https://www.faz.net/-gpf-wxwj

60 Jahre Israel : Der Gründer-Patriarch

  • -Aktualisiert am

Ben Gurion bei der Ausrufung Israels im Mai 1948 Bild: dpa

Ohne David Ben Gurion wäre die Staatsgründung Israels nicht denkbar. Doch anders als die amerikanischen und türkischen Gründerväter, George Washington und Kemal Atatürk, verlor er nie die Aura des religiösen Patriarchen.

          Die Weltgeschichte kennt viele berühmte Gründerväter - von George Washington bis zu Kemal Atatürk. Auch David Ben Gurion war ein solcher. Doch anders als die beiden Vorgenannten hatte er immer ein wenig die Aura des religiösen Patriarchen an sich. Dies war umso erstaunlicher, als er selbst - als ziemlich linker, stark marxistisch beeinflusster Zionist - überhaupt nicht religiös war.

          Wer Ben Gurions einfaches Wohnhaus im Kibbuz von Sde Boqer in der Wüste Negev besucht, wer vor seiner großen Bücherwand verweilt, wer diesen im Grunde einfachen Lebenszuschnitt auf sich wirken lässt, weiß, dass hier ein Mann lebte, der zwei Haltungen miteinander zu verbinden wusste; er war Geistmensch und "Realpolitiker", Liebhaber Platons, der alttestamentlich-jüdischen Propheten und Tatmensch in einer Person; eine nicht einfache, manchmal sogar gefährliche Mischung. Auch sein bescheidenes, kastenförmiges Wohnhaus in Tel Aviv, an jenem Boulevard gelegen, der heute seinen Namen trägt, atmet diesen Geist.

          Herzls Erbe

          Als er am 14. Mai 1948 in einer improvisierten Sitzung im alten Museum Israels Unabhängigkeit ausrief, bekräftigte er formal, was ein anderer jüdischer Visionär, Theodor Herzl, ein halbes Jahrhundert zuvor im Geist geschaut hatte: die Schaffung von "Altneuland". Herzls Bild hing während der Proklamation fast überlebensgroß hinter ihm. Die Szene ist längst in die Geschichtsbücher eingegangen, keineswegs nur in die israelischen.

          Wie so viele bedeutende Israelis der Gründergeneration stammte auch David Grün aus Osteuropa, aus der zu jener Zeit zu Russland gehörenden polnischen Kleinstadt Plonsk, wo er am 16. Oktober 1886 geboren wurde. Mit zwanzig, im Jahre 1906, kam der Zionist erstmals nach Palästina, arbeitete in der Pioniersiedlung Sejara (einem Vorläufer der Kibbuzim) und wurde später Redakteur des Parteiorgans Achdut der Arbeiterorganisation Poale Zion. 1909 war in Galiläa Degania A, der erste Kibbuz, entstanden; es gibt ihn noch heute.

          Im Jahre 1910 schon änderte David Grün seinen Namen - nach David Ben Gurion, einem Juden, der im Jahre 70 n. Chr. zu den letzten verzweifelten Verteidigern Jerusalems gegen die Römer unter Kaiser Titus gehört hatte. Der Jurist Ben Gurion, der seit 1912 in Konstantinopel Rechtswissenschaften studiert hatte, besuchte zu Bildungszwecken und aus politischen Gründen mehrfach die alte europäische Heimat, bevor er sich endgültig in Palästina niederließ. Er freundete sich mit dem jungen Jetzhak Ben Zwi an, welcher der zweite Staatspräsident des unabhängigen Israel werden sollte.

          Balfour-Deklaration für eine „jüdische Heimstätte“

          Seit 1920 war Palästina britisches Mandatsgebiet; den östlichen Teil, jenseits des Jordan-Flusses gelegen (und deshalb Transjordanien genannt), ließen die Briten ihrem arabischen Verbündeten im Ersten Weltkrieg, dem Haus der Haschemiten von Mekka, zukommen, denn diese hatten an ihrer Seite gegen die Türken gekämpft. Emir Abdullah wurde erster Herrscher Transjordaniens, aus dem später Jordanien werden sollte.

          1917 hatte London bereits in der Balfour-Deklaration versichert, es wolle sich für eine „jüdische Heimstätte“ in Palästina einsetzen. Bis heute betrachtet Israel dies als einen wichtigen völkerrechtlichen Schritt auf dem Wege seiner Staatwerdung, während die arabische Seite die Nichteinhaltung britischer Versprechungen aus derselben Zeit als Verrat kritisiert und die Deklaration als imperialistische Machenschaft ablehnt.

          Weitere Themen

          Lambrecht warnt vor Rechtsextremismus Video-Seite öffnen

          Künftige Justizministerin : Lambrecht warnt vor Rechtsextremismus

          Der „unfassbare Mord“ an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke zeige, dass die Verteidigung des Rechtsstaates aktueller denn je sei, sagte die SPD-Politikerin Christine Lambrecht, die von der Parteiführung als kommende Justizministerin vorgestellt wurde.

          Der Kampf gegen die Braunkohle Video-Seite öffnen

          Aktivisten von „Ende Gelände“ : Der Kampf gegen die Braunkohle

          Im rheinischen Braunkohlerevier stehen die Zeichen dieser Tage auf Protest. Aktivisten der Initiative „Ende Gelände“ haben zu verschiedenen Protestaktionen aufgerufen. Nun hat sich auch die Schülerbewegung „Fridays for Future“ mit „Ende Gelände“ solidarisiert.

          Topmeldungen

          Wirft hin: Patrick Shanahan wird nicht amerikanischer Verteidigungsminister.

          Rückzug von Shanahan : Keine Ruhe im Pentagon

          Mitten in der Iran-Krise verliert Donald Trump seinen amtierenden Verteidigungsminister. Der Wunschkandidat des Präsidenten hat sich zurückgezogen – wegen eines „traumatischen Kapitels“ in seinem Familienleben.
          Der 22 Jahre alte Ali B. dementiert weiterhin die Vergewaltigung von Susanna F.

          Psychiaterin über Ali B. : Egozentrisch, manipulativ, empathielos

          Im Prozess um die getötete Schülerin Susanna F. aus Mainz berichtet wenige Wochen vor dem Urteilstermin die psychiatrische Gutachterin. Den angeklagten Ali B. beschreibt sie als faulen und frauenverachtenden Mann, der in seinem Leben immer nur an sich selbst gedacht habe.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.