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„Fall Barbarossa“ : Der alte Feind als neuer Freund

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Zum 75. Jahrestag der Invasion der Nazis wird die Schlacht in Brest nachgespielt. Bild: Reuters

Vor 75 Jahren begann mit dem „Fall Barbarossa“ der deutsche Angriff auf die Sowjetunion. Für den Zweiten Weltkrieg war das ein Wendepunkt: Als Folge formierte sich die große Anti-Hitler-Koalition.

          Hitlers Hoffnung, dass Großbritannien Ende Juni 1940 nach der Niederlage Frankreichs einlenken würde, erfüllte sich nicht. Und auch der deutsche Versuch, die Luftherrschaft über England als Voraussetzung für eine Invasion zu gewinnen, scheiterte kläglich. Die schlimmste Gefahr für Großbritannien, die einer deutschen Landung, war erst einmal gebannt. Doch den Krieg vermochte das Land nicht aus eigener Kraft zu gewinnen. Premierminister Winston Churchill wusste genau, wie sehr er auf die Vereinigten Staaten angewiesen war, die ihre offizielle Neutralitätspolitik allmählich zugunsten von Großbritannien aufgaben.

          Am 18. Dezember 1940 ordnete Hitler in der Weisung für den „Fall Barbarossa“ an, die Wehrmacht müsse „auch vor Beendigung des Krieges gegen England“ die Sowjetunion schnell niederwerfen können. Am 30. März 1941 sprach er vor 250 hohen Offizieren von Heer, Luftwaffe und Marine vom „Kampf zweier Weltanschauungen“ und der „Ausrottung“ des Kommunismus; zudem kündigte er die „Vernichtung der bolschewistischen Kommissare und kommunistischen Intelligenz“ an. „Barbarossa“ war als „Blitzkrieg“ angelegt, wobei die militärische Stärke der Sowjetunion sowohl von Hitler selbst als auch vom Generalstab unterschätzt wurde; sträflich vernachlässigt wurde vor allem die deutsche Logistik.

          Zum 75. Jahrestag der Invasion spielen Militärenthusiasten in Brest einen Kampf aus dem 2. Weltkrieg nach, verkleidet als Nazitruppen und Rote Armee.

          Mehrere Warnungen - offizielle auf diplomatischen Kanälen zwischen London und Moskau, inoffizielle durch den Korrespondenten der „Frankfurter Zeitung“ und Meisterspion Richard Sorge, der den deutschen Botschafter in Tokio auskundschaftete, sowie durch den Hitler-Gegner Harro Schulze-Boysen aus dem Luftfahrtministerium in Berlin - und viele Gerüchte wurden an Stalin herangetragen, dass Hitler einen Angriff vorbereite. „Der Schlüssel für Stalins Deutung war der Flug des Führerstellvertreters Rudolf Heß nach Großbritannien am 10. Mai 1941 und die politische Instrumentalisierung dieser spektakulären Aktion durch das Foreign Office“, schreibt der Historiker Rainer F. Schmidt. Das Kabinett Churchill habe „ein Verwirrspiel“ inszeniert und „die Drohkulisse eines möglichen Separatfriedens im Westen“ entworfen. Schmidts britischer Kollege Ian Kershaw ergänzt, dass London damit Moskau zum Seitenwechsel und zu einem Bündnis veranlassen wollte: „Der Versuch schlug völlig fehl. Er steigerte nur Stalins Paranoia. Stalin fühlte sich „in seiner Überzeugung bestätigt, dass man den Briten nicht trauen könne“.

          Am 15. Mai legten Marschall Semjon K. Timoschenko und Generalstabschef Georgi Schukow Stalin einen Plan für einen Präventivschlag gegen Deutschland vor und bezogen sich auf eine Rede Stalins von Anfang Mai vor Absolventen der Militärakademie mit dessen Schlussfolgerung: „Die Rote Armee ist eine moderne Armee, eine moderne Arme aber ist eine Angriffsarmee.“ Jedoch wies Stalin - so Kershaw - jetzt Präventivkriegs-Überlegungen brüsk zurück und schrie: „Sind Sie verrückt geworden? Wollen Sie die Deutschen provozieren?“ Stalin blieb in den kommenden Wochen misstrauischer gegenüber Großbritannien als gegenüber Deutschland, trotz der immer konkreter werdenden Berichte seiner Militärs über den Aufmarsch der Wehrmacht.

          Churchill: „Russland“ als Verbündeter

          Mit dem Angriff von 3,3 Millionen Soldaten der Wehrmacht begann in den frühen Morgenstunden des 22. Juni das „Unternehmen Barbarossa“. Am Mittag wandte sich Außenminister Wjatscheslaw Molotow über Rundfunk an die „Bürger und Bürgerinnen der Sowjetunion“. Er stellte den Bruch des Nichtangriffspaktes mit Hitler von 1939 heraus, sprach von einem „Überfall“, den nicht das deutsche Volk, sondern „eine Clique blutrünstiger faschistischer Herrscher“ begangen habe.

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