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60. Jahrestag des Kriegsendes : Bush stellt sich auf die Seite der Balten

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Vorbereitungen für Bushs Besuch heute in Riga Bild:

Zum 60. Jahrestag des Kriegsendes nimmt Amerikas Präsident an den Feierlichkeiten in Moskau teil. Damit will er die Leistungen der Sowjetunion im Kampf gegen die Nazis würdigen, ohne das sowjetische Unrecht gegenüber den Balten zu verschweigen.

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          Der amerikanische Präsident George W. Bush beginnt an diesem Freitag eine fünftägige Europareise. Im Mittelpunkt steht die Teilnahme an der Feier zum Ende des Zweiten Weltkrieges vor 60 Jahren am Montag in Moskau.

          Bushs ersters Ziel ist Lettland. Dort trifft er die Präsidenten der drei baltischen Staaten. Nur die lettische Präsidentin Vaira Vike-Freiberga hatte die Einladung zu den Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag des Kriegsendes nach Moskau angenommen. (Lesen Sie dazu auch das Porträt: )

          Litauen und Estland lehnen ihre Teilnahme mit der Begründung ab, der Kreml weigere sich, seine Rolle während der fünf Jahrzehnte dauernden Besatzungszeit anzuerkennen.

          Rußland: Wir haben das Baltikum nicht besetzt

          Rußland weist bis heute den Vorwurf zurück, die baltischen Staaten 1940 illegal annektiert zu haben. „Man kann den Begriff 'Besatzung' nicht verwenden, um jene geschichtlichen Ereignisse zu beschreiben“, sagte Putins EU-Gesandter Sergej Jastrschembski jüngst in Moskau. Damals habe die Truppenstationierung auf der Grundlage von Vereinbarungen und mit klarer Zustimmung der dortigen Behörden stattgefunden. „Es gab keine Besetzung ausländischen Territoriums, das mit militärischen Mitteln erobert wurde.“

          Am Sonntag nimmt Bush auch in den Niederlanden an einer Feier zum Kriegsende teil, am Montag reist er weiter nach Moskau. Dort will er seinen russischen Kollegen Wladimir Putin an die sowjetische Besetzung des Baltikums erinnern. Er werde betonen, daß das Kriegsende Estland, Lettland und Litauen nicht die Freiheit gebracht habe, sagte er in einem Interview des staatlichen litauischen Fernsehens.

          „Kriegsende war für die Balten kein Freudentag“

          Er habe Putin bereits bei einem gemeinsamen Treffen im Februar in der Slowakei darauf hingewiesen, daß das Ende des Krieges im Baltikum kein Freudentag gewesen sei, sagte Bush. Sowjetische Truppen besetzten die baltischen Staaten im Juni 1940 und wurden im Jahr darauf von den Deutschen vertrieben. Die Rote Armee nahm das Baltikum 1944 wieder ein und gliederte es in die Sowjetunion ein. Erst 1991 erlangten die drei Staaten ihre Unabhängigkeit wieder.

          „Weißrußland ist die letzte Diktatur Europas“

          Mit Blick auf Weißrußland, das seit elf Jahren autokratisch von Präsident Alexander Lukaschenko regiert wird, sagte Bush, eine der Aufgaben Amerikas sei es, deutlich zu sagen, daß Weißrussland frei sein müsse. Die nächsten Wahlen in dem Land, das international isoliert ist, finden 2006 statt. Bush nannte Weißrußland „die letzte Diktatur in Europa“. Die Vereinigten Staaten würden mit den Ländern in der Region zusammenarbeiten, um sicherzustellen, daß die nächsten Wahlen in Weißrußland fair abliefen.

          Von Moskau reist Bush weiter nach Georgien, einer weiteren früheren Sowjetrepublik, die erst kürzlich mit einem Machtwechsel die engen Beziehungen zu Rußland beendete und sich seitdem mehr in Richtung Westen orientiert.

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