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70 Jahre Nato : Feiern ohne Trump

Dafür fällt das Jubiläum an diesem Donnerstag recht bescheiden aus. Mag der gerade im Amt bestätigte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg noch so oft betonen, dass die Nato die stärkste und erfolgreichste Allianz in der Geschichte“ ist. Mag das Bündnis mit Nord-Mazedonien bald von einst zwölf auf dann 30 Staaten angewachsen sein. Auf ein groß angelegtes, mehrtägiges Stelldichein der Staats- und Regierungschefs wurde bewusst verzichtet. Stattdessen treffen sich lediglich die Außenminister für knapp zwei Tage in Washington. Das Ganze wird zu einer Feier mit angezogener Handbremse. Frei nach der Devise: Bloß nicht die Aufmerksamkeit des Mannes im Weißen Haus erregen. Präsident Donald Trump ist qua Amt der wichtigste Partner und zugleich, qua Person, der wohl erbittertste innere Gegner des Bündnisses. Frisch sind noch die Erinnerungen der Teilnehmer des Brüsseler Nato-Gipfels im Sommer vergangenen Jahres, als Trump intern mehr oder minder unverhohlen damit drohte, „sein eigenes Ding“ zu machen, sollten die Nato-Verbündeten nicht endlich ihre Verteidigungsausgaben signifikant erhöhen. Nur mit Mühe gelang es Generalsekretär Stoltenberg, Trump mit dem Hinweis einzufangen, dass die Verbündeten seit Beginn seiner Präsidentschaft 41 Milliarden Dollar mehr für ausgegeben hätten, was sein Verdienst sei. Seitdem wird Trump nicht müde, genau das bei jeder Gelegenheit zu betonen.

Die Sorge vor den Kehrtwenden des Präsidenten ist dennoch groß. Im Wahlkampf sprach er davon, dass die Nato „obsolet“ sei. Eine Aussage, die er später zurücknahm. Die „New York Times“ berichtete im Januar, Trump habe im vergangenen Jahr mehrfach gesagt, dass er sein Land aus dem Bündnis herauslösen wolle. Der Präsident wies die Behauptung als unverschämt zurück. Dennoch hat das Repräsentantenhaus noch im Januar mit überwältigender Mehrheit einen Gesetzentwurf verabschiedet, der genau das verhindern soll. Für den „Nato Support Act“ stimmten 357 der 435 Mitglieder. Zudem hat der Kongress sich zu einer einzigartigen Geste entschlossen. Wie um sein Bekenntnis zur Nato zu dokumentieren, hatte er Nato-Generalsekretär Stoltenberg eingeladen, am Mittwochabend vor beiden Häusern des Parlaments zu sprechen. Und auch Trump selbst empfing Stoltenberg – womit die Absicht, unter dem Radar des Präsidenten zu bleiben, inzwischen ad absurdum geführt wurde.

Inwiefern die Ängste vor den Entscheidungen des Präsidenten tatsächlich berechtigt sind, weiß am Ende nur er selbst. Zweifellos hat Trump in den vergangenen Jahren vieles angedroht und laut Pläne geäußert, die in den Hauptstädten der Partner für Unruhe sorgten. Das gilt auch für die Idee, künftig alle Verbündeten für die Präsenz amerikanischer Streitkräfte in ihren Ländern kräftig zahlen zu lassen. „Cost 50“ heißt die Idee, nach der die Staaten alle Kosten für die Truppen in ihrem Land tragen müssten und zusätzlich noch einmal 50 Prozent obendrauf legen sollen. Andererseits haben die Vereinigten Staaten seit Trumps Amtsantritt vor mehr als zwei Jahren, nüchtern betrachtet, ihr militärisches Engagement in Europa geräuschlos und signifikant erhöht, um damit die Abschreckung gegenüber Russland zu verstärken. Mit mehr Truppen, mehr Gerät und mehr Geld.

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