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Unfreiwillige Enthüllung : Hat Sarkozy seine Minister bespitzeln lassen?

  • Aktualisiert am

Alles nicht so gemeint? Der Chef der französischen Konservativen, Laurent Wauquiez, macht dem ehemaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy schwere Vorwürfe. Hier treten beide Anfang Dezember 2017 noch gemeinsam auf einer Pressekonferenz in Lyon auf. Bild: AFP

Hinter verschlossener Tür nimmt der Chef der französischen Republikaner kein Blatt vor den Mund. Doch ein Mitschnitt davon kommt an die Öffentlichkeit. Darin ist von Abhöraktionen im Élysée-Palast die Rede. Amtsinhaber Macron ist ebenfalls Thema.

          Der Parteichef der französischen Konservativen, Laurent Wauquiez, hat mit freimütigen Äußerungen zum früheren Präsidenten Nicolas Sarkozy und anderen Spitzenpolitikern für Wirbel gesorgt. Laut Auszügen aus einem heimlich aufgenommenen Mitschnitt sagte er vor Studenten, dass Sarkozy die Handys seiner Minister habe anzapfen lassen.

          Nach der Veröffentlichung teilte Wauquiez jedoch am Samstag mit, er habe niemals behaupten wollen, dass Regierungsmitglieder überwacht worden seien. Die Aufnahme seiner Worte sei illegal entstanden, erklärte der 42 Jahre alte Politiker, der mögliche juristische Konsequenzen erwähnte.

          Die TV-Sendung Quotidien veröffentlichte Teile einer Audio-Aufzeichnung eines Kurses, den der Politiker an einer Management-Schule bei Lyon gegeben hatte. „Nicolas Sarkozy war an dem Punkt angekommen, wo er die Handys derjenigen kontrollierte, die zum Ministerrat kamen“, sagte der Chef der wichtigsten Oppositionspartei Les Républicains demnach. „Er hat sie abgehört, um alle Mails, alle SMS abzupumpen und zu überprüfen, was jeder seiner Minister sagte, in dem Augenblick, wo wir in die Kabinettssitzung kamen.“

          Wauquiez hatte in der Amtszeit von Nicolas Sarkozy (2007-2012) selbst im Kabinett gesessen: als Regierungssprecher und Staatssekretär, später als Europa- und dann als Hochschulminister. Er wurde im Dezember zum neuen Vorsitzenden von Sarkozys Partei gewählt.

          „Diese Aussagen wurden im privaten Rahmen eines Unterrichts gemacht, bei einer freien Diskussion mit den Studenten, manchmal im Ton des Humors“, erklärte Wauquiez am Samstag. Der Kurs habe die Studenten insbesondere dazu gebracht, über „Gerüchte und Hirngespinste“ im politischen Leben nachzudenken. „Ich habe zum Beispiel niemals daran gedacht, zu behaupten, dass man Regierungsmitglieder im Rahmen des Ministerrats hat überwachen lassen.“ 

          Schwere Vorwürfe auch gegen Macron

          Wauquiez nahm in dem veröffentlichten Mitschnitt auch sonst kein Blatt vor den Mund. So fragte er die Studenten, ob sie schon einmal das Instagram-Konto von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gesehen hätten. „Glauben Sie mir, um dort Charisma zu finden, muss man wirklich früh aufstehen.“ Laut der TV-Sendung äußerte Wauquiez auch die Vermutung, dass Emmanuel Macron während des Präsidentschaftswahlkampfs den Sturz seines konservativen Konkurrenten François Fillon organisiert habe.

          Der ursprünglich als Favorit gehandelte Fillon war vom Verdacht einer Scheinbeschäftigung seiner Frau auf Parlamentskosten aus der Bahn geworfen worden und im ersten Wahlgang ausgeschieden. „Das Ding“ sei „völlig ferngesteuert“ worden, sagte Wauquiez.

          Regierungssprecher Benjamin Griveaux kommentierte auf Twitter: „Verleumdungen, Beleidigungen, Vulgarität... eine spezielle Vorstellung von Unterricht...“ Wauquiez hatte den Studenten extra eingeschärft, seine Aussagen für sich zu behalten: Sonst könne er nur „den Bullshit“ äußern, den er in den Medien sagen könne.

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