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Abtreibung : Frankreich erleichtert Schwangerschaftsabbrüche

Protest in Paris: Diese Französinnen protestieren gegen die Erleichterungen beim Schwangerschaftsabbruch Bild: AFP

Auch ohne soziale Notlage dürfen Frauen innerhalb von zwölf Wochen auf Kosten der staatlichen Krankenversicherung abtreiben. Die Opposition fürchtet, der Schwangerschaftsabbruch werde zu einem „Verhütungsmittel unter anderen“.

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          Kurz vor der ersten Audienz François Hollandes bei Papst Franziskus im Vatikan am Freitag erleichtert Frankreich den Zugang zum kostenlosen Schwangerschaftsabbruch. Schwangere müssen künftig nicht mehr eine soziale Notlage mehr geltend machen, um innerhalb der gesetzlichen Frist von zwölf Wochen auf Kosten der staatlichen Krankenversicherung abzutreiben. Das sieht eine Gesetzesänderung vor, der die Abgeordneten in der Nationalversammlung am Dienstagabend zustimmten. Der Vorsitzende der rechtsbürgerlichen Oppositionspartei UMP, Jean-François Copé, kritisierte eine „unerträgliche Banalisierung“ der Abtreibung, die zu einem Verhütungsmittel „unter anderen“ werde. Copé schlug sich damit auf die Seite der Demonstranten, die am Wochenende in Paris gegen die geplante Lockerung protestiert hatten. Das hinderte einen Teil der UMP-Abgeordneten nicht daran, für das Regierungsvorhaben zu stimmen. „Man darf den Frauen nicht das Recht absprechen, eigenständig beurteilen zu können, ob sie abtreiben wollen“, sagte die frühere Ministerin Nicole Ameline (UMP).

          Zweite Erleichterung unter Hollande

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Frankreich hat eine der höchsten Abtreibungsraten Europas. Durchschnittlich werden dort 220.000 Schwangerschaftsabbrüche pro Jahr vorgenommen, mehr als die Hälfte davon sind medikamentöse Abtreibungen durch Abtreibungspillen vom Typ RU 486 (Mifegyne).

          Die sozialistische Frauenministerin Najat Vallaud-Belkacem verteidigte das Recht aller Frauen auf Abtreibung. Frankreich wolle dieses Recht bekräftigen, da es in anderen europäischen Ländern – insbesondere in Spanien – derzeit in Frage gestellt werde. Dieses Recht dürfe nicht durch Bedingungen eingeschränkt werden, so die Frauenministerin. Vallaud-Belkacem wies in der mehr als zwei Stunden währenden Parlamentsdebatte darauf hin, dass die in dem Gesetz von 1975 erwähnte „soziale Notlage“ ohnehin nicht überprüft worden sei. Sie sprach von einer redaktionellen Korrektur des Gesetztextes. Es handelt sich bereits um die zweite Offensive zur Erleichterung der Abtreibung unter Präsident Hollande. Seit April 2013 trägt die staatliche Krankenversicherung die vollen Kosten für Abtreibungen.

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