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Waffeninspekteure melden : Vernichtung syrischer Chemiewaffen geht voran

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Auch in Deutschland werden syrische Chemiewaffen vernichtet: Ein Mitarbeiter der Geka in Munster demonstriert den die Entsorgung von Giftstoffen Bild: REUTERS

Ein Hoffnungsschimmer in einem brutalen Bürgerkrieg: Etwa 80 Prozent des syrischen Chemiewaffen-Arsenals seien bereits abtransportiert oder vor Ort vernichtet worden, sagt die UN-Sonderbeaufragte Sigrid Kaag.

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          Etwa 80 Prozent der syrischen Chemiewaffen sind bisher abtransportiert oder vernichtet worden. Das hat die UN-Sonderbeauftragte für die Operation, Sigrid Kaag, am Sonntag nach Angaben der Vereinten Nationen. Die Sonderkoordinatorin der gemeinsamen Mission von UN und der Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) sagte, wenn es so weitergehen werde, könne die Operation in den kommenden Tagen abgeschlossen werden.

          Syrien hatte unter internationalem Druck der Zerstörung seines Chemiewaffenarsenals bis Ende Juni 2014 zugestimmt. Unter anderem hatten die Vereinigten Staaten mit einem Militärschlag gedroht, nachdem bei einem Giftgasangriff in Damaskus im August 2013 hunderte Menschen getötet worden waren.

          Giftgas offenbar weiter im Einsatz

          Zuletzt war im syrischen Bürgerkrieg am vergangenen Wochenende abermals Giftgas als Waffe zum Einsatz gekommen. Aufständische und Vertreter des Regimes bezichtigten sich danach gegenseitig, für die Verwendung von Chemiewaffen in der Provinz Hama verantwortlich zu sein. Das syrische Staatsfernsehen hatte berichtet, die Al-Nusra-Front habe mit dem Einsatz von giftigem Chlor in Kafr Zita zwei Menschen getötet und mehr als hundert weitere verletzt.

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          Von Syrien nach Niedersachsen : Die letzte Reise der syrischen Chemiewaffen

          Die oppositionelle Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter gab unter Berufung auf Ärzte an, die Opfer seien nach dem Abwurf von Fassbomben, die „dichten Rauch und Gerüche“ erzeugt hätten, erstickt. Der saudische Nachrichtensender Al Arabija meldete außerdem einen Angriff auf die Gemeinde Harasta am Freitag.

          Kafr Zita und Harasta werden von Gegnern des Machthabers Baschar al Assad kontrolliert, dessen Einheiten die Orte seit Monaten bombardieren. Die oppositionelle Nationale Koalition hatte die Vereinten Nationen aufgefordert, die Fälle zu untersuchen. „Solange es keine klare Reaktion gibt, wird das Assad-Regime weiter Verbrechen verüben und unschuldige Männer, Frauen und Kinder in Syrien vergasen“, hieß es in einer Mitteilung des Dachverbands der Exilopposition.

          Bereits Anfang April hatten israelische Medien vom Einsatz chemischer Waffen durch das Regime im nordöstlich von Damaskus gelegenen Harasta Ende März berichtet. Diese seien nicht tödlich gewesen und hätten zum Ziel gehabt, die Regimegegner kampfunfähig zu machen. Diesem Muster folgten Fachleuten zufolge seit Dezember 2012 mehrere Chemiewaffeneinsätze, etwa in Scheich Maqsud, Khan al Assal, Dschobar, Saraqeb, Adra und Ataib, wo kleinere Mengen des Nervengases Sarin eingesetzt worden sein sollen.

          Obamas drohte mit einem Militäreinsatz

          Die in Den Haag ansässige OPCW hat die Federführung für die Vernichtung von Assads Chemiewaffen übernommen.Assad hatte der Zerstörung erst zugestimmt, nachdem der amerikanische Präsident Barack Obama im August vergangenen Jahres mit einem Militäreinsatz gegen syrische Stellungen gedroht hatte. Kurz zuvor waren von der Opposition gehaltene Vororte von Damaskus mit Chemiewaffen angegriffen worden; mehr als 1400 Menschen wurden dabei getötet.

          Die UN-Sonderbeauftragte Sigrid Kaag bei Gesprächen in Damaskus mit dem syrischen Außenminister Faisal al Miqdad am 30. März
          Die UN-Sonderbeauftragte Sigrid Kaag bei Gesprächen in Damaskus mit dem syrischen Außenminister Faisal al Miqdad am 30. März : Bild: dpa

          Eine Mission der Vereinten Nationen, die den Einsatz untersuchte, kam im vergangenen September zu dem Schluss, dass die Raketen aus dem Nordwesten der Hauptstadt abgeschossen worden waren. Dort hat die 104. Brigade der Eliteeinheit Republikanische Garde ihren Sitz. Im Februar legte die Unabhängige UN-Syrien-Mission einen Bericht vor, der den Vorwurf erhärtet, der Giftgasangriff auf die Ghuta genannten Vororte im Nordosten der Hauptstadt sei von Regierungseinheiten ausgeübt worden. „Die Täter hatten wahrscheinlich Zugang zu den Chemiewaffenvorräten des syrischen Militärs“ und verfügten „über die Expertise und die Ausrüstung, um große Mengen chemischer Kampfstoffe zu verwenden“, heißt es darin. Amerika, Großbritannien und Frankreich haben Assad für den Chemiewaffeneinsatz verantwortlich gemacht; Russland machte die bewaffneten Assad-Gegner dafür verantwortlich.

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