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Abiy Ahmed erhält Nobelpreis : Ein Friedensstifter, der Chaos stiftet?

Abiy Ahmed im Januar in Brüssel Bild: dpa

Abiy Ahmed erhält heute in Oslo den Friedensnobelpreis nach nur anderthalb Regierungsjahren. In seiner Heimat muss der äthiopische Ministerpräsident um den Zusammenhalt des Landes kämpfen.

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          Abiy Ahmed hat Wichtigeres zu tun. Mit der Presse werde er nicht sprechen, wenn er zur Entgegennahme des Friedensnobelpreises nach Oslo fliege, ließ Äthiopiens Ministerpräsident seine skandinavischen Gastgeber wissen. Auch an einem traditionellen Kinderfest, mit welchem anlässlich der Verleihung des prestigeträchtigen Preises der Frieden auf der Welt gefeiert wird, nehme er nicht teil. Er werde lediglich Ministerpräsidentin Erna Solberg treffen, am Dienstag die übliche Rede im Rathaus der norwegischen Hauptstadt halten und dann den mit umgerechnet rund 832.000 Euro dotierten Preis entgegennehmen.

          Thilo Thielke

          Freier Berichterstatter für Afrika mit Sitz in Kapstadt.

          Die Norweger reagierten verschnupft. Das Nobelkomitee, eine Gruppe norwegischer Akademiker und Politiker, hätte es begrüßt, wenn Abiy – in Äthiopien werden Menschen traditionell mit ihrem Vornamen angesprochen – mit den Journalisten sprechen würde, erklärte Komitee-Sekretär Olav Njøelstad. Schließlich seien „die Redefreiheit und eine freie und unabhängige Presse wesentliche Bestandteile des Friedens“. Zudem seien in der Vergangenheit einige Friedensnobelpreisträger „ausdrücklich dafür ausgezeichnet worden, dass sie für genau diese Rechte und Freiheiten gekämpft“ hätten.

          Abiys Sprecherin Billene Seyoum konterte mit der Bemerkung, in der äthiopischen Kultur sei „die bescheidene Rolle des Ministerpräsidenten schwer mit der sehr öffentlichen eines Nobelpreisträgers in Einklang“ zu bringen. Zudem habe der 43 Jahre alte Abiy, der Äthiopien seit April 2018 regiert, einen vollen Terminkalender: „Die Ereignisse in der Heimat drängen und erfordern seine Aufmerksamkeit.“ Das kann man so sehen.

          Im Oktober hatte das Nobelkomitee bekanntgegeben, dass sich Abiy Ahmed gegen 222 weitere nominierte Persönlichkeiten und 78 Organisationen durchgesetzt habe, und er am 10. Dezember, dem Geburtstag des 1896 verstorbenen Preisstifters Alfred Nobel, geehrt werden solle. Den Preis habe Abiy sich „für seine Bemühungen um Frieden und internationale Zusammenarbeit und insbesondere für seine entschlossene Initiative zur Lösung des Grenzkonflikts mit dem benachbarten Eritrea“ verdient.

          Zwischen 1998 und 2002 waren wegen des Grenzstreits zwischen beiden Nationen wohl rund 100.000 Soldaten ums Leben gekommen, seitdem herrschte offiziell immer noch Kriegszustand. Im vergangenen Juli hatten Abiy Ahmed und der eritreische Diktator Isayas Afewerki einen Friedensvertrag unterzeichnet. Ausgezeichnet wird allerdings nur der Äthiopier.

          Nun mehren sich die Zweifel an der Weisheit der Norweger, die Abiy schon für preiswürdig erachtet haben, als dieser gerade einmal anderthalb Jahre regiert hatte. Zwar wird Addis Abeba derzeit von einer Delegation nach der anderen besucht. Anfang Dezember kamen zunächst Entwicklungsminister Peter Müller und Arbeitsminister Hubertus Heil vorbei und sagten Abiy insgesamt 352,5 Millionen Euro Unterstützung zu. Am vergangenen Wochenende dann kam die neue EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und erklärte: „Äthiopien hat dem ganzen Kontinent Hoffnung gegeben.“

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