keine weiteren Plagiate bei Laschet

          Laut Plagiatsprüfer Weber : Keine weiteren Plagiate bei Laschet

          Der Plagiatsprüfer Stefan Weber sieht Armin Laschet entlastet: Er habe in dessen Buch über das schon bekannte Plagiat hinaus keine weiteren Stellen gefunden. Das Plagiat Laschets lasse sich nicht mit dem Fall Baerbock vergleichen.

          Aufbruchstimmung passé Video-Seite öffnen

          Tunesien in politischer Krise : Aufbruchstimmung passé

          Das Musterland des Arabischen Frühlings befindet sich in einer kritischen Lage. Viele Tunesier erleben ihre Situation heute sogar schlechter als während der autoritären Herrschaft bis 2011. Die Krise gilt jedoch als hausgemacht.

          Topmeldungen

          Die Digitalisierung aller Lebensbereiche beschleunigt sich. Das Foto zeigt einen Serverraum in einem Rechenzentrum des Internetdienstanbieters 1&1.

          Inflation : Keine Rückkehr in die alte Welt

          Die Politik muss sich darauf einstellen, dass sich wichtige wirtschaftliche Parameter nach der Pandemie verändern. Das betrifft nicht nur die Inflation.
          „Bayern“ für Deutschland. Als dieses Bild 2015 entstand, kehrte die Fregatte von einem Einsatz vor Somalia zurück

          Deutschland entsendet Fregatte : Flagge zeigen im südchinesischen Meer

          Mit einem ganzen Flottenverband kann die Deutsche Marine schon mangels Masse im Fernen Osten nicht aufwarten. Aber die Fregatte Bayern soll China wenigstens demonstrieren, dass Berlin an der Freiheit der Meere interessiert ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.