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Absturz in der Ostukraine : Transportminister: Flugroute war abgesprochen

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Auf Absprachen mit der internationalen Luftfahrtbehörde berufen: der malaysische Transportminister Minister Liow Tiong Lai (Mitte) am Freitag in Kuala Lumpur Bild: AFP

Für den Flug MH 17 habe es keine Einschränkungen gegeben. Das sagte der malaysische Transportminister. Mehr als ein Dutzend anderer Fluglinien hätten das Gebiet ebenfalls überflogen.

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          Die Flugroute der abgestürzten Boeing 777-200 der Malaysia Airlines war nach Angaben der Behörden in Kuala Lumpur mit dem internationalen Luftfahrtverband IATA abgesprochen. „IATA sagt, dass es keine Einschränkungen für den Flugverkehr in dem Gebiet gab“, erklärte der malaysische Transportminister Liow Tiong Lai am Freitag in einer Pressekonferenz. Er wies darauf hin, dass bislang 15 oder 16 andere Fluggesellschaften das Gebiet überflogen hätten. Er verurteilte die Aktion, „die das Flugzeug zum Absturz gebracht“ habe, und sprach den Opferfamilien sein Beileid aus.

          Die Hintergründe der Tragödie mit 298 Todesopfern bleiben dessen ungeachtet ungeklärt. Klar ist bislang nur, dass keiner der 283 Passagiere und 15 Besatzungsmitglieder den Absturz aus etwa 10.000 Metern Flughöhe am Donnerstagabend überlebt hat. Für die Aufklärung wichtig dürfte die Blackbox sein, die sich an Bord jeder Maschine befindet. Eine moderne Blackbox zeichnet während des Fluges mehr als 100 Parameter auf, wie etwa die Flughöhe, die Triebwerksleistung, den Kurs und die Geschwindigkeit.

          Außerdem gibt es den sogenannten Voice-Recorder, das die Gespräche im Cockpit und über Funk aufzeichnet. Beide Geräte wurden inzwischen von Rettungskräften beziehungsweise prorussischen Separatisten gefunden. Nach Angaben des russischen Radiosenders Kommersant FM ist die Blackbox bereits auf dem Weg nach Moskau – was eine unabhängige Untersuchung wenig wahrscheinlich macht.

          Gegenseitige Schuldzuweisungen

          Zumindest für den ukrainischen Präsidenten Poroschenko ist die Schuldfrage ohnehin geklärt: Er sprach von einem „terroristischen Akt“ und warf den prorussischen Separatisten vor, die Boeing mit einer Rakete abgeschossen zu haben, wie zuletzt mehrere ukrainische Militärflugzeuge. Die Vereinigten Staaten gehen ebenfalls davon aus, dass eine Boden-Luft-Rakete abgefeuert wurde.

          Der ukrainische Generalstaatsanwalt Witali Jarema dagegen sagte, nach seiner Kenntnis hätten die  prorussischen Separatisten in der Ostukraine keine Raketenflugabwehrsysteme vom Typ „Buk“ für den Abschuss von Flugzeugen in ihrem Besitz gehabt. Die Aufständischen hätten, anders als von ihnen selbst im Juni behauptet, keine einsatzfähigen Waffensysteme dieser Art erobert, sagte Jarema am Freitag in Kiew. Diese Informationen seien auch Präsident Poroschenko und dem nationalen Sicherheitsrat vom ukrainischen Militär übergeben worden. Die Aufständischen selbst dementierten, für den Absturz der Boeing 777-200 verantwortlich zu sein. Der russische Präsident Putin gab der Ukraine indirekt die Schuld: „Die schreckliche Tragödie wäre nicht passiert, wenn es in der Ostukraine keinen Krieg gäbe“, sagte er.

          Der ukrainische Geheimdienst gab an, er habe Telefongespräche abgehört, in denen prorussische Aufständische den Abschuss eingestanden hätten. Wenige Minuten nach dem Absturz der Boeing 777-200 hätten die Separatisten dem russischen Militär übermittelt, dass Kosaken-Milizen das Flugzeug getroffen hätten. Möglicherweise seien die Aufständischen davon ausgegangen, auf ein ukrainisches Militärflugzeug vom Typ Antonow An-26 zu schießen.

          Obama fordert internationale Untersuchung

          Der amerikanische Präsident Barack Obama forderte eine internationale Untersuchung der Ursache für den Absturz, der sich über einer von Rebellen kontrollierten Region in der Ostukraine ereignete. In einem Telefonat mit seinem ukrainischen Kollegen Poroschenko sagte Obama, am Ort des Absturzes dürfe nichts verändert werden, bis internationale Experten „alle Aspekte der Tragödie“ untersuchen könnten. Zugleich sicherte der amerikanische Präsident sofortige Hilfe amerikanischer Experten zu, teilte das Weiße Haus weiter mit. Auch der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), die EU und die Nato verlangen eine internationale Untersuchung.

          Russlands Präsident Putin mit Regierungsmitgliedern bei einer Schweigeminute für die Opfer der Flugzeugkatastrophe Bilderstrecke

          Die Maschine war als Flug MH 017 um 12.15 Uhr von Amsterdam mit dem Ziel Kuala Lumpur gestartet. Unter den Opfern sind unter anderen 154 Niederländer, 27 Australier, 23 Malaysier, elf Indonesier, neun Briten, fünf Belgier, vier Deutsche, drei Philippiner und ein Kanadier. Bei den anderen Passagieren sei die Nationalität derzeit nicht sicher, teilte die Fluggesellschaft mit.

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