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70 Jahre Nato : Feiern ohne Trump

Nato-Generalsekretär bei seiner Rede vor dem amerikanischen Kongress am 3. April in Washington D.C. Bild: EPA

Die meisten Bündnisse sterben jung. Die Nato hat dagegen ein geradezu biblisches Alter erreicht. Der Grund, warum ihre Geburtstagsfeier recht bescheiden ausfällt, sitzt im Weißen Haus. Aber auch Deutschland zieht Zorn auf sich. Eine Analyse.

          Die Nato hätte an diesem Donnerstag guten Grund, eine große Feier in Washington abzuhalten. Schließlich wurde das nordatlantische Bündnis an jenem Ort vor siebzig Jahren feierlich gegründet. 70, das ist schon für einen Menschen ein beachtliches Alter. Für eine Militärallianz wie die Nato aber ist 70 geradezu biblisch.

          Die meisten Bündnisse sterben jung, und das aus ganz unterschiedlichen Gründen. Häufig wird einer der Partner oder das Bündnis als Ganzes besiegt. So wie Nazi-Deutschland und das faschistische Italien. Ihre „Achse“ hielt keine Dekade. Vielfach driften auch schlicht die Interessen der Partner auseinander. Manchmal lösen sich Bündnisse auf, weil die Bedrohung verschwunden ist. So wie bei den Alliierten im Zweiten Weltkrieg. Die Vereinigten Staaten, die Sowjetunion, Großbritannien und Frankreich standen gerade einmal knapp vier Jahre zusammen, und sie verband nur ein Ziel: das Dritte Reich zu besiegen. Schließlich kann es auch passieren, dass einer der Partner sich schlicht nicht an den Geist der Vereinbarung hält. Auch dann scheitert ein Bündnis. Die Washingtoner Denkfabrik Brookings Institution bezifferte in einer 2010 veröffentlichten Studie das Durchschnittsalter einer großen Militärallianz für die vergangenen fünfhundert Jahre auf 15.

          Die Nato hat viele dieser Herausforderungen in den vergangenen Jahrzehnten gemeistert. Ungeschlagen ging sie aus dem Ost-West-Konflikt hervor, während mit dem Warschauer Pakt ihrer Gegner sich kurz nach dem Fall des Eisernen Vorhangs selbst auflöste, weil der Rüstungswettlauf mit dem Westen verloren war. Die Mitgliedsstaaten entschieden trotz der wegfallenden Hauptbedrohung, sicherheitshalber weiter zusammenzustehen. Sie fanden in der Stabilisierung Südosteuropas, außerhalb des Bündnisgebietes, eine neue Mission. Das Bündnis wuchs, sieben der ehemaligen osteuropäischen Gegner wurden über die Jahre neue Partner; nicht ohne damit den Argwohn und Protest Russlands hervorzurufen. Die Terrorangriffe auf New York und Washington D.C. am 11. September 2001 machten aus dem regionalen Verteidigungsbündnis quasi über Nacht einen globalen Sicherheitsakteur. Was im Kalten Krieg kein einziges Mal passierte, wurde Realität: Der Bündnisfall wurde erklärt. Nato-Truppen wurden im Kampf gegen den Terror am Hindukusch ebenso eingesetzt wie auf Marineschiffen im Mittelmeer und zur Piraterie-Bekämpfung am Horn von Afrika. In Afghanistan sind sie bis heute im Einsatz. Und dem Bündnis gelang es auch, eine (wenn auch langsame) Kehrtwende einzuleiten, seitdem Russland 2014 die Krim annektierte und den Krieg in der Ostukraine anheizte. Die Bündnisverteidigung an der Nato-Ostflanke ist inzwischen wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Der Verfall der klassischen Landes- und Bündnisverteidigungsfähigkeiten wurde gestoppt. Militärbudgets wachsen wieder, die Zahl und der Umfang von Manövern nehmen zu, und stationierte wie bereitgehaltene Verbände demonstrieren in dosierter Form Richtung Moskau die Bereitschaft, sich zu verteidigen.

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