https://www.faz.net/-gpf-7rzvh

Abschuss von MH17 : Ermittler gehen von Raketentreffer aus

  • Aktualisiert am

Von Raketensplittern durchsiebt? Die Außenhaut der Boeing 777 Bild: REUTERS

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch wirft der ukrainischen Führung vor, beim Einsatz von Raketen Zivilisten getötet zu haben. Ein Wrackteil des Passagierflugzeugs MH17 soll dessen Abschuss belegen.

          Mehr als eine Woche nach dem Absturz des Malaysia-Airlines-Flugzeugs in der Ostukraine haben Ermittler australischen Medienberichten zufolge ein neues großes Wrackteil sowie weitere Leichen gefunden. Die Medien berufen sich auf Sprecher der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), die unter anderem australische Ermittler in das Absturzgebiet begleitet hatten. Der Fundort sei nicht weit von anderen Wrackteilen entfernt.

          Bei dem Wrackteil handelt es sich demnach um einen Teil des Rumpfes, in dem Sitze und Fenster noch intakt waren. Die Ermittler - darunter zwei australische Diplomaten und ein Forensiker - seien zunächst nicht dafür ausgerüstet gewesen, Leichen zu bergen, berichteten der Fernsehsender ABC und die Zeitung „Sydney Morning Herald“ am Freitag.

          Vorwürfe gegen ukrainische Führung

          Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch warf der ukrainischen Führung unterdessen vor, beim Einsatz von Raketen in einem von Rebellen kontrollierten Gebiet 16 Zivilisten getötet zu haben. Zwischen dem 12. und 21. Juli hätten Regierungstruppen und regierungsnahe Milizen im Raum Donezk mindestens viermal „Grad“-Raketen russischer Bauart eingesetzt, hieß es in einer am Donnerstag (Ortszeit) veröffentlichten Mitteilung. Solche zielungenauen Raketen in dicht besiedelten Gebieten abzuschießen verstoße gegen das Kriegsrecht und könnte als Kriegsverbrechen eingestuft werden. Human Rights Watch rief alle Parteien in dem Konflikt auf, künftig auf „Grad“-Raketen zu verzichten.

          Zugleich wurden Vorwürfe der Vereinigten Staaten laut, Russland wolle Separatisten in der Ukraine weitere Raketenwerfer liefern. Man habe Hinweise, dass Moskau die Lieferung von stärkeren Mehrfach-Raketenwerfern beabsichtige, sagte Marie Harf, Sprecherin des amerikanischen Außenamts, am Donnerstag. Außerdem gebe es Hinweise, dass russische Militärs mit Artillerie von russischem Gebiet auf ukrainische Einheiten schössen. Die Hinweise kämen von Geheimdiensten befreundeter Staaten, sagte Harf, ohne Einzelheiten zu nennen. Auch die Nationale Sicherheitsberaterin Susan Rice erhob entsprechende Vorwürfe.

          In der Ostukraine gehen die malaysischen Ermittler am Absturzort der Boeing nach OSZE-Angaben von einem Raketentreffer als Ursache für die Katastrophe aus. Dafür sprächen stark durchlöcherte Wrackteile. „Es geht um drei Teile der Außenhaut. Auch die Malaysier gehen davon aus, dass es Metallsplitter, Schrapnelle einer Rakete waren“, sagte Michael Bociurkiw von der Beobachtermission der OSZE dem ZDF.

          Das Video in der ZDF-Mediathek

          Der Sender zeigte Aufnahmen eines an der Absturzstelle gefundenen Wrackteils der Maschine der Malaysia Airlines. Das stark durchlöcherte Trümmerstück sei auch eine Woche nach der Katastrophe noch immer nicht sichergestellt worden.

          Die Vereinigten Staaten und die ukrainische Regierung haben prorussische Aufständische in der Ostukraine beschuldigt, die Boeing 777 mit insgesamt 298 Menschen an Bord abgeschossen zu haben. Die Rebellen bestreiten dies. Eindeutige Beweise für die Täterschaft wurden bislang nicht vorgelegt.

          Weitere Themen

          Vier Mordanklagen in den Niederlanden

          MH17-Abschuss : Vier Mordanklagen in den Niederlanden

          Die internationalen Ermittler wollen im Fall des Abschusses des Flugzeugs MH17 vier Verdächtige identifiziert haben. Russland und die ostukrainischen Separatisten weisen abermals jegliche Verantwortung zurück.

          Mehr als 70 Millionen Menschen auf der Flucht Video-Seite öffnen

          Fluchtrekord : Mehr als 70 Millionen Menschen auf der Flucht

          Die Zahl der Flüchtlinge ist einem UN-Bericht zufolge im vergangenen Jahr erneut gestiegen. Demnach gab es 2018 weltweit insgesamt 70,8 Millionen Flüchtlinge, Vertriebene und Asylbewerber. Die Zahl der neuen Asylanträge in Deutschland ging deutlich zurück.

          „Da ist etwas aus dem Ruder gelaufen“

          Bulmahn über 20 Jahre Bologna : „Da ist etwas aus dem Ruder gelaufen“

          Edelgard Bulmahn war federführend beteiligt, als vor 20 Jahren Bachelor und Master in die deutschen Universitäten einzogen. Im FAZ.NET-Interview spricht die frühere Bildungsministerin über die Freiheit der Wissenschaft und das Humboldtsche Bildungsideal.

          Ein Kommen und Gehen Video-Seite öffnen

          Rücktritte unter Trump : Ein Kommen und Gehen

          Donald Trump hat einen Personalverschleiß, wie kaum einer seiner Vorgänger. Der Rücktritt von Patrick Shanahan, amtierender Verteidigungsminister, ist nur der bislang letzte in einer langen Reihe. Eine Auswahl.

          Topmeldungen

          MH17-Abschuss : Vier Mordanklagen in den Niederlanden

          Die internationalen Ermittler wollen im Fall des Abschusses des Flugzeugs MH17 vier Verdächtige identifiziert haben. Russland und die ostukrainischen Separatisten weisen abermals jegliche Verantwortung zurück.

          Mord an Walter Lübcke : CDU weist AfD Mitverantwortung zu

          Wer ist für das hetzerische politische Klima mitverantwortlich, das womöglich den Täter zum Mord an Walter Lübcke angestachelt hat? Die CDU-Vorsitzende zeigt auf die AfD, ein Unions-Abgeordneter wählt drastische Worte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.