https://www.faz.net/-gpf-7rrco

Abschuss über der Ukraine : Wie funktionieren Boden-Luft-Raketen?

  • -Aktualisiert am

Flugabwehrsystem Buk-M2 Bild: dpa

Flug MH17 der Malaysia Airlines wurde möglicherweise von einer Boden-Luft-Rakete des Typs „Buk“ abgeschossen. Ob die Rebellen das komplexe System nach kurzer Zeit schon bedienen können, halten Experten aber für fraglich.

          Der Absturz der Boeing 777-200 im Osten der Ukraine mit 298 Toten ist die schwerste Flugzeug-Katastrophe in Europa seit fast 30 Jahren. Nicht nur die Vereinigten Staaten gehen mittlerweile davon aus, dass die Maschine abgeschossen wurde. Nach Ansicht von Experten kommt dafür nur eine hochkomplexe Waffe infrage - angeblich soll es sich um eine Boden-Luft-Rakete des Typs „Buk-M2“ handeln.

          Grundsätzlich seien Boden-Luft-Raketen für die Verteidigung gedacht und nicht für den Angriff, erklärt ein deutscher Militärexperte, der namentlich nicht genannt werden möchte, im Gespräch mit FAZ.NET. Die Raketen werden dafür eingesetzt, gegnerische Angriffe abzufangen. Sie reagieren, sobald ein feindliches Flugobjekt in ihr Territorium eindringt.

          Das Buk-Flugabwehrraketensystem

          Die Raketen unterteilen sich in verschiedene Leistungsvarianten. Die sogenannten Man Portable Air Defense Systems (MANPADS) sind schultergestützte Boden-Luft-Raketen, die im Ukraine-Konflikt auch schon an vielen Stellen verwendet wurden. Um Flugzeuge in einer Höhe von 10.000 Metern abzuschießen, sei ihre Reichweite jedoch viel zu gering, so der Experte.

          Radargestützte Flugabwehrrakete

          Dafür seien leistungsstärkere Raketen nötig. Diese basieren auf aufwändigeren Systemen – die Mehrheit davon ist transportabel und somit mobil einsetzbar. Nach Ansicht des Experten sind solche Raketen weit verbreitet und werden von vielen Staaten weltweit eingesetzt. Neben Russland verfügen die Armeen vieler Ex-Sowjetrepubliken wie etwa die Ukraine über „Buk“-Batterien. Aber auch Waffenkunden und Verbündete Moskaus wie Syrien und Venezuela besitzen das System.

          Die Boden-Luft-Rakete des Typs „Buk-M2“, die von der Nato „SA-17 Grizzly“ genannt wird, ist eine russische Mittelstrecken-Flugabwehrrakete. „Todesfinger“ nennen Militärexperten die Raketen des russischen Flugabwehrsystems „Buk“ (deutsch: „Buche“), die von der Abschussrampe steil in die Luft abstehen. Das Kriegsgerät mit der Nato-Bezeichnung „Gadfly“ (Stechfliege) gilt als moderne Waffe mit hoher Reichweite und leistungsfähiger Elektronik.

          Sie dient der Abwehr von Kampfflugzeugen und funktioniert nach einem Zwei-Komponenten-Prinzip: Das Radar erfasst das Ziel – Experten sprechen vom „Beleuchten“ – und das Ziel reflektiert Licht zurück. Dieses nimmt ein Sensor an der Rakete auf und leitet es zur Bodenstation zurück. Es folgt eine Berechnung der Koordinatendaten, anschließend werden diese Daten an die Rakete gesandt und es kommt zum Abschuss.

          Experte: Auf langen Strecken „Ungenauigkeiten“ möglich

          Nach Ansicht von Militärexperten kann es bei diesen Systemen zu Problemen kommen, wenn sie einem Ziel hinterher fliegen und dabei eine weitere Strecke zurücklegen müssen. Dann könne es zu „Ungenauigkeiten“ kommen. Außerdem gilt die Bedingung des Systems als schwierig. Es bedarf einer intensiven Ausbildung von mindestens sechs Monaten, um das Gerät zu beherrschen.

          Wie das „Wall Street Journal“ am Freitag berichtete, halten Experten es überhaupt für fraglich, dass die prorussischen Rebellen in der Ukraine ein hochkomplexes System wie die Buk-Rakete nach kurzer Zeit bedienen könnten. „Das ist kein System, das man so ohne weiteres gleich benutzen kann“, sagte Douglas Barrie vom Internationalen Institut für Strategische Studien (IISS) in London.

          Weitere Themen

          So viel Geld, und dann so viel Ärger

          Gute-Kita-Gesetz : So viel Geld, und dann so viel Ärger

          Das Gute-Kita-Gesetz war nicht nur das erste Gesetz mit griffigem Namen, es versprach erhebliche Verbesserungen in der Kinderbetreuung. Nun zeichnet sich ab, dass das Vorhaben zu einem Flickenteppich des Föderalismus wird.

          In zwei Fliegern nach Amerika Video-Seite öffnen

          Kritik an Bundesregierung : In zwei Fliegern nach Amerika

          Bundskanzlerin Angela Merkel und Ministerin Annegret Kramp-Karrenbauer fliegen fast zeitgleich an die Ostküste der Vereinigten Staaten. Sie nutzen dabei jedoch zwei getrennte Flugzeuge.

          Topmeldungen

          Länger leben : Kerle, macht’s wie die Frauen

          Von der Gleichstellung der Geschlechter profitieren auch Männer – sie sind gesünder und leben länger. Die regionalen Unterschiede, die in einer Studie sichtbar werden, überraschen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.