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72 Einwanderer hingerichtet : Entsetzen über Massaker in Mexiko

  • Aktualisiert am

Bild: afp

Das Massaker in Mexiko hat überregional für Entsetzen gesorgt. Offenbar waren die Toten Staatsangehörige lateinamerikanischer Länder, die in die Vereinigten Staaten einwandern wollten und sich geweigert hatten, als Drogenkuriere zu arbeiten.

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          Ein selbst für mexikanische Verhältnisse außergewöhnlich brutales Massaker hat in Mittel- und Südamerika Entsetzen hervorgerufen. Wie mexikanische Medien berichteten, handelt es sich bei den 72 Toten, die am Dienstag von den mexikanischen Streitkräften in einer Hacienda im mexikanischen Bundesstaat Tamaulipas entdeckt wurden, um Migranten aus verschiedenen lateinamerikanischen Staaten, die über Mexiko in die Vereinigten Staaten hatten gelangen wollen.

          Das „feige Verbrechen“ bestürze „alle Regierungen und Völker Lateinamerikas“, sagte die mexikanische Außenministerin Patricia Espinosa bei einem Besuch in Quito in Ecuador. Bei den Leichen handele es sich um Migranten aus Brasilien, Ecuador, Honduras und El Salvador, teilte der Nationale Sicherheitsrat mit.

          Mexikos Präsident Felipe Calderón verurteilte das Massaker in einer Erklärung scharf und schrieb die Morde den Auseinandersetzungen zwischen dem in Tamaulipas dominierenden Golf-Drogenkartell und der Bande der „Zetas“ zu. Die „Zetas“ haben sich von dem Golf-Kartell abgespalten und machen ihrem früheren Arbeitgeber seit einigen Jahren die Schmuggelrouten für Drogen streitig.

          Soldaten waren am Dienstag von einem 18 Jahre alten Ecuadorianer alarmiert worden, der sich mit einer Schussverletzung im Nacken zu einem Kontrollpunkt der Streitkräfte hatte schleppen können. Als die Soldaten mit Luftunterstützung auf die Hacienda vorrückten, kam es zu einem stundenlangen Feuergefecht mit den dort verschanzten Mitgliedern des „Zeta“-Drogenkartells, bei dem drei Bandenmitglieder und ein Soldat erschossen wurden. Ein minderjähriges Bandenmitglied sei festgenommen worden, die übrigen Bewaffneten konnten entkommen.

          Auf dem Weg zur Grenze von Bewaffneten abgefangen

          Nach Aussagen des einzigen Überlebenden des Massakers war die Gruppe, zu der auch 14 Frauen gehörten, auf dem Weg zur mexikanisch-amerikanischen Grenze von Bewaffneten des Kartells abgefangen worden. Als sich die Migranten weigerten, abermals Geld für Schlepperdienste zu bezahlen, seien die auf der Hacienda festgehaltenen Männer und Frauen mit Schnellfeuergewehren buchstäblich hingerichtet worden. Wie die ecuadorianische Zeitung „El Comercio“ berichtete, hatte der Überlebende des Massakers schon in seinem Heimatland Schlepper bezahlt, die ihn in die Vereinigten Staaten bringen sollten.

          Ende Juli war er demnach in seinem Heimatdorf aufgebrochen. Jedes Jahr durchqueren schätzungsweise eine halbe Million illegale Migranten Mexiko in der Hoffnung auf ein besseres Leben in den Vereinigten Staaten. Die mexikanischen Behörden nahmen allein voriges Jahr mehr als 64.000 von ihnen fest und schoben sie in ihre Heimatländer ab. Etwa 20.000 Migranten werden jedes Jahr von Drogenbanden entführt, schätzt die mexikanische Menschenrechtskommission. Präsident Calderón bezeichnete das Massaker als weiteren Beleg für die Bestialität der Verbrecherbanden, die weiter entschlossen bekämpft werden müssten.

          Mit Identifizierungen begonnen

          Unterdessen haben haben Experten mit der Identifizierung der 72 ermordeten mutmaßlichen illegalen Einwanderer begonnen. Anhand von bei einigen Toten gefundenen Dokumenten werde versucht, die Herkunft und die Identität der 58 Männer und 14 Frauen festzustellen, sagte ein Vertreter der Staatsanwaltschaft im nordostmexikanischen Bundesstaat Tamaulipas der Nachrichtenagentur AFP. Aufgrund der Vielzahl der Leichen werde die Identifizierung und die Autopsie der Opfer jedoch einige Zeit in Anspruch nehmen. Vertreter der mutmaßlichen Herkunftsländer reisten am Donnerstag nach Tamaulipas, um die mexikanischen Ermittler bei der Identifizierung der Toten zu unterstützen.

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