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Abgebrochene Geiselbefreiung : In den Händen der Amerikaner

  • -Aktualisiert am

Der Erstflug des „A400M“ ist mehr als ein Jahr überfällig, ob der Nachfolger der alten „Transall“ je fliegen wird, ist heute ungewiss, die geplante Auslieferung im nächsten Jahr wird sicher nicht stattfinden. Doch selbst die russischen Antonow-Transporter, die die Bundeswehr für die Zwischenzeit gemietet hat, waren nicht ausreichend verfügbar, so dass im Zuge der Einsatzvorbereitung weitere Flugzeuge auf dem freien Markt organisiert werden mussten. Das alles kostete Zeit.

Bedenken an der „Heimatfront“

Vier Hubschrauber vom Typ „Puma“, zwei vom Typ „Bell“ wollte die GSG9 für den Kampf um die Geiseln einsetzen. Vor der afrikanischen Küste liegen derzeit zwar drei deutsche Kriegsschiffe mit Hubschrauberlandeplätzen. Sogar Hubschrauber vom Typ Sea-Lynx sind an Bord. Die wären aber für den GSG9-Einsatz zu klein gewesen. Außerdem kann immer nur ein Hubschrauber auf einmal starten, dann muss der zweite aus dem Hangar gezogen werden, wo er mit eingeklappten Rotorblättern steht. Bis auch er abheben kann, vergeht viel Zeit. Die GSG9 hätte aber mit allen sechs Hubschraubern gleichzeitig starten müssen. Alle Überlegungen und Bemühungen, ohne fremde Hilfe auszukommen, wurden daher bald gegenstandslos, obwohl die GSG9 auf den Fregatten schon geübt hatte.

So kam die amerikanische Hubschrauberplattform „USS Boxer“ ins Spiel - und damit die Amerikaner selbst. Im Rückblick entsteht der Eindruck, dass die Bundesregierung sich nicht von Anfang an klar darüber war, wie beherzt die amerikanischen Freunde die Regie des Einsatzes übernehmen würden. Zunächst war die Lageeinschätzung der amerikanischen Spezialkräfte am Ort ähnlich wie diejenige der GSG9: Die Befreiung kann glücken. Auf deutscher Seite gab es jedoch Bedenken an der Heimatfront. Das Bundespolizeipräsidium in Potsdam verlangte zwar zu keinem Zeitpunkt den Abbruch des Einsatzes, machte aber frühzeitig auf die großen Risiken aufmerksam. Das führte allerdings im Innenministerium nicht zu einer Distanzierung von der Operation.

Washington blies Einsatz ab

Dann leiteten die amerikanischen Spezialkräfte ihre Lagebeurteilung zu ihrem Zentralkommando in Bahrein weiter. Dort und anschließend in Washington überwogen bald die Bedenken. Noch bevor die deutsche Seite endgültig entscheiden konnte, ob sie den Zugriff wagen solle, blies der Sicherheitsberater von Präsident Obama, James Jones, den Einsatz ab. Ob die Bundesregierung alleine zu dem Schluss gekommen wäre, dass die Sache zu gefährlich sei, bleibt damit offen.

Die GSG9 sollte innerhalb von vier Tagen in Mombasa sein. Das wäre am 8. April gewesen. Tatsächlich erfolgte die Verlegung der Hubschrauber auf die Boxer am 24. April, zwanzig Tage nach Beginn der Geiselnahme. Diese trübe Bilanz hat in Berlin einen Prozess in Gang gesetzt, der gern als „Lessons learned“ bezeichnet wird. Alle sind sich einig, dass die Bundesrepublik auf weltweite Einsätze dieser Art noch nicht ausreichend vorbereitet ist.

Schäuble: Eine Aufgabe für die Bundeswehr

Erste Rufe nach Konsequenzen werden laut. Der Grünen-Verteidigungspolitiker Nachtwei fordert, die Anti-Terror-Mission OEF und die Anti-Piraten-Missionen der Nato und der EU sollten gemeinsam nutzbare Landeplattformen bekommen. Der CDU-Verteidigungspolitiker Siebert will, dass die GSG9 gemeinsam mit militärischen Spezialkräften solche Einsätze übt. Und Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) will das Grundgesetz ändern, um die Bundeswehr besser einsetzen zu können. In der „Bild am Sonntag“ sagte Schäuble: „Die GSG9 ist laut Gesetz für solche Einsätze zuständig. Aber eigentlich ist das eine Aufgabe für die Bundeswehr.“ Weitere Forderungen sind zu erwarten.

Für die Geiseln auf der „Hansa Stavanger“ ist der Ausgang der Operation vielleicht dennoch ein guter. Denn vieles spricht dafür, dass sie jetzt nach dem herkömmlichen Verfahren ihre Freiheit zurückbekommen: durch Lösegeldzahlungen.

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