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75 Jahre „D-Day“ : Der Dank der ganzen freien Welt

Gute Laune: Queen Elizabeth II. mit Prince Charles und dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump Bild: AFP

Mit einer typisch britischen Mischung aus Ernst und Heiterkeit wird in Portsmouth der 75. Jahrestag des D-Days begangen. Und Donald Trump bringt einen Staatsbesuch ohne größere Fehltritte zu Ende.

          Die Ehrengäste hatten schon länger Platz genommen, als die Queen in einem violetten Kostüm in die „Royal Box“ begleitet wurde. Sie war nicht nur die Gastgeberin dieser Feier, sondern die einzige anwesende Repräsentantin eines Staates, die den „D-Day“ bewusst erlebt hat. Donald Trump, der seinen Staatsbesuch am Mittwoch in Portsmouth beendete, hatte schon beim Bankett an die berühmten Fotos erinnert, die die junge Elisabeth gegen Ende des Zweiten Weltkriegs bei der Reparatur von Militärfahrzeugen zeigen. Als die mehr als 150.000 alliierten Soldaten im Juni 1944 von Portsmouth und anderen Kanalküstenorten zur Normandie aufbrachen, um Europa von der Wehrmacht zu befreien, bereitete sich die junge Prinzessin gerade auf ihren Dienst im „Women’s Auxiliary Territorial Service“ vor.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Mancher im Publikum kämpfte mit den Tränen, als auf der prächtigen Freiluftbühne mit Bildern, Filmen, Vorträgen und schauspielerischen Einlagen, teilweise untermalt von klassischer Musik, an die Leiden und die Opfer, aber auch an die Heldentaten im Zweiten Weltkrieg erinnert wurde. Nicht nur die Veteranen kamen zu Ehren, von denen Hunderte in Portsmouth erschienen waren, sondern auch die weiblichen Kriegsspione. Mehrere Ehrengäste, unter ihnen der kanadische Premierminister Justin Trudeau und der französische Präsident Emmanuel Macron, verlasen historische Dokumente oder Briefe von Soldaten. Selbst Trump ließ sich in das makellos kuratierte Programm einbauen und trug Auszüge aus einem Gebet vor, das der amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt in seiner Radioansprache gesprochen hatte, als er die Nation über den Militäreinsatz in der Normandie informierte. Dazwischen erklangen Schlager aus den vierziger Jahren, und Männer und Frauen in Weltkriegsuniformen tanzten Boogie-Woogie. Es gelingt wohl nur den Briten, Kriegserinnerungen auch eine heitere Seite abzugewinnen und trotz aller Inszenierung und Kostümschau die Würde des Gedenkens zu bewahren.

          Auch Angela Merkel war eingeladen. Sie saß in der ersten Reihe der Loge, drei Plätze entfernt von Trump, zwischen dem griechischen Präsidenten Prokopis Pavlopoulos und dem niederländischen Premierminister Mark Rutte. Am Abend vor der Gedenkfeier hatten sich die 13 Staats- und Regierungschefs, die an der Veranstaltung teilnahmen, auf den Text einer gemeinsamen Erklärung verständigt. Sie enthält die Verpflichtung zur Zusammenarbeit und verspricht, Bedrohungen von Sicherheit, Frieden und Stabilität gemeinsam zu begegnen. „In den vergangenen 75 Jahren haben sich unsere Nationen für den Frieden in Europa und der Welt eingesetzt, für Demokratie, Toleranz und Rechtsstaatlichkeit“, heißt es darin. „Wir werden als Verbündete und Freunde zusammenarbeiten, um diese Freiheiten zu verteidigen, wann immer sie bedroht sind.“

          Das Zusammenstehen sei heute „wichtiger denn je“, mahnte Theresa May, die in den vergangenen Wochen zum den politischen Rückzug gedrängt worden war und am Freitag den Vorsitz der Konservativen Partei niederlegen wird. Mit Blick auf die Streitkräfte der Alliierten im Zweiten Weltkrieg sagte die scheidende Premierministerin: „Ihre Solidarität und Entschlossenheit bei der Verteidigung unserer Freiheit bleibt eine Lektion für uns alle. Und wir werden weiterhin für die Werte der Demokratie, Gerechtigkeit und Toleranz einstehen, für deren Fortbestehen so viele gestorben sind.“ Die Queen scherzte über die Widerstandskräfte der Kriegsgeneration – „meiner Generation“ – und zeigte sich erfreut, einen weiteren D-Day-Jahrestag begehen zu können. In ihrer kurzen Ansprache wiederholte die 93 Jahre alte Monarchin einen Satz aus der Radioansprache, die ihr Vater, König George VI., gehalten hatte: „Was uns allen abverlangt wird, ist mehr als Mut und Ausdauer. Wir brauchen eine Wiederbelebung des Geistes, eine neue, unbezwingbare Entschlossenheit.“ Im Namen des Königreichs „und der ganzen freien Welt“ dankte sie den Soldaten für ihre Opfer.

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